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00:00:00: Es sind natürlich auch komplexe Frauen.

00:00:02: Auch die Kommunikation ist anders.

00:00:04: Frauen brauchen oft mehr Zeit.

00:00:06: Man muss besser zuhören.

00:00:09: Und das ist halt in der Praxis oft nicht gegeben.

00:00:12: Es ist Zeitdruck.

00:00:13: Man hat nur, wie man hört, in den niedergelassenen Ordinationen sehr wenig Zeit und dann auch noch auf all das einzugehen.

00:00:21: Aber es wird nötig sein, wenn wir gute Medizin machen wollen.

00:00:26: Der Podcast von Springer Medizin, gemeinsam mit der

00:00:29: MED-Univine.

00:00:32: Es gibt keine Frauenmedizin und auch keine Männermedizin.

00:00:35: Es gibt nur gute Medizin.

00:00:38: Dieses viel zitierte Motto aus der Gendermedizin zeigt, dass Geschlecht beeinflusst die Gesundheit, biologisch, sozial und systemisch.

00:00:47: Unser heutiges Gespräch führt uns tief in einen Diese Zusammenhänge und gehört auch ein paar grundsätzliche Dinge.

00:00:53: Ich freue mich sehr, mit einer Pionierin auf diesem Gebiet sprechen zu können, Professor Alexander Kautz-Gewiller, Gendermedizinerin, Diabetologin und Expertin an der MED ohne Wien.

00:01:04: Guten Morgen.

00:01:05: Guten Morgen.

00:01:06: Frau Professorin, was verstehen wir unter Gendermedizin und warum betrifft sie uns alle?

00:01:11: Sie betrifft uns alle und ist so wichtig, weil wir alle wollen eine möglichst individuelle und personalisierte Medizin haben.

00:01:19: Und die Gendermedizin ist einfach der Weg dahin.

00:01:23: Denn sie beschreibt gleichermaßen biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern, also im Prinzip zwischen Männern und Frauen.

00:01:31: Ich möchte mich jetzt hauptsächlich auf diese beiden Geschlechter beziehen, obwohl ihr alle wissen, dass das da noch mehr Formen gibt, aber ich glaube für uns und in der Wissenschaft ist es momentan ausreichend, wenn wir zwischen Männern und Frauen unterscheiden.

00:01:45: Und das Wesentliche ist eben, dass wenn der Gendermedizin sowohl diese biologischen Unterschiede, die gegeben sind durch die Geschlechtschromosomen, also XX bei der Frau, XY bei Mann und durch die unterschiedlichen Sexualhormone, die ja mit dem gesamten Körper, mit dem gesamten Hormonhaushalt in Verbindung stehen und alle Organe beeinflussen und auf der anderen Seite eben aber auch der Lebensstil.

00:02:09: Also Gender im eigentlichen Sinne, das soziale Geschächt, das umfasst den Lebensstil, das umfasst die Ernährung, Bewegung, welche Bewegungsarten, wie lange, wie viel ausdauernd Krafttraining rauchen, Alkohol, also Suchterkrankungen, auch die Rollen, die wir im täglichen Leben erfüllen in der Familie, am Arbeitsplatz.

00:02:30: Das alles umschreibt sozusagen das soziale Geschlechten, das beeinflusst ja auch wieder letztlich.

00:02:36: Die Biologie und Phenotypen von Erkrankungen, weil wir ja mittlerweile auch wissen, dass die Epigenetik einen ganz großen Effekt hat und die zeigt ja, dass Lebensstil-Umweltfaktoren auch tatsächlich gehen, Expression, Aktivität oder eben Unterdrückung von Genen beeinflussen kann.

00:02:53: Viele Frauen fühlen sich in der Versorgung nicht ernst genommen, laut Erhebungen.

00:02:58: Fast siebzig Prozent waren schon einmal unzufrieden mit einer Behandlung.

00:03:03: Warum werden Frauen medizinisch immer noch oft anders behandelt oder sogar schlechter?

00:03:08: Anders behandelt wäre ja oft gar nicht das falsche.

00:03:12: Richtig behandelt wäre das Richtige und da ist eben das Problem drin.

00:03:17: Wir wissen natürlich Frauen sind in den Studien unterrepräsentiert.

00:03:21: Das heißt Ergebnisse, die wir haben, Evidenz, die wir haben, ist teilweise schon mehr auf dem Mann zugeschnitten, obwohl mittlerweile in allen Studien, wo es um Medikamente oder Interventionen geht, die letztlich für beide Geschlechter wichtig sind, auch Männer und Frauen eingeschlossen sind oder sein sollten.

00:03:39: Also bei den Medikamentenentwicklungen ist das ja mittlerweile auch Vorgabe und wird überprüft, aber sie sind halt immer noch zu wenige.

00:03:46: Also wir haben im Klinischen Studium im Klinischen.

00:03:52: Das bedeutet natürlich, dass die Ergebnisse auch, wenn man es dann versucht, mit Subgruppen analysen.

00:03:57: Wir sind aber keine Subgruppe, wir Frauen.

00:03:59: Das ist schon gleich das nächste.

00:04:02: Und Intaktionstestungen mit dem Geschlechter zu sagen, ja, es ist eher auch für Frauen gültig, was für die Männer eindeutig erhoben wurde.

00:04:10: Aber das ist dann trotzdem nicht das Gleiche.

00:04:13: Und wir sollten schauen, dass wir ausreichend Frauen einschließen und dabei auch beachten, dass wir auch unterscheiden zwischen Prä und also vor und nach dem Menopau.

00:04:21: aber auch die Zyklusfasen, eine mögliche Hormonersatztherapie, Einfluss der Pille.

00:04:26: Also, das sind ganz viele Dinge, die da hineinspielen und die wir alle gar nicht beachten.

00:04:31: Im Prinzip, jetzt gerade, dass wir eben schauen, dass Halbwegsfrauen auch eingeschlossen sind, noch lange nicht so, wie sie die Krankheit tatsächlich haben, also in der Größenordnung.

00:04:41: Und dann ergibt sich eben, dass sie mehr Nebenwirkungen haben unter den Medikamenten, dass man erst, wenn sie am Markt sind, oft auf verschiedene es drauf kommt, was mit einer Medikamenteneinnahme assozi- Und dann werden Frauen verunsichert.

00:04:53: Wenn sie das rückmelden, die Ärzte, Ärzte haben oft keine Zeit, besprechen das nicht, nehmen sich nicht die Zeit, gut aufzuklären oder sich auch mit den Beschwerden auseinanderzusetzen auf andere Therapien, umzusteigen, andere Dosierungen, Interaktionen besser zu prüfen.

00:05:07: Und das Ganze resultiert dann in einem Teufelskreis.

00:05:10: Frauen nehmen es dann einfach nicht.

00:05:11: Zangsteilweise auch dann gar nicht mehr, weil sie es finden, es ist eh sinnlos, sind unzufrieden.

00:05:17: Und die Therapieziele werden einfach nicht erreicht.

00:05:20: Und da ist dann auch wieder leider die klinische Ignoranz teilweise, die in Erzia, die da auch ist, generell, dass wir eben auch bei Männern, aber bei Frauen noch mehr, nicht im Zielbereich sind, egal ob es das LDL-Kolesterin der Blutdruck, der HBN-C-Wert ist und nicht entsprechend Kombinationstherapien eingesetzt werden, Lebensstil, Anpassungen propagiert werden.

00:05:41: Also es ist einfach ein vielschichtiges Problem.

00:05:44: Und es sind natürlich auch... komplexe Frauen.

00:05:48: Auch die Kommunikation ist anders.

00:05:50: Frauen brauchen oft mehr Zeit.

00:05:52: Man muss besser zuhören.

00:05:55: Und das ist halt in der Praxis dann oft nicht gegeben.

00:05:58: Es ist Zeitdruck.

00:05:59: Man hat nur, wie man hört, in den niedergelassenen Ordinationen sehr wenig Zeit und dann auch noch auf all das einzugehen.

00:06:06: Aber es wird nötig sein, wenn wir gute Medizin machen wollen.

00:06:09: Wenn medizinische Unterschiede so tiefgreifend sind, dann lohnt sich natürlich auch der Blick auf konkrete Erkrankungen, besonders auf solche, die weit verbreitet sind in unserer Gesellschaft und die beide Geschlechter stark betreffen, wie etwa Diabetes mellitus.

00:06:24: Frauen werden später diagnostiziert und sind bei der Diagnosestellung oft bereits stärker belastet.

00:06:30: Wie unterscheiden sich der Diabetes bei Frauen und Männern?

00:06:34: Diabetes ist ein schönes Beispiel, wo eben auch wieder Biologie und psychosoziale kulturelle Faktoren hineinspielen.

00:06:42: Und tatsächlich, also rein biologisch hätte die Frau Vorteile, zumindest bis zur Menopause, sie hat ein geringeres Risiko für Diabetes und der Krank-Toch tatsächlich nicht so häufig, also generell sind mehr Männer betroffen, egal ob Typ eins oder Typ zwei Diabetes, nur im hohen Alter ist es dann so, dass teilweise sogar mehr Frauen sind, beziehungsweise fast ausgeglichen.

00:07:05: Aber es ist ihm so, dass Frauen oft später auch diagnostiziert werden.

00:07:09: Also einerseits sind sie biologisch tatsächlich später oft erkrankt, aber zusätzlich noch werden sie manchmal später diagnostiziert.

00:07:16: Wenn man zum Beispiel nur den Nüfternblutzucker bestimmt, dann ist gerade in den Anfangsstadium vom Diabetes bei der Frau oft noch der obere Normbereich.

00:07:26: Bei Mann ist schon der pathologische Bereich erreicht, weil die von Haus aus durch die höhere Insulinresistenz andere Fettfälle Verteilung eben ein höheres Risiko haben.

00:07:37: Das heißt, die werden dann eher entdeckt durch den Nüchtern, Blutzucker und auch der HBNC ist bei Männern üblicherweise etwas höher.

00:07:45: Und das heißt, sie werden der raschere, leichter entdeckt.

00:07:48: bei Frauen, wäre der Vorteil, wenn man macht einen Zuckerbelastungstest, dann würde man diese gestörte Glokosotoleranz erkennen, die ja dem Prätiabetes entspricht und ein Frühstadium ist.

00:07:59: Das aber wird jetzt immer weniger gemacht, weil es halt mühsam ist, aufwendig ist.

00:08:03: zwei Stunden dauert und deswegen sage ich immer nur bitte dann zumindest, wenn man nur nicht ein Blutzucker bei Frauen macht im Frühstadium zum Screening, dann auch einen HBNC auf jeden Fall dazu, weil der Tochter in postprandialen Phasen auch ein bisschen abdeckt.

00:08:18: Also das wäre jetzt mal nur zur Diagnose.

00:08:20: Wobei, wenn es dann Richtung Menopause geht, muss man sehr aufpassen, die Menopause erhöht dann das Risiko für Frauen für Diabetes um circa fünfzig Prozent, weil eben dann durch den Oestrogenabfall die Insulin Empfindlichkeit plötzlich schlechter wird, auch die Insulin-Ausschüttung wird weniger.

00:08:37: Sie passen sich in den Fettverteilungstyp, die Frauen eher den Männern an, man nimmt dann Bauchfett zu und das protektive Fett am Oberschenkel wird weniger.

00:08:46: Es entsteht mehr Inflammation dann eben und Attrosklerose risiko steigt.

00:08:51: Diabetesrisiko steigt, LDL-Kolesterin steigt, Blutdruck steigt.

00:08:55: Also kardiometabolisch eindeutig eine Verschlechterung.

00:08:58: Und in der Phase muss man dann eben besonders aufpassen, dass man erkennt, wenn eine Frau im Prediabetes- oder schon im Diabetesbereich ist und sie eben entsprechend behandeln.

00:09:09: Weil sonst ist das kardiowaskoläre Risiko dann in dem Folgejahr eben sehr hoch.

00:09:13: Wenn die Diagnose und die Risikofaktoren so unterschiedlich sind, dann stellt sich halt die Frage, sind Therapie und die Versorgung auch geschlechtsspezifisch unterschiedlich, vielleicht sogar ungerecht.

00:09:25: Warum wären Frauen mit Diabetes oft weniger intensiv behandelt?

00:09:29: Ja, vielleicht noch zu den Risikofaktoren.

00:09:31: Die habe ich jetzt gar nicht, nämlich erwähnt, außer dem unterschiedlichen Fettverteilung und den Harmonen, bis zur Menopause.

00:09:37: Aber es ist tatsächlich bei Frauen so, dass Adipositor starkes Übergewicht und Bluthochdruck stärkere Risikofaktoren sind, sind auch meist bei der Diagnose eines Typ II Diabetes ausgeprägter vorhanden.

00:09:50: Alles bemannt.

00:09:51: Dann gibt es bei den Frauen natürlich noch die geschlechtsspezifischen Risikofaktoren wie Schwangerschaftsdiabetes, polizistische Sovasyndrom oder die frühe Menopause oder generell Schwangerschaftskomplikationen wie Schwangerschaftshypertonie oder Frühgeburten, die auch alle mit einem höheren Diabetesrisiko einhergehen.

00:10:09: Also die müssen wir in Zukunft viel besser beachten und Frauen, die diese Risikofaktoren erfüllen, öfter untersuchen.

00:10:15: Bei Mann wäre nur die erektuelle Dysfunktion der sein niedrigte Testosteron zu nennen.

00:10:20: auch ein Marker sein kann für einen Diabetes oder auch schon für ein Gefäßproblem.

00:10:25: Aber wenn dann eben die Diagnose steht und bei der Behandlung ist eben das Problem, dass wir dann Medikamente haben.

00:10:32: Einerseits, die für Frauen und Männer gleich wichtig und gut wirksam sind.

00:10:36: Das sind unsere neuen Medikamentklassen, die S-Gelte-Zweihämer und die Inkretinmemetik, also GLP-Eins-Analoge gibt.

00:10:44: Analoga, die nicht nur Gewicht reduzieren, Blutzucker verbessern, sondern eben auch in gewisse protektiven Effekte haben auf Herz und Niere.

00:10:53: Und da wissen wir aber, dass Frauen z.B.

00:10:55: esgelte Zweihemmer seltener verschrieben bekommen, selbst wenn sie diese Indikationen auch außerhalb vom Diabetes erfüllen.

00:11:03: Und es liegt möglicherweise daran, dass immer noch sehr stark im Kopf ist und auch stimmt bei vielen Verschreibenden, dass Frauen mehr Unterpilzinfektionen genital und Handwichsinfekten darunter leiden können.

00:11:16: Das stimmt, aber wenn man das genau betrachtet, sieht man, dass die Goppe, die das wirklich nicht verträgt, aufgrund diese Komplikation, wo man das nicht in den Griff kriegt, sehr, sehr klein ist.

00:11:26: Und die meisten würden davon profitieren.

00:11:27: Und auch Männer können diese Probleme aufweisen.

00:11:31: Und das andere ist die GLP-I Analoga und die Inkretinmemetiker, die wirken bei Frauen sogar besser, kommt zu Mehrgewichtsreduktion, auch stärkere HBN-C-Senkungen, werden auch Frauen prinzipiell zunehmend verschrieben, gerade Junge, auch die böse Frauen.

00:11:46: Da haben wir dann wieder ein Problem mit Schwangerschaften, über das man auch reden kann.

00:11:50: Und haben hier auch die Nebenwirkungen wie gastrointestinale Beschwerden sind dafür auch bei den Frauen häufiger.

00:11:58: Unverträglichkeiten, Erbrechen, Übelkeit, aber auch die sind prinzipiell selten, geben sich meistens und wenn man gut aufklärt ist das meistens gut löst.

00:12:06: Also warum erreichen wir Zielwerte nicht, auch beim Blutdruck, auch beim LDL-Kolosterim, das ist eben wie gesagt Wahrscheinlich mangelnde Information, mangelnde Aufklärung, mangelnde Geduld bei der Therapieanpassung zu wenig Zeit.

00:12:21: und dass wir möglicherweise auch auf Bedenken, weil Frauen haben auch mehr Risiko-Denken, also die lesen sehr genau die Nebenwirkungen, die möglich sind, lesen den Bybacktext sehr genau, schauen im Internet nach und lassen sich dann auch oft leichter verunsichern.

00:12:37: Das heißt, man braucht einfach Zeit, dass man wirklich klar macht, was ist das Grund für die Medikation.

00:12:43: Was ist das Ziel, das gemeinsam festgelegt wird und ob es die Verträglichkeit muss gemeinsam überprüft werden und die Medikation angepasst werden?

00:12:53: Wenn das alles Erfolg sollte, sollte eigentlich die Therapie Zielwertereichung bei Frauen zumindest so gut wie bei Männern sein, wobei auch bei Männern ist viel Luft nach oben.

00:13:03: Also das ist generell ein Problem, aber halt bei Frauen leider noch einmal mehr.

00:13:08: Ein anderer Faktor, den ich noch ins Spiel bringen möchte, welche psychosozialen Belastungen gibt es speziell bei Frauen mit Diabetes?

00:13:16: Ja, also wir wissen, dass Frauen auch mehr unter dem sogenannten Daher biet es die Stressleiden.

00:13:21: Das ist einfach ein Stress, der zusätzlich durch die Erkrankung kommt.

00:13:25: Weil eben, man muss doch sein Leben umstellen, es muss die Ernährung angepasst werden, der Lebensstil geändert werden, Bewegung soll integriert werden.

00:13:33: Dann haben Frauen eben noch zusätzlich das Problem mit möglichen Schwangerschaften, wo sie eben bei Kinder wohnen, schauen müssen, dass ihr Blut sogar optimal eingestellt ist schon vor der Schwangerschaft.

00:13:44: Dann die ganze Schwangerschaft müssen sie engmaschig überwacht werden.

00:13:48: Sie werden informiert, dass sonst ... ein höheres Risiko ist, also auch Sorgen, um darum, dass es dann eben gesunde Kinder bekommen, was, wenn sie gut überwacht werden, wirklich sehr gut gelingt.

00:13:59: Und dann kommt wieder die Menopause sozusagen, wo nicht nur viele körperliche Veränderungen sind und Risiko für bestimmte Erkrankungen steigt, sondern oft auch psychische Belastungen sind.

00:14:12: Beim Manchen ist das die Kinder das Haus verlassen, manchmal auch Trennungen vom Partner.

00:14:19: Die langjährige Beziehung geht zur Bruch.

00:14:21: Also das ist oft so eine Umbruchsphase auch sonst im Leben von allen Menschen, aber bei Frauen vielleicht mehr.

00:14:27: Und was einfach bewiesen ist, ist, dass das Risiko für Depressionen gerade bei Frauen mit Adipositas und Diabetes zwischen vierzig und sechzig besonders hoch ist.

00:14:37: Also gerade in dieser Transitionsphase, die Abfall der Hormone spielt vielleicht auch mit, aber es sind eben auch sicher viele andere.

00:14:44: Faktoren.

00:14:45: Und hier muss man besonders aufpassen, weil die höhere Rate an Angestörungen, Depressionen bei Frauen führt dann natürlich dazu, dass die Therapie weniger gut eingehalten werden kann, weil eben der Lebensdilder nicht so gut angepasst wird.

00:14:58: Das Emotional-Eating ist dann vielleicht noch schlechter, kommt wieder zu Gewichtsturnahme, noch mehr Frust.

00:15:03: Das ist dann so ein Zirkulus-Vitiosus, der entsteht.

00:15:06: Und die Werte werden einfach immer schlechter natürlich, auch wenn die Therapie nicht eingehalten werden kann und die Depression nicht behandelt wird.

00:15:14: und somit kommt es zu einer stetigen Verschlechterung.

00:15:18: Die Gründe für mein nächstes Thema sind schon verschiedentlich angeklungen.

00:15:23: Therapieabbrüche.

00:15:24: Warum brechen gerade viele Frauen ihre Diabetesbehandlung

00:15:28: auf?

00:15:29: Ob Frauen mehr als Männer generell die Diabetesbehandlung abbrechen, das weiß ich jetzt nicht.

00:15:35: Das ist eher die Behandlung von Blutdruckmedikamenten oder von Lipidsenkern, also Statinen vor allem.

00:15:41: Beim Diabetes ist es so, dass sie die Zielwerte auch oft weniger reichen, weil sie ... oft auch generell Medikamente möglichst hinauszögern wollen, den Beginn von Medikamenten.

00:15:52: Bei Insulin war das früher sehr stark, das dann geheißen hat, wenn ich mal mit Insulin beginne, komme ich ja nie mehr davon los und dann bin ich für immer abhängig, weil sie gar nicht stimmen.

00:16:02: Mittlerweile ist aber eh die Insulintherapie ja, kommt weit hinten in der Therapieskalation und man beginnt, wenn dann mit Basalinsollin zusätzlich zu anderen Medikamenten.

00:16:12: Und ja, also Frauen ... sind generell, was Medikamente betrifft, einfach wesentlich vorsichtiger.

00:16:20: Und sie haben eben auch mehr Nebenwirkungen.

00:16:23: Man muss das einfach wirklich gut, gut besprechen.

00:16:26: Sie glauben auch, dass es doch irgendwie mit Lebensstil an Passungen gehen sollte.

00:16:31: Das funktioniert dann eben leider nicht.

00:16:34: Da haben Männer sogar mehr Folge in Gewichtsreduktion, durch Kalorienreduktion und mehr Sport.

00:16:40: Bei Frauen ist das nicht so einfach.

00:16:43: Die brauchen sehr wohl oft die medikamentöse Unterstützung.

00:16:46: Aber prinzipiell geht es, wie es mir aus den Direktstudien, ja, auch ein Diabetes, selbst sogar Insulintherapie, wenn es ein Typ zwei ist und im Frühstadium kann, durchaus durch eine massive Gewichtsreduktion, zehn Prozent Körpergewichtsabnahme, dann auch noch einmal verschwinden.

00:17:02: Also Diabetesremission gibt es schon und das schaffen schon Männer und Frauen, aber Männer etwas leichter.

00:17:09: während wir sprechen, läuft bei mir gerade ein Film ab von Bekannten, die ich kenne, die solche Probleme haben.

00:17:15: Und was mir immer wieder auffällt, ist, dass, wenn man jetzt wirklich grob unterscheidet, Männerfrauen, dass sich Männer oft dann rausnehmen und sagen, okay, jetzt für Sport zum Beispiel, auch wenn beide Partner, sage ich mal, gleich viel Stress haben, beruflich wie privat, scheint es mir so, dass der Einfluss, den eben Stress hat, doch ein anderer ist, vielleicht ein schwerer ist, bevor er ist.

00:17:40: Ja sicher.

00:17:41: Erstens sind Frauen ein bisschen stressempfindlicher, also gerade so auf emotionalen, psychen, sozialen Stress regieren sie stärker.

00:17:48: Aber es ist natürlich auch so, dass Sie mehr Stress haben, wenn Sie zum Beispiel sich gleichzeitig um die Kinder kümmern müssen, vielleicht Altenpflege, also diese Mehrfachbelastung oft dann auch berufstätig sind und im Job vielleicht auch mehr einbringen müssen, wenn Sie gleich gesehen werden wollen und gleich erfolgreich sein wollen.

00:18:09: Also es ist schon auf den Schultern der Frauenlastet schon sozusagen vielleicht teilweise mehr, auch diese ganze Mental Load.

00:18:18: und eben lasst die man vielleicht nicht so sieht und die vor allem auch finanziell nicht entsprechend abgegolten wird.

00:18:25: Solange das so ist, ist es sicher so, dass der Frauen besonders leidtragend sind.

00:18:29: Auch das haben Sie jetzt schon, dass die Schwangerschaft haben, wird schon einmal angerissen, wie beeinflussen generell Schwangerschaft, stillen.

00:18:36: Wichtiger Faktor und der Lebensstil.

00:18:39: Da haben wir es schon gemeint, das ist jetzt nicht das alles Entscheidende.

00:18:42: Aber wie beeinflusst die Schwangerschaft langfristig das Diabetes-Risiko?

00:18:47: Schwangerschaft ist praktisch ein physiologischer Stresstest für den Körper einer Frau und gerade für das kadiometabolische System.

00:18:55: Also wenn man eben da schon irgendwie eine Predisposition hat, ein Risiko hat das noch nicht so entdeckt wurde, dann wird in der Schwangerschaft den Schwangerschaftsdiabetes zuvor.

00:19:05: zu Tage kommen, der ja mit dem Mutter-Kind-Pass-Untersuch um den Zuckerbelastungs-Test in der vierundzwanzigsten bis achtundzwanzigsten Woche entdeckt werden wird und behandelt wird.

00:19:16: hoffentlich, wenn dann die Schwangerschaft gut verläuft und ein gesundes Kind geboren ist, dann vergessen viele Frauen auf den Blutzucker, dass der weiter gelegentlich kontrolliert werden muss und eine Lebensstilanpassung auch langfristig erfolgen sollte, weil das Grundrisiko ist ja weiter da, außer man ändert alles.

00:19:35: Man nimmt ab oder ändert grundsätzlich sehr stark seinen Lebensstil.

00:19:39: Mit dem zunehmenden Alter steigt dann ja auch noch das Risiko des Altersbedingte.

00:19:43: Somit steigt, wenn man einen Schwangerschaftsdiabetes hat, das Risiko, einen Typ II-Diabetes zu bekommen in den nächsten fünf Jahren, sehr stark an.

00:19:52: Also Gestationsdiabetes ist sicher der allerstärkste Risikofaktor für Frauen.

00:19:57: Andererseits muss man sagen, auch wenn eine Frau Kinderwunsch hat und nicht schwanger wird, also auch Probleme auftreten, dann kann da ein polizistisches Sova dahinter sein oder andere Probleme.

00:20:08: auch mit einem höheren Diabetesrisiko hergehen können.

00:20:12: Und natürlich gibt es in der Schwangerschaft auch, vor allem wenn man schon einen Typ II auch hatte, nicht erkannt wurde.

00:20:17: und da gibt es immer mehr Frauen, die einerseits schon etwas höher im Alter schwanger werden, andererseits schon früher einen Typ II bekommen.

00:20:25: Also das Problem Typ II Diabetes und Schwangerschaft ist schon fast größer oder ist mittlerweile größer als Typ I Diabetes und Schwangerschaft.

00:20:33: Früher gab es nur Typ I und Schwangerschaft.

00:20:35: Typ II war eine Rarität.

00:20:38: Und liegt eben auch an der Zunahme von Adipositas und ungestunden Lebensstil halt, der einfach generell bei den meisten Menschen zunimmt.

00:20:47: Und die können natürlich auch Schwangerschaftskomplikationen entstehen und die wollen wir vermeiden.

00:20:53: Also in der Schwangerschaft ist wirklich eine strikte Kontrolle und Therapie, eine Haltung notwendig und da gibt es eben Zentren, die darauf spezialisiert sind.

00:21:03: bei unseres und sollten Frauen eben hier von Spezialisten beraten und behandelt werden und damit eben den gesunden Kinder geboren werden.

00:21:13: Aber was ich vorher auch noch sagen wollte, das Problem ist, in der Schwangerschaft selbst haben wir ja nach wie vor den Goldstandards Insulintherapie.

00:21:21: Vor der Schwangerschaft, wenn ein Typ II Diabete schon bekannt war oder auch bei Frauen mit Audi Positas, werden aber sehr oft jetzt natürlich GLP-I Analoga verschrieben, also Inkredite Mediker, die ja sehr gute Medikamente sind und gerade im Hinblick auf einen späteren Kinderwunsch, der ja auch sehr positiv sein können.

00:21:40: Man nimmt Gewicht ab, der Blutzucker verbessert sich.

00:21:43: Es lauten gute Dinge, die wollen wir ja auch vor einer Schwangerschaft, damit die möglichst optimal.

00:21:48: unter optimalen Bedingungen beginnen kann.

00:21:51: Nur die Frage ist, wann setzt man es dann ab?

00:21:53: und setzt man es rechtzeitig ab, weil in der Schwangerschaft sind sie ja nicht zugelassen, diese Medikamente.

00:22:00: Und es scheint bisher zwar so, dass sie zumindest nicht unbedingt beim Menschen jetzt mit einem höheren ... Fehlbildungsrisiko einhergehen, was man aus dem Tierversuchen ja befürchtet hat, gibt mittlerweile so viele Fälle weltweit, die eben passieren, weil Schwangerschaften oft ja nicht geplant sind und sich durch diese Therapie auch die Fruchtbarkeit verbessert, die Konzeptionsraten ansteigen.

00:22:24: Also da schaut es eher so aus, als ob da eh Gott sei dann kein so großes Problem wäre, aber trotzdem wird es dann üblicherweise abgesetzt natürlich, weil es ja die Daten auch nicht gibt.

00:22:35: für die Schwangerschaftsbehandlung.

00:22:36: Und dann ist das Problem, dass dann dieser Rebound-Effekt beim Gewicht kommt und die Frauen dann oft sehr stark, sehr schnell zunehmend sich der Blutzucker schlagartig verschlechtert.

00:22:47: Und dann muss man das mit einer Insulintherapie abfangen.

00:22:50: Die führt aber dann auch wieder oft zu einer Gewichtszunahme.

00:22:53: Und diese sehr starke Gewichtszunahme in der Schwangerschaft kann dann natürlich auch wieder herum mit Komplikationen hergehen.

00:22:58: Also da haben wir einfach derzeit noch nicht das Wissen und den Evidenz, um klar zu sagen, Wann ist wirklich der optimale Zeitpunkt des Absetzens?

00:23:07: Jetzt sagt man zwei Monate vor Schwangerschaft.

00:23:11: Und wie ist dann die optimale Umstellung der Therapie, wo wir halt derzeit auch nur Insulin dann in der Schwangerschaft haben?

00:23:17: Also da brauchen wir einfach viel mehr Studien, viel mehr Daten.

00:23:19: Das sind meine Rede.

00:23:22: Wir brauchen klinische Studien zu diesen Medikamenten in der Schwangerschaft.

00:23:27: Letzter Punkt hier.

00:23:29: günstig wirkt sich stillen auf das Typ II Diabetes Risiko danach aus.

00:23:34: Ja, das wirkt sich sehr günstig aus.

00:23:36: Also das wissen wir.

00:23:37: Erstens ist auch mehr Kalorienverbrauch und die Gewichtsabnahme nach der Schwangerschaft wird leicht erleichtert für die Frauen.

00:23:44: Und da gibt es eben wirklich viele Daten, dass sowohl für das Kind dann das Risiko für Übergewicht und Typ II Diabetes geringer ist als auch für die Mutter.

00:23:53: Das Risiko geringer ist, einen Typ II-Diabetes zu entwickeln, wenn sie zum Beispiel einen Schwangerschaftsdiabetes haben.

00:24:00: Also stillen ist prinzipiell günstig, soll propagiert werden.

00:24:04: Natürlich ist wichtig, dass auch während der Stilphase der Blutzucker der Mutter gut eingestellt ist.

00:24:10: Ich spreche mit Prof.

00:24:11: Alexandra Kautz-Gewiller von der MedUniWin.

00:24:14: Wenn wir all das zusammennehmen, was Sie bisher gehört haben, biologische und gesellschaftliche Faktoren, stellt sich die Frage, wie sieht die Medizin von morgen aus?

00:24:23: oder um es in eine konkrete Frage zu verpacken, was müsste sich in Forschung, Ausbildung und Versorgung ändern?

00:24:30: Ja, es müsste sich genau in all diesen Bereichen doch einiges ändern, also bei der Forschung muss man sagen, es ist ja deutlich besser geworden, es gibt mittlerweile täglich ansteigende Zahl von Studien, die sich mit den Geschlechterunterschieden beschäftigen, sehr oft halt auch retrospective Analysen, gepulte Datensätze.

00:24:49: Und da müssen wir mal schauen, dass in Zukunft viel mehr prospjektive Studien, wo von vornherein die Geschlechterunterschiede im Design berücksichtigt werden, auch mal als premier Outcome oder dann zumindest als secondary Outcome schon beschrieben sind im Studium Design Erfolgen.

00:25:04: Und natürlich müsste Pharmaindustrie da eben noch mehr dann investieren.

00:25:08: Wenn wir wirklich mal wissen wollen, wie auch diese Brehe- und Postmenopausalephase, Harmonasatsterbipille, sich auf die Medikamente auswirkt, das ist die Frage, ob wir diese Studien je haben werden.

00:25:21: Zumindest die Zahl der Frauen erhöhen, die in die Studien eingeschlossen werden und dann die Daten stratifiziert nach Geschlecht auch publizieren.

00:25:31: Und wir brauchen natürlich auch mehr Forschungsförderung, weil wir können nicht nur von der Pharma-Studienlage leben, wir brauchen einfach unabhängige eigenständige Forschung.

00:25:40: und dazu braucht dann eben Geld und natürlich auch mehr Geld, wenn ich mehr Personen einschließen will und eben Männer und Frauen in entsprechender Zahl abbilden will und möglicherweise später auch noch weitere Untergruppen vom Geschlecht.

00:25:56: Also die Geschlechtsidentität ist natürlich auch etwas, was in Zukunft noch mehr berücksichtigt werden soll.

00:26:02: Das ist bisher ja auch fast nicht der Fall.

00:26:05: Aber wie gesagt, viel, viel so Forschung und ist natürlich sehr kostenaufwendig.

00:26:12: mehr Förderung.

00:26:13: Und bei der Lehre natürlich ebenso im Medizinstudium, dass es noch mehr gerichtet wird, geht aber Hand in Hand.

00:26:20: Wenn ich mehr Forschung, mehr Evidenz habe, habe ich auch mehr, was ich wirklich evidenzbasiert leeren kann.

00:26:27: Dann ein letzter Stelle, aber am wichtigsten ist natürlich die Umstellung in die Praxis.

00:26:31: Die folgt natürlich aus beiden, aus den Ergebnissen der Forschung und den gut ausgebildeten Gesundheitsberufen.

00:26:40: Dann wird das auch erfolgen, dass es in der Praxis umgesetzt wird.

00:26:43: und da das Wissenszuwachst täglich wächst, generell in der Medizin und in der Gendermedizin eben Auch ist dieses Wissen auch stetig erneuerbar, weiterbar, ist also nie abgeschlossen.

00:26:56: Also es ist ein fortlaufender, kontinuierlicher Prozess.

00:27:00: Und ja, dann haben wir irgendwann mal wirklich eine bestmögliche, maßgeschneiderte Medizin.

00:27:06: Für alle und künstliche Intelligenz wird natürlich auch in Zukunft noch die ganze Medizin noch mehr revolutionieren.

00:27:14: Und auch da muss man eben darauf achten, dass sie gefüttert wird mit guten Daten.

00:27:20: Frauen und von Männern, damit dann eben auch die Erkenntnisse, die hier zusätzlich gewonnen werden, dann nicht den Gender-Buyers vergrößern, sondern wirklich auch zu mehr Gender-Gerechtigkeit beitragen werden.

00:27:31: Frau Professorin, herzlichen Dank für dieses Gespräch.

00:27:34: Sehr gerne.

00:27:35: Wer sich weiter mit den Themen Gendermedizin, Diabetes, Melitus und geschlechtsspezifischer Versorgung beschäftigen möchte, findet vertiefende Informationen in den Show notes.

00:27:44: Das war der Hörgang mit Uni Wien.

00:27:46: Der Podcast von Springer Medizin, gemeinsam mit der MedUni Wien.

Über diesen Podcast

Medizinische Sendungen gehen in die Tiefe, sind aber nicht unterhaltsam. Dieses Vorurteil zu widerlegen, haben wir uns für den Hörgang vorgenommen. Nun haben wir auf Springer Medizin Österreich einen Podcast ins Leben gerufen, der sowohl aktuell als auch wissensvermittelnd sein, darüber hinaus akustisch etwas hermachen soll. Neben Experten aus Wissenschaft und Praxis werden wir auch unsere Fachredakteure, Kolumnisten und Reporter der „Ärzte Woche“ zu Wort kommen lassen.

von und mit Springer Medizin Wien/ Martin Krenek-Burger

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