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00:00:00: Medizinische Fachgesellschaften sprechen von einer sogenannten stillen Epidemie.

00:00:04: Einer von drei Menschen ist betroffen weltweit rund sechzig Millionen und das ist schon eine große Zahl.

00:00:10: Es entspricht der Einwunderzahl von Italien etwa.

00:00:14: Warum nehmen wir trotzdem diese Gefahr im Vergleich zu anderen schweren Erkrankungen so wenig

00:00:19: wahr?

00:00:20: weil die Konsequenzen nicht direkt sind.

00:00:23: Es sind zwar Beschwerden, aber im Gegensatz natürlich, ich habe vorher das Beispiel der Fußballspieler erwähnt, wo es eine andere Herzrittenstörung vorliegt, da ist das Ergebnis direkt dramatisch, direkt erkennbar und damit auch, dass direkt ein medizinische Not vorhanden ist, klar.

00:00:39: Bei Vorhofflemmern ist das weniger ausgeprägt, obwohl diese Patienten auch ein erhöhtes Risiko für den Schlaganfall haben und auch Mortalität steigt, ist eine einzelnen Episode Man bemerkt es oder nicht und damit ist diese direkten Korrelation von Effekt zur Folge weniger ausgeprägt als bei anderen Sachen.

00:00:58: Und damit entsteht natürlich, dass es viel später erst zu Therapien kommt.

00:01:04: Sie hören den Hörgang MedUniGradz, den Podcast von Springer Medizin gemeinsam

00:01:10: mit der MedUniGradz.

00:01:12: Unser Herz arbeitet unermüdlich, aber nicht immer wie ein Schweizer Urwerk.

00:01:16: Manchmal gerät es aus dem Takt, oft ganz unbemerkt und meist ohne schwerwiegende Folgen, selbst wenn die Herzfrequenz von der Norm abweicht.

00:01:24: Dennoch ist Wachsamkeit geboten, denn weltweit ist jeder Dritter im Laufe seines Lebens von einer ärzthaften Störung seines Herzrhythmus betroffen.

00:01:32: Diese Arhythmien, die machen sich bemerkbar, der Betroffene spürt Herzrasen oder Herzstolpern.

00:01:38: Und wenn dann noch Übelkeit oder Atemnot dazukommen, dann ist es höchste Zeit, einen kompetenten Arzt aufzusuchen.

00:01:45: Ein Arzt, der den Herzrhythmusstörungen auf den Grund geht, erforscht, warum sie auftreten und wie Mediziner früher reagieren können, ist Professor Jordi Heimann von der Medizinischen Universität Graz.

00:01:56: Er hat den Lehrstuhl für medizinische Physik und Bio-Physik inne und erleitet das Gottfried Schatz Forschungszentrum hier.

00:02:04: Und jetzt sitzt er mir gegenüber.

00:02:05: Grüß Gott und danke für die Einladung nach Graz.

00:02:08: Guten Morgen.

00:02:09: Herr Professor, ich möchte Sie Gebühren vorstellen, erzählen Sie uns ein bisschen etwas über den Werdegang, der holländische Name verrät er schon ein wenig, wo Sie herkommen.

00:02:18: Genau, ich komme aus Holland, habe dort studiert und bin eigentlich kein Arzt.

00:02:22: Ich habe also bei Medical Engineering, Biomedicine-Engineur bin ich und habe während mein Studium irgendwann für den Internship kam ich in Kontakt mit der Cardiologie.

00:02:32: Und da habe ich bemerkt, dass die Forschung am Herzen und dass man da diese mathematischen und physikalischen Prinzipien ganz gut anwenden kann.

00:02:40: Deshalb bin ich da noch dort promoviert, also begleitet aus der Cardiologie, aber auch aus der Abteilung der Mathematik in Maastricht, habe anderthalb Jahre im USA verbracht, bei Medical Engineering Department von Washington University.

00:02:53: Nachher habe ich mein Postdoczeit in Deutschland verbracht, in der Pharmakologie.

00:02:58: teilweise in Mannheim und auch in Essen und bin dann wieder zurückberufen worden nach Maastricht und habe dort in meiner Forschungsgruppe gestartet, wo wir uns tatsächlich auf diese Schnittstelle zwischen Mathematik oder Physik und Kardilogie uns beschäftigt haben mit Computermodellen von Herzen.

00:03:14: Und dann seit erstem Jänner, zwanzig, vierundzwanzig, habe ich hier den Lehrstuhl medizinische Physik und Bio-Physik übernommen.

00:03:20: Was haben Sie während Ihrer Ausbildung erkannt?

00:03:22: Der Herzrhythmus, das ist nicht nur ein medizinisches Detail, das ist ein ganz zentraler Faktor für unser Leben.

00:03:27: Ja, also für mich war es ganz klar, während mein Studium, sobald ich mit dem Medizin und besonderer Cardiologie mich befasst habe, dass das ein extrem komplexes System ist, aber auch ganz interessant, hochspannend und natürlich hochrelevant, weil so viele Menschen von Herz-Rhythmestörungen betroffen sind.

00:03:45: Diese Stichwort-Herz-Rhythmestörungen.

00:03:48: Diese Arrythminen sind weit verbreitet, weiter als man denkt und dennoch im Alltag kaum Gesprächsthema.

00:03:54: Liegt das daran, dass sie meist harmlos verlaufen?

00:03:56: Sie können harmlos verlaufen, aber es gibt natürlich auch ganz klare Beispiele, wo das Effekt ganz dramatisch ist.

00:04:02: Wir kennen zum Beispiel die Beispiele von Fußballspieler, die auf dem Fußballfeld auf einmal kollabieren, weil sie eine Herz-Rhythmestörung bekommen.

00:04:10: Und das ist, glaube ich, ein ganz klares Beispiel, das man es manchmal schon bemerkt, aber es ist sehr heterogen.

00:04:15: Es gibt auch viele Patienten, die Herz-Rhythmestörungen haben.

00:04:17: Die ist nicht bemerken.

00:04:20: Was bedeutet das eigentlich, wenn man, wie man so langläufig sagt, das Herzgerät aus dem Takt?

00:04:25: Normalerweise wird das Herz ganz synchron, ganz regelmäßig, mit einem ganz bestimmten Ablauf aktiviert.

00:04:31: Und das führt dazu, dass auch alle Herzmuskelzellen sehr gut in bestimmten Reihenfolge zusammenkneifen und damit das ganze Herz das Blut durch den Körper bringt.

00:04:42: Man muss berücksichtigen, wir haben etwa drei Milliarden Herzmuskelzellen.

00:04:46: Und während der normalen Menschenleben schlagen die so zweieinhalb Milliardenfach das ganze Herz.

00:04:51: Und das bedeutet, dass wir ein extrem robustes System hat, was natürlich auch noch extrem moduliert oder reguliert wird.

00:04:59: Natürlich, wenn man Sport treibt.

00:05:00: braucht man eine andere Herzfrequenz, als wenn man schläft.

00:05:04: Und das Herz ist in der Lage, sich an diese Bedingungen anzupassen.

00:05:07: Und das macht das über ein ganz klar definiertes elektrisches Signal, ein elektrischer Impuls, die normalerweise das Zeichen ist für die Herzmuskelzelle, wann sie zuschlagen haben.

00:05:18: Und wenn das System eben aus den Fugen gerät, Dann ist die häufigste Herzrhythmusstörung, das sogenannte Vorhofflimmern, der Name ist auch, glaube ich, allgemein bekannt.

00:05:29: Aber was läuft da genauer anders als bei einem gesunden Herzschlag?

00:05:32: Bei Vorhofflemmern, das ist eine, was wir eine Dachikardin nennen, also das Herz schlagt zu schnell.

00:05:38: Und das kommt dazu, dass man diese elektrische Impulse, die ich gerade schon erwähnt habe, die normalerweise die Reihenfolge bestimmt, wird verstört.

00:05:47: Es gibt Zellen, die normalerweise einfach in Ruhe warten sollten, bis dieser Impuls kommt, entscheiden jetzt von alleine, dass sie auch schon eine eigene Impuls bilden.

00:05:56: Oder andererseits kann es auch so sein, dass statt normal es fängt im rechten Vorhof an und läuft ruhig weiter dieser Impuls, dass diese Impuls sich im Kreis dreht und das Zellen sich immer wieder selbst aktivieren.

00:06:09: Und dass man damit, man nennt das Kreis in der Erregungen auch, zur hochfrequente Aktiverung dabei einen Vorhöfe führt, die dann auch nicht weiter normal das Blut von die Vorhöfe in die Herzkammer bringe und auch das Blut, was dort verbleibt in die Vorhöfe, dass man das Risiko hat, dass damit die Blutgerinnung sich ändert und dass das Risiko für einen Schlaganfall einsteigt.

00:06:30: Und warum merken wir lange nicht von diesen gesundheitlichen Problemen?

00:06:35: Ja, bei Patienten mit Vorhofflimmern ist es ganz unterschiedlich.

00:06:37: Es gibt sicherlich Patienten, die ihren Vorhofflimmern ganz klar bemerken, die Herzrasen haben oder müde oder andere beschwerten.

00:06:46: Aber häufig geht Vorhofflimmern zusammen mit Begleiterkrankungen.

00:06:51: Hypertonie, Herzschwäche und andere.

00:06:54: Und dann ist es nicht immer ganz klar, ob Beschwerden tatsächlich den Rhythmestörung zugrunde liegen oder aufgrund der Komorbiditäten und andere Risikofaktoren entstehen.

00:07:05: Und heutzutage können wir natürlich den Herz-Rhythmus immer besser bestimmen, entweder mit Smartwatches oder andere Geräten.

00:07:12: Und es gibt tatsächlich Studien, die haben das verwendet und versucht, den Korrelation zwischen Symptomen und Herz-Rhythmestörungen zu bilden.

00:07:21: Und die haben tatsächlich festgestellt, dass diese Korrelation eigentlich gar nicht so gut ist.

00:07:25: Also Patienten haben viele Symptome, auch wenn sie keine Herz-Rhythmestörungen haben.

00:07:29: Und genau umgekehrt, auch wenn sie Herz-Rhythmestörungen haben, haben sie häufig keine Symptome.

00:07:34: Das macht die Diagnostik natürlich nicht einfach.

00:07:37: Das ist

00:07:37: sehr sicher.

00:07:37: Ja, also Diagnostik ist eine große Herausforderung.

00:07:42: Wenn das Vorflämmerern häufig da ist, ist natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass man es irgendwann entdeckt, immer größer.

00:07:47: Aber häufig ist man dann schon zu spät.

00:07:49: Das Vorflämmer ist immer schwieriger zu therapieren, desto langer es da ist.

00:07:52: Also deshalb ist es schon wichtig, dass wir versuchen, es auch schon früh zu erkennen.

00:07:56: Medizinische Fachgesellschaften sprechen von einer sogenannten Stillenepidemie.

00:08:01: Einer von drei Menschen.

00:08:03: ist betroffen.

00:08:04: weltweit rund sechzig Millionen, das ist schon eine große Zahl, das entspricht der Einwunderzahl von Italien in etwa.

00:08:11: Warum nehmen wir trotzdem diese Gefahr im Vergleich zu anderen schweren Erkrankungen so wenig wahr?

00:08:17: Weil die Konsequenzen nicht direkt sind.

00:08:20: Es sind zwar Beschwerden, aber im Gegensatz natürlich, ich habe vorher das Beispiel der Fußballspieler erwähnt, wo es eine andere Herz-Rettner-Störung vorliegt, Da ist das Ergebnis direkt dramatisch, direkt erkennbar und damit auch, dass direkt ein medizinische Not vorhanden ist, klar.

00:08:36: Bei Vorhufflimmern ist das weniger ausgeprägt, obwohl diese Patienten auch ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall haben und auch Mortalität steigt, ist eine einzelnen Episode, man bemerkt es oder nicht und damit ist diese direkten Korrelation und direkte von Effekt zur Folge weniger ausgeprägt, das bei anderen Sachen und damit entsteht natürlich, dass es viel später erst so Therapien kommt.

00:09:01: Um beim Beispiel Fußballspieler zu bleiben, das sind natürlich austrainierte junge Männer oder Frauen.

00:09:06: Und das fällt besonders auf, weil ja sozusagen die landläufige Meinung, die ist, dass Vorhofflimmern oder alle möglichen Herzrhythmusstörungen ältere oder bereits vorkrankte Menschen betreffen.

00:09:18: Aber ist das stimmt das überhaupt?

00:09:21: Na, das ist eine sehr gute Frage.

00:09:23: Und was man sieht, ist natürlich, dass wenn man Prosentual bezeichnet finden die meisten Herzrhythmestörungen bei Leuten mit Vorerkrankungen statt.

00:09:32: Also wenn mit besonderen Menschen andere Herzerkrankungen, cardiovascular Erkrankungen da sind, steigt das Risiko.

00:09:39: Aber andererseits ist natürlich, dass das nur ein Teil der Bevölkerung auch diese Begleiterkrankungen hat.

00:09:45: Also wenn man den absoluten Anzahl an Menschen, die Herzrhythmestörungen bekommt, ist wahrscheinlich das großen Teil relativ gesund.

00:09:56: Wir sprechen mit Jordi Heimann von der MedUniGradz über das Vorhof Limmern als Beispiel für eine Herzrhythmusstörung.

00:10:03: Diese häufig auftretende, oft unbemerkt, bleibende und potentiell gefährliche Störung, die verdient tatsächlich unsere Aufmerksamkeit.

00:10:11: Vor allem, wenn man sich auf die Natur dieser Erkrankung besinnt.

00:10:16: Da drängt sich nämlich eine Frage auf.

00:10:18: Wie kann man etwas erforschen, dass sich über, Sie haben es bereits ausgeführt, über lange Zeit Räume hinweg im verborgenen Held?

00:10:26: Ja, dafür braucht man sicherlich, und das macht gleichzeitig vor allem und so spannend.

00:10:31: Es ist eine Herausforderung aufgrund die Heterogenität und die Langfristigkeit, die man braucht.

00:10:37: Und dafür braucht man, glaube ich, einen multidisciplinären Ansatz.

00:10:40: Und das bedeutet, dass man einerseits versucht, wirklich grundlegende Mechanismen zu verstehen.

00:10:45: und handelsen vielleicht besseren Therapien zu entwickeln, aber gleichzeitig auch immer die Perspektive einer Patient- oder Patienten berücksichtigt und versucht zu schauen, wie können wir jetzt vorwollend besser früh erkennen und damit die richtige Therapie auch am richtigen Zeitpunkt starten.

00:11:03: Sie widmen sich der Erforschung von Herz-Rhythmus-Störungen ja nicht nur am lebenden Menschen, sondern auch mit Hilfe hochentwickelter digitaler Herzmodelle.

00:11:12: Warum ist dieser doppelte Ansatz überhaupt notwendig?

00:11:16: Ich glaube, Computermodelle sind besonders gut geeignet, die Vielfalt an Informationen, die wir entweder aus dem Labor, aber auch von klinischen Untersuchungen zusammenzubringen.

00:11:25: Diese Komplexität bedeutet, dass wir uns nicht nur ein Einzelteil der Puzzle anschauen sollten, wir sollten den Gesamtpuzzle anschauen.

00:11:32: Und das Zusammenbringen der Informationen dafür sind Computermodelle besonders gut geeignet.

00:11:38: Und natürlich das Vorteil, was man hat, ist, dass wenn man ein gut etabliertes Computermodell hat, Dann kann man es auch versuchen, um wirklich ohne Risiko weiter Sachen herauszufinden.

00:11:47: Man hat perfekte Kontrolle.

00:11:49: Auch Sachen, die man mit Medizin, bestimmten Medikamenten zum Beispiel noch nicht erzeugen kann, kann man schon im Modell ausprobieren.

00:11:57: Was für magende Simulationen zu leisten, das ein echtes Herz nicht leisten kann?

00:12:02: Eine Simulation.

00:12:04: Erlaubt vieles und es erlaubt die Möglichkeit wirklich perfekt zu schauen.

00:12:09: Also man hat perfekt die Folge und also Effekt und Kausalität ist eingebaut.

00:12:15: Man kann also ganz bestimmten Parameter ändern.

00:12:18: Und das wäre also, ob man wirklich das meist hochspezifische Medikament hatte, dass man ganz genau dosiert verabreichen könnte.

00:12:26: Auch wenn es dieses Medikament natürlich heutzutage noch nicht gäbe würde.

00:12:29: Aber man kann schauen, was passiert dann, was passiert auf der Ebene.

00:12:32: Eine einzelne Herzmuskelzelle, wenn dieses Medikament einen bestimmten Faktor beeinflusst.

00:12:37: Wir haben mittlerweile auch Modellen, die sich auf Organebene, wo man wirklich eine digitale Zwilling eines Menschenherz hat.

00:12:45: Und man kann schauen, was passiert mit dieser normale Erregungsablauf, die wir schon diskutiert haben.

00:12:50: Normalisiert sich die oder so eine kreisende Erregung, ändert sich die, wenn ich so ein Medikament verabreiche.

00:12:56: Und wir haben mittlerweile auch Modellen, womit man was das ganze Menschenleben verfolgen kann.

00:13:02: Man kann sagen, treten dann aratmien wenig häufig auf oder wird die Dauer einer Episode von Vorhoflimmer geringer, wenn ich diesem Parameter im Modell ändern würde.

00:13:13: Und es bedeutet also tatsächlich, dass Sie im Bildschirm oder im virtuellen Raum Einblicke gewinnen können, die Sie im klinischen Alltag oder im alltäglichen Leben nicht.

00:13:22: Nicht erhalten.

00:13:23: Nicht erreichen oder die zum Beispiel mit sehr erheblichen Kosten zusammengehen würden.

00:13:28: Also man kann ein Beispiel, was wir gemacht haben, ist, dass wir diese modern auf Patientenebenen verwendet haben zu schauen, wie häufig sollte man jetzt überprüfen, ob jemand Vorhofflämmern hat, also Screening.

00:13:40: Screening, damit kann man Früherkennung erreichen.

00:13:43: Aber die Frage ist unklar, wie häufig, bei welcher Patienten, mit welchem Mittel sollte man das tun?

00:13:49: Das kann man natürlich immer ausprobieren, da sagt okay, bei einer Patientengruppe machen wir es einmal im Jahr und bei anderen bekommen wir einen Smartwatch und machen wir einmal am Tag.

00:13:58: Aber das wären allen große klinische Studien mit erheblichen Kosten, wofür das Gewinn für den einzelnen Patient auch vielleicht bei den ersten Studien noch nicht ganz klar ist.

00:14:07: Im Modell kann man all diese unterschiedliche Varianten ganz leicht ausprobieren und damit schon eine Idee bekommen, okay, das wäre das meist vielversprechende.

00:14:15: Und natürlich braucht man dann am Ende noch immer die klinische Studien zu zeigen, ob das wirklich funktioniert.

00:14:20: Aber man kann bessere klinische Studien durchführen, dadurch.

00:14:24: Manche Menschen hören das Wort Simulation und denken sofort an ganz abstrakte, weit entfernte Theorien.

00:14:32: Wie realitätsnah sind diese Modelle?

00:14:35: Sie werden immer realitätsnah.

00:14:36: Und ich glaube, dass es jetzt, in den vergangenen Jahren, sind wir an einer Punkt gekommen, wo Natürlich viele Jahrzehnten diesen Modellen entwickelt worden und wir wirklich an einer Punkt sind, wo sie wirklich Real-World-Impact haben.

00:14:49: Man kann voraussagen treffen, die wirklich die tagtägliche Entscheidungen.

00:14:54: entweder für den klinische Entscheidungen, aber auch zum Beispiel für die Entwicklung neuer Medikamenten werden solche Modellen verwendet.

00:15:02: Also da haben sie wirklich eine erhebliche Auswirkung.

00:15:05: Das geht aber natürlich nur mit Modellen, die wirklich ausführlich validiert sind und womit man weiß, dass die Vorhersagen auch bestätigt worden sind und dass man sie dann in ähnliche Situationen anwenden kann.

00:15:17: Kann man das simulierte Vorhof-Flimmern eher vergleichen mit einem Crash-Test in der Autoindustrie, wo es als sehr präzise der sehr präzise ist oder auf der anderen Seite der Skala mit einer Wettervorhersage, die eher ungenau ist oder genau dazwischen oder wo würden sie das einordnen?

00:15:36: Wir haben unterschiedliche Modelle und die haben eine unterschiedliche Genauigkeit.

00:15:40: Also einerseits kann man wirklich versuchen, so eine digitale Zwilling zu bilden, wobei man wirklich Daten von einem einzelnen Patient, zum Beispiel ein MRT, bildgebende Verfahren verwendet und damit wirklich von dieser einzelnen Patient das Herz reproduziert in einer Simulation.

00:15:56: Und damit kann man schon relativ genau vorhersagen, wie sollte das EKG aussehen?

00:16:01: Oder bei einer bestimmten Erkrankung dieses Herzes, wie ändert sich das EKG?

00:16:05: Also das ist eher den Crash Test dummy, der ist relativ präzise.

00:16:11: Unsere Vorhersagen, die auf Populationsebene stattfinden, diese Früherkennung, die ich vorher erwähnt habe, das ist eher probabilistisch.

00:16:19: Das sagt, okay, es ist wahrscheinlicher, dass man mehr Patienten findet hierbei.

00:16:25: Ähm, ähnlich wie eine Wetterfeuerer sagen, das stimmt manchmal.

00:16:28: Oder es geht zumindest in die richtige Richtung, aber man ist nicht immer hundert Prozent genau.

00:16:33: Um das abzurunden, wo setzen Sie die Grenzen dieser, dieser, dieser Modelle an?

00:16:38: Wo sind die Limitationen für digitale Modelle?

00:16:42: Und was können Sie momentan noch nicht leisten?

00:16:45: Momentan wird diese Modelle noch immer wirklich in einem Forschungskontext verwendet.

00:16:50: Und ich glaube, wir sind immer näher zu den klinischen Anwendungen dran.

00:16:54: Und es gibt Beispiele, dass man unter kontrollierte Bedingungen wirklich klinisch relevanten Vorhersagen treffen kann.

00:16:59: Aber ich glaube, was wir brauchen, sind jetzt von dieser Stelle wirklich guten klinische Studien, die zeigen, dass auch diese Modelle zu bessere Entscheidungen führen.

00:17:09: dass wenn man Simulation Guided Care, dass das ein besseres Ergebnis bringt, als den Routine, die wir jetzt verwenden.

00:17:18: Grammodellen, aber jetzt die Schritt wirklich in den klinischen Alltag, das wird noch sicherlich spannende Herausforderungen bringen.

00:17:26: Das simulierte Vorhofflimmern, wie es hier in Graz erforscht wird, ist also kein reiner Selbstzweck, aber entscheidend ist, was sie im echten Leben bewirken werden und in der klinischen Anwendung.

00:17:37: Ich möchte jetzt den Blick von der Forschung ein bisschen weg auf den Nutzen für die Patienten richten.

00:17:45: Da kommen wir zum Thema Prävention und Früherkennung, digitale Prävention.

00:17:49: Warum ist die Früherkennung gerade beim Vorhof Flimmern so entscheidend?

00:17:55: Da läuft sozusagen die Herzvorhöfe flimmern unkontrolliert und chaotisch im EKG und deswegen daher kommt der Name.

00:18:05: Ja, warum ist die so wichtig hier?

00:18:07: Früherkennung ist besonders wichtig, weil die Therapie besser funktioniert.

00:18:12: in frühe Stadium.

00:18:13: Also das Herz, während das es flimmert, führt es zu einer Remodellierung.

00:18:18: Das Herz ändert sich.

00:18:19: Und diese Änderungen, die sorgen dafür, dass die Therapien immer weniger erfolgreich sind.

00:18:26: Also desto früher wir eingreifen können, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man den normalen Sinusrhythmus aufhalten kann.

00:18:33: Und desto wahrscheinlicher ist es, dass man die schlimme Folgen, die es möglicherweise gibt, Schlaganfall und so weiter, dass man die vermeiden kann.

00:18:41: Das heißt, wenn man da nicht frühzeitig eingreift, kommt es zu einem schädlichen strukturellen Umbau oder elektrischen Umbau der betroffenen Herzregion.

00:18:49: In Österreich leben bis zu dreihunderttausend Menschen mit dieser Art der Herzrhythmusstörung.

00:18:55: Das Schreckende daran ist, bei etwa dreißig Prozent der Betroffenen wird die Diagnose erst nach einer schweren Komplikation gestellt, also im Schlaganfall, im schlimmsten Fall.

00:19:07: Warum?

00:19:08: Wir haben es jetzt eh schon ein paar Mal angedeutet.

00:19:10: Warum kommt die Medizin hier auf zu spät?

00:19:13: Aufgrund der heterogenen Symptomatik, ich glaube, es verbessert sich schon.

00:19:17: Also aufgrund teilweise das Bewusstsein, das Vorhoffnimmern, was wichtig ist und dass man doch bemerkt, dass das Herz irgendwann aus dem Takt gerät, dass man es mal beobachten soll.

00:19:27: Natürlich haben wir heutzutage auch aufgrund Smartwatches und andere Geräten immer besser die Möglichkeit.

00:19:33: abzuschätzen, läuft das Herz noch normal, ist das Rhythmus noch normal oder nicht?

00:19:37: Und wenn es nicht der Fall ist, dass man dann entsprechend auch das Klinisch mehr Detail anschauen kann.

00:19:44: Thema Smartwatch.

00:19:45: Derzeit wird er intensiv an digitalen Innovationen gefroscht, eben auch an einer Smartwatch, Smartphone oder Smartwatch-basierten Pulsmessung, speziell für ältere Menschen.

00:19:57: Was halten Sie grundsätzlich von solchen Ansätzen?

00:20:00: Ich denke, dass die viele Möglichkeiten bieten, ist natürlich auch nach Bedingungen.

00:20:05: Wenn man die Möglichkeit hat, das Besondere, ich glaube, es funktioniert ganz gut, wenn der Patient schon bekannt ist.

00:20:11: und einfach zum Monitoring.

00:20:12: Da, denke ich, ist ein guter Ansatz.

00:20:14: Detektion geht vielleicht auch, aber dann ist immer die Frage... bekommen die richtige Menschen auch diese Geräten, wenn man das wirklich neu entdecken möchte.

00:20:23: Da brauchen wir sicherlich noch weitere Forschung.

00:20:25: Aber es gibt sehr schöne Beispiele, dass man Patienten, die schon bekannt sind und auch irgendwann für eine Kontrolle zum Krankenhaus kommen, z.B.

00:20:33: vorher zu einem Gerät gibt oder ein App gibt, womit sie den Herz-Rhythmus selber nachmessen können und dann hat ... der Arzt oder die Ärztin hat schon viel mehr Infos, wenn dieser Patient vorbeikommt.

00:20:45: Also da, glaube ich, haben wir sicherlich gute Möglichkeiten, die sich immer weiter erweitern werden.

00:20:49: Die Geräten werden besser.

00:20:51: Und auch es ist nicht nur ein Rhythmus, wir wissen immer besser, dass man auch aus dem Elektro-Kardiogramm, das EKG, immer weitere Infos herausholen kann.

00:21:01: Also ein Smartphone kann tatsächlich dabei helfen, eine ernsthafte Erzerkrankung frühzeitig zu erkennen, wenn ich sie richtig verstehe.

00:21:09: Oder ist das eher Wunschdenken?

00:21:10: Na, das ist korrekt.

00:21:11: Also die Frage ist immer, man muss es überprüfen und für viele Arämien brauchen wir heutzutage dann doch am Ende noch ein zwölf Kanales EKG, was natürlich viel mehr Informationen bietet als das, was den Smartwatch kann.

00:21:25: Aber das Smartwatch für ein früheres Risikoerkennung und in der erste Schritt auf dem Weg zu der Diagnose ist es sicherlich hilfreich.

00:21:35: Wie ordnen Sie es als Fachmann den Realisten, die nutzen solcher Programme ein, solcher Devices für den Patienten einerseits, aber auch vielleicht allerlong auch für das Gesundheitssystem?

00:21:46: Und für die Forschung würde ich noch dahin zugeben.

00:21:49: Ich denke... Also wir bekommen viel Daten, die Geräten werden besser.

00:21:54: Natürlich müssen sie überprüft werden, damit sie wirklich klinisch angewertet werden können.

00:21:58: Aber es gibt immer mehr Geräten, wo das tatsächlich schon der Fall ist, die dann wirklich vom zum Beispiel der der FDA überprüft werden und dass man sie wirklich als medizinisches Gerät verwenden kann.

00:22:10: Aber entscheidend ist natürlich die Fragestellung, welche Informationen möchte man bekommen?

00:22:15: Wie kann man sie auch klinisch verwenden?

00:22:18: Da brauchen wir weitere Forschung, aber am Ende kann man vielleicht ein Teil der Diagnose oder der Monitoring in einer Krankheit wirklich kann durch Patienten und Patientinnen selbst durchgeführt werden.

00:22:33: Und das wird natürlich für das Gesundheitssystem schon vorteilhaft, wenn nicht für jede Beobachtung ein Patient oder Patienten ins Kranken ausgehen sollte.

00:22:42: Und was wäre der wichtiger, dass diese Geräte technisch perfekt sind oder dass sie alltagstauglich sind?

00:22:48: Perfektion erreicht man eh nie.

00:22:50: Sie sollten ausreichend gut sein, und das sollte wirklich überprüft werden, welche Qualität sie haben.

00:22:57: Am Ende sind, all diese Sachen sind, Tools, Hilfsmittel.

00:23:01: Sie werden nicht die klinische Entscheidung einer Arzt oder einer Ärztin ersetzen, aber sie werden beitragen und sie werden sinngerieben.

00:23:09: sinnvolle Informationen, nützliche Informationen bieten und damit das funktioniert im klinischen Alltag.

00:23:15: Also ja, ausreichend gut, perfekt nicht, aber sicherlich alltagstauchlich.

00:23:21: Zum Schluss noch ganz praktisch gefragt.

00:23:23: Das würden Sie Menschen raten, die sich das jetzt angehört haben, unser Gespräch und dir für Herz achten wollen.

00:23:30: Mehr in Zukunft vielleicht.

00:23:31: Ja, ich glaube, wir wissen immer besser, dass natürlich ein gesunder Lebensstil für vieles wichtig ist.

00:23:38: Ich glaube auch in die Leitlinien der europäischen Gesellschaft für Kardiologie, das ist jetzt als AFKR bezeichnet.

00:23:44: Und den C von CARE steht für Komobilitäten.

00:23:48: Also es bedeutet Risikofaktoren.

00:23:50: Und da sollten wir allen darauf achten, glaube ich, dass wir mit einem gesunden Lebenstil doch dafür sorgen können, dass das Risiko für diese kardifaskläre Erkrankungen in normaler Sinne, aber sicherlich auch Herz-Rippenstörungen und Vorhöflemmern, dass wir schon ein Teil auch selbst beeinflussen können.

00:24:05: Vielen

00:24:06: Dank, Professor Heimann, für das Gespräch.

00:24:09: Herzrhythmusstörungen senden leise, wahnsinnale.

00:24:12: Umso wichtiger ist es, Ihnen Gehör zu schenken, bevor Sie sich lautstark bemerkbar machen.

00:24:18: Das war der Hörgang.

00:24:18: Danke fürs Zuhören und bis zur nächsten

00:24:28: Folge.

Über diesen Podcast

Medizinische Sendungen gehen in die Tiefe, sind aber nicht unterhaltsam. Dieses Vorurteil zu widerlegen, haben wir uns für den Hörgang vorgenommen. Nun haben wir auf Springer Medizin Österreich einen Podcast ins Leben gerufen, der sowohl aktuell als auch wissensvermittelnd sein, darüber hinaus akustisch etwas hermachen soll. Neben Experten aus Wissenschaft und Praxis werden wir auch unsere Fachredakteure, Kolumnisten und Reporter der „Ärzte Woche“ zu Wort kommen lassen.

von und mit Springer Medizin Wien/ Martin Krenek-Burger

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