00:00:00: Wir sprechen mit Christian Göbel von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUneVine Akaavine.
00:00:08: In Österreich erkrankt jede zehnte Schwangere an Diabetes ungefähr, soweit man das weiß.
00:00:14: Grund dafür ist zum Teil ein schlechter Lebensstil als früher, aber auch Frauen, die sich hauptsächlich gesund ernähren können, erkranken.
00:00:25: Welche Faktoren?
00:00:27: Alter ist sicher ein Thema, Sie haben es angesprochen.
00:00:30: Welche Faktoren kannst du noch geben?
00:00:32: Es sind teilweise genetische Faktoren, Alter und auch ein Thema, was ich denke, was vielleicht sogar noch wichtiger ist, als der reine Gestationsdiabetes ist, der höhere Bodimasindex mit dem Frauen schwanger werden.
00:00:48: Wir sehen das in den letzten Jahren.
00:00:49: Zunehmen, ein hoher Body-Mass-Index-Übergewicht adipositas stellt für viele andere Schwangerschaftskomplikationen natürlich auch einen riesigen Risikofaktor dar und ist auch ein wesentlicher Risikofaktor für die fetale Makrosomie, also dieses große, dicke Kind, was wir dann beobachten und was uns dann für die schweren geburtsüblichen Komplikationen stellt.
00:01:19: Wenn wir den Blutzucker besser verstehen, können wir den Staat ins Leben nachhaltig verbessern.
00:01:23: Ein Zitat von Christian Göbel.
00:01:26: Mein heutiger Gast im Hörgang ist spezialisiert auf Schwangerschaftsdiabetes.
00:01:31: Hallo und schönen Nachmittag.
00:01:32: Hallo, freut mich sehr, dass ich hier bin und dass wir heute über dieses sehr spannende Thema sprechen.
00:01:38: Schwangerschaftstherbete ist für viele Frauen eine überraschende und eher unerfreuliche Diagnose mitten in einer Zeit, die eigentlich von Vorfreude geprägt sein sollte.
00:01:48: Gleichzeitig entscheidet sich genau in dieser Phase so zwischen der vierundzwanzigsten und achtundzwanzigsten Woche darüber, wie gesund der Staat ins Leben für das Kind verläuft.
00:01:58: Mein heutiger Gast beschäftigt sich seit Jahren mit dieser sensiblen Materie.
00:02:03: Prof.
00:02:04: Privattozent Dr.
00:02:05: Christian Göbel von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MED Uni Wien erforscht, wie früh Diagnostik, personalisierte Therapie und digitale Technologien dazu beitragen können, die Risiken für Mutter und Kind zu reduzieren.
00:02:21: Bevor wir über Zahlen, Studien und Technologien sprechen, beginnen wir mit der persönlichen Perspektive.
00:02:27: Womit wir aber schon mitten ins Thema hineinkommen.
00:02:30: Herr Göbel, erinnerst Sie sich noch an die erste Patientin oder den ersten Moment, in dem Ihnen klar wurde Schwangerschaftsdiabetes, das wird mein Thema.
00:02:39: Ich erinnere mich sehr gut an meinen ersten Patienten, den ich selbst einmal auf einer Station geführt habe und interessanterweise war das ein Mann, weil ich meine Ausbildung auf der inneren Medizin begonnen habe.
00:02:50: Ich kam dann an die Frauenhellkunde und es war für mich ein großes Erlebnis, dass ich mit Frauen zusammenarbeiten kann, die gerade in dieser Phase der Schwangerschaft auch ein sehr motiviertes Kollektiv dargestellt haben.
00:03:05: Und ich sehr schnell bemerkt habe, dass ich gerade bei diesem Kollektiv auch sehr viel bewirken kann oder vielleicht auch mehr bewirken kann als schon in späteren Lebensphasen.
00:03:14: Sie arbeiten täglich mit Schwangeren.
00:03:15: Wie verändert eine Diagnose?
00:03:18: Gestationsdiabetes.
00:03:19: Wie verändert das die Atmosphäre im Behandlungsraum?
00:03:23: Also man hat es hier ja grundsätzlich einmal mit einer Erkrankung zu tun, wo die Patientin aktiv etwas dagegen machen kann, und zwar den größten Teil durch Ernährungsmodifikation.
00:03:32: Also und das ist eben auch das ganz Besondere, dass man bei den wenigsten dieser Patientinnen oder sagen wir jetzt im internationalen Durchschnitt sind das dreißig bis vielleicht vierzig Prozent, dann wirklich auch tatsächlich eine pharmakologische Therapie mit Insulin oder manchmal auch mit Formin benötigt, weil auch das größte Teil dieser Erkrankung durch eine Lebensdienmodifikation ausreichend beeinflusst werden kann.
00:03:54: Was treibt es eigentlich persönlich an, sich so intensiv mit einem Thema zu beschäftigen?
00:03:58: Ist es eher die wissenschaftliche Neugier oder ist es die klinische Wirkung, die Sie erzielen können?
00:04:04: Interessante Frage.
00:04:06: Zunächst einmal war es meine Liebe vielleicht auch zu zahlen.
00:04:09: Ich hatte mal vor vielen Jahren ein Studium für medizinische Statistik absolviert und als ich dann von Professor Husslein in die Rolle der Schwangerschaftstierbetologie nicht getränkt, aber beauftragt worden, bin mich mit dieser Thematik zu beschäftigen.
00:04:24: Habe ich sehr schnell gesehen, dass das etwas ist, was mir auch bei der Betreuung meiner Patienten hilft.
00:04:29: Warum?
00:04:29: Weil man sieht ja sehr häufig dann die Blutzuckertagesprofile, man sieht die Patientin an sich, man sieht, was hat die für Kohlenhydrate gegessen?
00:04:36: und man muss dann letztlich entscheiden, welche Therapie benötige ich jetzt, welches Form der Lebensstilmodifikation oder eben Insulintherapie, Insulin-Einheiten benötige ich, um in das Ziel, in das Blutzucker-Ziel zu kommen.
00:04:49: Jetzt klingt Schwangerschaftsdiabetes zunächst nach einem vorübergehenden Problem.
00:04:54: Und Sie haben ja auch angedeutet, man kann was dagegen tun.
00:04:57: Tatsächlich kann dieser Diabetes aber auch schweiterreiche Folgen haben.
00:05:02: Wir erklären Sie einer werdenden Mutter, was in ihrem Körper passiert bei Schwangerschaftsdiabetes und warum das eben für das ungeborene Kind so entscheidend ist für spätere Leben.
00:05:12: Ich erklär der Patientin zunächst einmal, dass sie nicht Angst haben soll vor der Erkrankung.
00:05:16: Weil das Wichtigste ist, dass man ein Setting schafft, wo man mit der Patientin im guten Umgang miteinander arbeiten kann.
00:05:23: Und das ist jedenfalls ein Setting, wo es keine gegenseitigen Barrieren oder Ängste gibt, dass man auch offen darüber sprechen kann, wenn man Diätfehler begangen hat, zum Beispiel.
00:05:31: Das ist etwas sehr Wichtiges.
00:05:33: Also für mich ist es einmal wichtig, die Patientin selbst oder vielleicht auch ihr Umfeld, die Familie, wenn das geht, ins Boot zu holen.
00:05:42: Und da ist das erste, was ich mache, dass ich die Patientin einmal da in Schul, wie funktioniert ein Blutzugermessgerät, manche können das, manche können das wieder nicht.
00:05:50: Und dann erkläre ich der Patientin, was sind so die Möglichkeiten einer Ernährungsmodifikation, welche Lebensstilmodifikation an sich gibt es, was kann sie mit Bewegung machen, das geht ja natürlich nicht jetzt mit jeder Schwangerin, wenn auch andere Probleme dazukommen, aber man kann da schon sehr viel bewirken.
00:06:05: Und meine Wesentlichste Aufgabe ist es, denke ich, in diesem ersten Gespräch für die Patientin auch einen Weg vorzuzeichnen, wie sie bis zum Ende der Schwangerschaft mit einer unkomplizierten Geburt durchkommt.
00:06:21: Und das ist zu erreichen.
00:06:22: Was wäre der klassische Diät, vieler denen unterkommt?
00:06:26: Ja, in der Schwangerschaft tatsächlich zu viel Brot.
00:06:29: Das ist etwas, was man mit den Patienten direkt besprechen muss, Brot, dann Obst.
00:06:34: Das gilt ja für die Schwangerschaft, das besonders gesund viel Vitamine aufzunehmen.
00:06:38: Jetzt ist Obst aber natürlich auch sehr viel Fruchtzucker hältig.
00:06:41: Das ist wichtig, die Patientin zu zeigen, was ist eine richtige Portion.
00:06:46: Und das ist eben meistens eine Handvoll.
00:06:48: Und das kann man sagen, das ist eine Handvoll Obst.
00:06:51: Das ist eventuell ein kleiner oder ein halber großer Apfel oder eine Birne oder eben eine kleine Mandarine.
00:06:57: Jetzt zeigen Ihre Forschungen ja gerade nicht jeder Schwangerschaftsdiabetes ist gleich.
00:07:02: Was bedeutet diese Erkenntnis für die betroffenen Frauen ganz konkret?
00:07:05: Wie wirkt sich das aus?
00:07:07: Das ist ein Punkt, der insofern spannend war, weil wir das in der klinischen Forschung ja schon sehr... lange wissen, dass es Patientinnen gibt, die sich auf der einen Seite in ihrer Insulin-Sensitivität unterscheiden.
00:07:18: Insulin-Sensitivität ist eine Komponente dieser Erkrankung, weil man ja auch in der Schwangerschaft selbst eine Art physiologische Insulinresistenz aufbaut.
00:07:26: Wenn man jetzt unter Adipositas leidet und schwanger wird oder jetzt zusätzlich vielleicht noch andere genetische Faktoren hinzukommen, dann kann es sein, dass diese Insulinresistenz eben zu stark ist und der Körper das nicht mehr kompensieren kann.
00:07:39: Das kommt das zweite Organ dazu, was hier eine Rolle spielt.
00:07:43: Das ist nämlich die Bauchspeicheltrüse, die das eben bis zu einem gewissen Grad kompensiert.
00:07:47: Aber wenn jetzt Schwangere auch immer älter werden, dann funktioniert diese Kompensation eben nicht mehr so gut.
00:07:53: Und dann kommt es zu der Erkrankung Schwangerschaftsdiabetes.
00:07:56: Das ist an sich noch keine schlimme Erkrankung, wenn man eben dann wieder schauen muss, dass man die Patientin durch die Diätmodifikation in die richtige Richtung führt.
00:08:04: Dann war der Punkt, der uns auch zu überlegen, na gut, wir kennen zwar jetzt, dass es Subgruppen gibt, die sind insulinresistenter und andere vielleicht, die haben eher ein Problem mit der Betatzellfunktion, mit der Bauchspeicheldrüse und andere, die haben mehrere Probleme gleichzeitig.
00:08:18: Nun ist das etwas, was man jetzt auch nicht unbedingt sehr einfach die Patientin direkt sagen kann, weil man dazu sehr spezielle Untersuchungen auch benötigt.
00:08:26: So gesehen muss man einfache Methoden finden und unsere Idee war dazu, dass wir die Daten nehmen, die klinisch verfügbar sind, nämlich das ist einmal das Alter der Patientin, der prekonzeptionelle Bodymass Index.
00:08:38: Und auch der Zuckerbelastungs-Test, den ja jede Patientin in Österreich durchführt, mit den Dreigelkosewerten.
00:08:44: Und dass wir mit einer speziellen statistischen Modellierung, ich habe sie erwähnt, ich habe auch eine statistische Ausbildung hinter mir, Subgruppen von Gestationsdiabetes abtrennen.
00:08:53: Und es ist uns tatsächlich gelungen, dass wir das machen.
00:08:58: Und hatten das sehr erfolgreich auch publiziert und setzen es auch im Moment auch wieder öfter ein.
00:09:04: Man kann nämlich dadurch der Patientin auch sagen, ja, der Patientin sagen, sie haben auch ein höheres Risiko für perinatelle Komplikationen und anderen Patienten auch wieder sagen, ja, sie haben zwar die Erkrankung des Stationsdiabetes, aber diese Erkrankung wird eher leicht zu therapieren sein, eventuell auch nur mit Detmodifikation und das Risiko für einen schlechtes Bergennatelles Outcome ist in ihrem Fall geringer.
00:09:29: Das heißt, Sie können aufgrund der früh gemessenen Blutzuckerwerte einen späteren Krankheitsverlauf vorhersagen.
00:09:36: Ja, wir denken, dass wir mit unserem Glastermodell das bis zu einem gewissen Grad auch tatsächlich wirklich machen können.
00:09:41: Wir haben jetzt auch eine App dazu und man kann das auch online mit seinen eigenen Werten hier eingeben und kann dann die Patientin diesbezüglich beraten.
00:09:51: Und wir haben auch weitere Forschungsprojekte jetzt laufen, die genau eben auch auf dieser Analyse, auf dieser Einteilung aufbauen.
00:10:00: Da gibt es jetzt zum Beispiel ein Projekt, das von der europäischen Diabetesgesellschaft finanziert wurde, wo wir eben auch zeigen wollen, welcher Phenotyp der Erkrankung, welches Subgruppe ein erhöhtes Problem mit der Insulin-Sensitivität hat oder mit der Beta-Zell-Funktion oder eben beiden.
00:10:15: Gibt es aus Ihrer Sicht quasi typische Missverständnisse oder Ängste, wie Sie schon angedeutet haben, mit denen Patientinnen zu Ihnen kommen, die Ihnen häufig begegnen?
00:10:25: Ja,
00:10:26: die Ängste sind natürlich immer am Beginn vorhanden.
00:10:29: Wie ich schon gesagt habe, Angst ist etwas, was man abbauen muss.
00:10:32: Aber man muss auch die Patientinnen ganz neutral darüber aufklären, dass sie mit dem Gestationsdiabetes oder vielleicht noch hin.
00:10:40: Noch wichtiger, die Patientin mit dem pre-existenten Diabetes, der Diabetes, der schon vor der Schwangerschaft bekannt ist.
00:10:47: Beim manchen Typ zwei Diabetikern, der vielleicht auch noch nicht bekannt ist, weil er dann erst in der Schwangerschaft diagnostiziert wird, dass es hier Probleme geben kann für das Kind.
00:10:57: Man sieht die Probleme für das Kind, also der hohe Blutzucker.
00:11:00: Der Mutter kommt direkt zum Kind, führt dann dazu, dass die Bauchspeicheldrüse des Kindes viele Insulin produziert und das Insulin ist beim Kind ein Wachstum.
00:11:10: Dann wird das Kind groß und größer und das führt dann für uns Geburtshelfer zunächst einmal zu dem Problem, bei der Geburt.
00:11:17: Wenn das Kind dann auf die Welt kommt, dass es Komplikationen geben kann wie die Schulterdysstokie.
00:11:21: Das ist dann, wenn der Kopf aber die Schulter des Kindes nicht geboren werden kann, was dann zu teilweise lebensbedrohlichen Situationen für das Kind auch führen kann.
00:11:31: Das wäre zunächst einmal eine der Komplikationen, aber auch weiterführende Komplikationen, wenn man daran denkt, dass sie, wenn sie jetzt sagen, wir machen einen Kaiserschnitt.
00:11:40: dass ja die Bauchspeicheldröse des Kindes nicht darauf vorbereitet ist, dass diese Zuckerzufuhr von der Mutter nur in den nächsten Minuten abgestellt wird.
00:11:48: Die Beta-Zellen sind hypertrophiert, die produzieren immer noch Insulin.
00:11:52: Und es kommt dann zu den neonatalen Problemen wie die neonatale Hypoglycemi, die Unterzuckerung beim Kind, die zum Intensivstationsaufenthalt beim Kind führen kann.
00:12:00: Und letztlich, und das muss man auch ganz deutlich sagen, die Patientinnen mit einem Gestationsdiabetes haben auch lang wirkende, ein lang wirkendes, hohes Risiko später auch selbst einmal Typ zwei Diabetes zu bekommen.
00:12:13: Wir sprechen mit Christian Göbel von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUneVine Akaavine.
00:12:20: In Österreich erkrankt jede zehnte Schwangere an Diabetes ungefähr, soweit man das weiß.
00:12:26: Grund dafür ist zum Teil ein schlechter Lebensstil als früher, aber auch Frauen, die sich hauptsächlich gesund ernähren können, erkranken.
00:12:37: Welche Faktoren?
00:12:39: Alter ist sicher ein Thema.
00:12:41: Sie haben es angesprochen.
00:12:42: Welche Faktoren kann es da noch geben?
00:12:44: Es
00:12:44: sind teilweise genetische Faktoren, Alter.
00:12:48: Und auch ein Thema, was ich denke, was vielleicht sogar noch wichtiger ist als der reine Gestationsdiabetes ist, der höhere Bodymassindex mit dem Frauen schwanger werden.
00:13:00: Wir sehen das in den letzten Jahren zunehmen.
00:13:03: Ein hoher Bodimasindex übergewicht adipositas stellt für viele andere Schwangerschaftskomplikationen natürlich auch einen riesigen Risikofaktor dar und ist auch ein wesentlicher Risikofaktor für die fetale Makrosomie, also dieses große Dicke Kind, was wir dann beobachten und was uns dann vor die schweren geburtstiflichen Komplikationen stellt.
00:13:22: Ein zentrales Stichwort Ihrer Arbeit ist Kontrolle.
00:13:25: Jetzt nicht im Sinn von Überwachung, von totaler Kontrolle, sondern von Wissen und sich einen Handlungsspielraum erarbeiten.
00:13:33: In Ihren Studien zeigt sich nämlich ein klarer Vorteil der kontinuierlichen Glukosemessung.
00:13:38: Was verändert es für eine Frau, wenn Sie Ihre Werte jederzeit sehen?
00:13:44: Naja.
00:13:45: Das ganze begann ja mit der kontinuierlichen Kokosemessung.
00:13:48: Das begann ja bei den Patientinnen mit Typ-I Diabetes.
00:13:50: Und im Jahr zwei Jahrzehnte gab es dann einmal dazu auch eine ganz, eine wesentliche Studie.
00:13:54: Das war die Konzeptstudie.
00:13:56: Und die hat uns gezeigt, dass Patientinnen mit Typ-I Diabetes einen Vorteil haben, wenn sie schwanger sind und wenn sie mit einem CGM-System, einem System zur kontinuierlichen Kokosemessung, betreut werden.
00:14:09: Warum ist das so?
00:14:10: Das ist deshalb so, weil die Patientin durch dieses Gerät einen gewissen Feedback-Mechanismus hat.
00:14:16: Das heißt, sie lernt auch, wie sie mit ihrer Ernährung, wie sie mit den Insulin-Dosen am besten umgeht.
00:14:23: Und sie sieht auch etwas anderes.
00:14:25: Sie sieht auch, dass sich ihre Blutzuckerwerte über den Schwangerschaftsverlauf verändern.
00:14:30: Und das ist ein Faktor, der besonders für die Typ-I-Dietikerinnen Wichtig war und wichtig ist, dass man diese Methoden einsetzt, auch im Zusammenhang zum Beispiel mit Insulinpumpen.
00:14:40: Bei den Patientinnen mit Gestationsdiabetes ist das möglicherweise wieder ein bisschen anders.
00:14:46: Anders als bei Patientinnen mit Typ I Diabetes haben Patientinnen mit Gestationsdiabetes ja nicht unbedingt eine Vorerfahrung mit dieser Erkrankung.
00:14:56: So gesehen ist das etwas ganz was Neues und man stellt die jetzt vor eine neue Technologie.
00:15:00: Allerdings haben wir auch in unserer jetzt gerade publizierten GRACE-Studie zeigen können, dass man bei Patientinnen mit Gestationsdiabetes auch einen Vorteil hat.
00:15:09: Das ist auch ganz klar nachvollziehbar.
00:15:11: Die Patientin hat sich früher viermal in den Finger gestochen, manchmal auch sechsmal.
00:15:16: Und die Werte dazwischen, zwischen diesen Messungen waren völlig unbekannt.
00:15:20: Während sie natürlich nicht wissen, Was hier passiert, haben Sie mit dem CGM die Möglichkeit zu sehen, ach ja, hier hat eine Mahlzeit stattgefunden, diese Mahlzeit hat offensichtlich, war möglicherweise nicht das Richtige.
00:15:33: Und Sie hat dann sofort die Möglichkeit darauf zu reagieren, indem Sie dann eben Ihre Diät auch selbst modifiziert.
00:15:40: Kann diese stetige Kontrolle auch problematisch sein?
00:15:43: Gibt es etwas für Übertherapie in diesem Bereich?
00:15:46: Das ist etwas, was wir im Moment gerade sehr viel diskutieren, weil man bei einigen Studien, also nicht nur bei unserer, aber auch bei anderen gesehen hat, dass man auch eine erhöhte Rate haben kann an Patientinnen mit, wir sagen, small, small for gestational age, mit kleinen Kindern zu kleinen Kindern.
00:16:04: Das muss man jetzt aber auch berücksichtigen immer.
00:16:06: Was für Wachstumsbeerzentilen hat man hier verwendet?
00:16:10: Und da denke ich, ist noch sehr viel wissenschaftlicher Arbeit notwendig, um das auch zu verifizieren.
00:16:16: Ich denke aber, dass es durch die Begleitung, durch einen erfahrenen in dieser Thematik versierten Geburtshelvers oder Diabetologen eine Möglichkeit darstellt, um die Lebensqualität dieser Patientinnen auch zu verbessern.
00:16:30: Weil man muss ja noch etwas anderes auch noch dazu sagen, wenn eine Patientin jetzt Insulin spritzt und gerade Patientinnen, die Insulin spritzen, waren auch die, die bei unserer Studie hier die größten Vorteile gezeigt haben, dann bringt das auch Ängste mit sich.
00:16:44: Warum?
00:16:45: Weil Insulin ja auch ein sehr potentes Medikament ist, was zu Unterzuckerungen führen kann.
00:16:50: Jetzt hat das CGM auch hier, diese kontinuierliche Glokosemessung auch hier einen ganz bestimmten Vorteil, weil sie sie nämlich auch vor diesen Unterzuckerungen warnt, also die Patientin nämlich.
00:17:02: Das heißt, man kann die Ängste, was die Insulintherapie betrifft, durch diese Therapie auch abbauen.
00:17:07: Was wir uns in Zukunft ansehen müssen, ist, ob die Grenzwerte, die wir hier relativ unreflektiert von den Typ-I-Diabetikern übernommen haben und auf die Gestationsdiabetiker angewandt haben, ob diese auch wirklich auf die Gestationsdiabetiker, auf diese Kohorte oder bestimmte Subgruppen vielleicht auch nur wirklich anwendbar sind.
00:17:26: Oder ob wir hier neue Grenzwerte brauchen.
00:17:29: Glauben Sie, dass digitale Technik die Ärztinnen und Ärzte künftig eher entlasten wird?
00:17:35: Ja, vielleicht sogar unter Druck setzen wird.
00:17:37: Und zunächst wird sie sie mal fordern.
00:17:39: Weil, wenn ich das so selbst aus meiner Erfahrung sehe, wie ich da zunächst zu den, ich hatte schon Vorerfahrungen mit Insolimpumpentherapie und kannte diese ganze Technik, kenne ich in Wirklichkeit schon von ihrem Beginn an.
00:17:52: Und es stellt natürlich die Ärzte, die Betreuenden und die Patientinnen vor, die Aufgabe mit einem riesigen Konvolut an Daten umzugehen.
00:18:01: Gerade beim CGM müssen sie sich mal denken, das sind Das sind Messungen, wo sie alle fünf Minuten eine Messung haben.
00:18:07: Und sie müssen diese Werte irgendwie verwalten für sich.
00:18:10: Sie müssen für sich einen Algorithmus schaffen.
00:18:12: Ja, was ist für mich jetzt wirklich ein Ausreißer nach oben oder nicht?
00:18:17: Und müssen dann die Patientin entsprechend beraten.
00:18:19: Da braucht man ein bestimmtes Training, da braucht man bestimmte Erfahrungen.
00:18:22: Und wenn sie dann noch an die Insulin-Pumpentherapie denken, die ja auch bei den vielen Typ-I-Diabetikern zum Einsatz kommt, dann kommt das noch einmal auf den Top.
00:18:30: Also ich denke, dass da durch die neuen technischen Methoden sehr viele Möglichkeiten geschaffen werden.
00:18:36: Allerdings auch ein spezifisches Training, auch für die Ärzte notwendig sein wird.
00:18:41: Es wird komplizierter, als es noch früher war mit den Blutzugertagesprotokollen.
00:18:47: Wenn wir fünf bis zehn Jahre vorausblicken, das ist ein Zeitraum, den man gerade noch überblicken kann, wie wird sich die Betreuung von Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes ihrer Meinung nach verändern?
00:18:58: Ich denke, dass man schon in der Frühschwangerschaft ansetzen muss, dass man zumindest die Risikogruppen herauszuarbeiten beginnt.
00:19:06: Wir haben da auch gerade wieder interessante ... Projekte am Laufen, wo wir versuchen auch wieder mit so ähnlichen Cluster-Analysen, wie wir es auch gemacht haben, in der Schwangerschaftsmitte, wo wir die Subgruppen für Gestationsdiabetes herausgearbeitet haben.
00:19:20: Auch hier versuchen schon in der Früh Schwangerschaft mit einem frühen Zuckerbelastungstest zu arbeiten und auch hier die Gruppen zu identifizieren, die dann auch wirklich die... schwangerschaftsbedingten Probleme wie den Gestationsdiabetes oder auch die großen Kinder in Zukunft haben werden.
00:19:35: Ich denke, dass da ein wesentlicher Punkt sein wird, dass man schon früh in der Betreuung auch das Gestationsdiabetes ansetzt, nämlich in der Diagnostik und in der Therapie.
00:19:44: Weil Sie müssen sich denken, wenn die Patientin in der vierundzwanzigsten bis achtundzwanzigsten Schwangerschaftswoche den Zuckerbelastungstest macht, dann ist das schon relativ spät.
00:19:52: Und möglicherweise, bis sie dann in meine Ambulanz kommt, dann ist sie schon in der dreißigsten Schwangerschaftswoche und da ist nicht mehr viel Zeit.
00:19:58: und diese Erkrankung noch zu therapieren.
00:20:00: Wie unterscheidet sich die Therapie des Schwangerschaftstiabetes von einem Typ II Diabetes?
00:20:06: Wo ist sozusagen der Typ II Diabetes?
00:20:08: ja, glaube ich, mehr auf Lebensstiländerung gesetzt wird?
00:20:12: Das würde ich nicht sagen.
00:20:13: Ich würde schon sagen, dass die wesentlichste Therapiemethode auch die Lifestyle-Modifikation beim Schwangerschaftstiabetes ist.
00:20:23: Nur sie haben beim Schwangerschaftstiabetes natürlich deutlich weniger Zeit, weil die Schwangerschaft dauert nur eine begrenzten Zeitraum, vierzig Schwangerschaftswochen und damit ist auch das Risiko viel zu groß, dass man ein Problem beim Kind am Ende hat.
00:20:37: Deswegen muss man das besonders frühzeitig erkennen und therapieren.
00:20:41: Das ist einmal ein wesentlicher Unterschied.
00:20:43: Der zweite wesentliche Unterschied ist, dass sie bei den Typ II Diabetikern auch neue, pharmakologische Methoden haben, so ihnen zur Verfügung stehen, mit denen sie arbeiten können.
00:20:55: Die gibt es in der Schwangerschaft selbst, wenn dann nur sehr, sehr, sehr eingeschränkt, weil immer noch Insulin das Medikation der ersten Wahl darstellt, mit allen Nebenwirkungen.
00:21:06: Und wie hoch ist das Risiko?
00:21:09: Einer Typ zwei Erkrankungen beim Mutter und Kind.
00:21:12: Sie meinen im späteren Verlauf?
00:21:14: Ja.
00:21:14: Also ich sage den Patienten immer, dass das Risiko irgendwo zwischen zwanzig bis dreißig Prozent in den nächsten fünf bis zehn Jahren besteht.
00:21:22: Es hängt wahrscheinlich auch davon ab, ob die Patientin wie Insulinresistin die Patientin ist, ob die Patientin auch eine Adipositas-Problem hat.
00:21:30: Und besonders aber davon, was hat die Patientin jetzt?
00:21:33: Wie weit kann sie das, was sie nun in der Schwangerschaft gelernt hat?
00:21:37: Viele dieser Patientinnen nehmen sich das ja sehr zu Herzen, weil sie können in der Schwangerschaft etwas für das Kind tun, auch weiter dann im Verlauf anwenden.
00:21:46: Punkt Lebensdienmodifikation.
00:21:48: Was ja auch die beste Therapie so meinem Typ II Diabetes vorherzubeugen.
00:21:53: Und ein anderer wichtiger Punkt, auf den ich hinweisen will, ist und da müssen wir wahrscheinlich unsere, alle Gynäkologen und alle niedergelassenen Allgemeinmediziner mit einbeziehen, ist das der wichtige Hinweis daraus, dass die Abklärung nach der Schwangerschaft, wir sagen immer so sechs bis zwölf Wochen, nach der Entbindung mit einem erneuten Zuckerbelastungstest sehr wichtig ist.
00:22:15: Und wir müssen versuchen, dass wir die Patientinnen dann nicht verlieren nach der Schwangerschaft, sondern trotzdem, dass sie jetzt mit Kind konfrontiert sind, kleines Kind, weniger Zeit, dass wir sie wieder hereinbringen und dass wir hier die Therapie fortsetzen.
00:22:31: Ja, keine leichte Sache, ne?
00:22:34: Wie Sie richtig sagen, man ist dann mit anderen Dingen beschäftigt.
00:22:37: Schwangerschaftsdiabetes ist heute kein Schicksal mehr, sondern eine behandelbare Herausforderung.
00:22:42: Vorausgesetzt, er wird ernst genommen früher kannt und individuell begleitet.
00:22:47: Die Arbeit von Christian Göbel zeigt, wie moderne Medizin hier aussehen kann.
00:22:51: Daten passiert, Patienten zentriert und mit einer Blick auf die langfristige Gesundheit von Mutter und Kind.
00:22:58: Herr Göbel, vielen Dank für das Gespräch.
00:23:00: Herzlichen Dank.
00:23:01: Und die Einblicke in eine Forschung, die den Staat ins Leben nachhaltig verändern kann.
00:23:07: Das war der Hörgang mit Uni Wien, der Podcast von Springer Medizin,
00:23:12: gemeinsam
00:23:12: mit der MED Uni Wien.