00:00:00: Diese Entwicklung ist problematisch.
00:00:03: Die USA sind seit vielen Jahren der größte internationale Geldgeber und aus unserer Sicht kam die EU, Österreich natürlich auch nicht aber die EU gesamt gesprochen diese enormen Lücken nicht schließen.
00:00:23: Das ist dir Hörgang, der Podcast von Springer Medizin.
00:00:29: Der amerikanische Präsident Donald Trump lässt keinen Stein auf dem anderen.
00:00:33: Nicht nur in den USA, sondern weltweit!
00:00:36: Vor gut einem Jahr wurde gemäß des Motors America First die US-Behörde für Entwicklungszusammenarbeit demontiert.
00:00:42: Diesen Jänner tratten die USA aus der Weltgesundheitsorganisation aus.
00:00:46: Die Folgen dieser Entscheidungen für globale Gesundheit humanitäre Hilfe und Entwicklungs Zusammenarbeit sind enorm da viele Projekte und Maßnahmen durch den Wegfall der US Mittel eingeschränkt oder gar eingestellt werden mussten.
00:00:58: Betroffen davon sind direkt oder indirekt auch wichtige NGOs wie Ärzte ohne Grenzen.
00:01:04: Wir sprechen in dieser Folge des Hörgang mit dem neuen Geschäftsführer der Organisation, Roland Sutner.
00:01:09: Herzlich willkommen!
00:01:10: Vielen Dank für die Einladung.
00:01:13: Welche Folgen hatten die US-Mittelkürzungen und Ausstieg aus der WHO bisher für die internationale Nothilfe?
00:01:18: Und die globale Gesundheit allgemein?
00:01:20: Welche Folgen sehen Sie für Ärzten ohne Grenze selbst und was bekommen sie von anderen NGOs mit?
00:01:26: Wir können sagen, dass die massiven Kürzungen in der humanitären Hilfe und das zurückfahrende Unterstützung im Bereich der globalen Gesundheit Menschen in Krisengebieten weltweit treffen.
00:01:38: Also sehr klar gesprochen jede eingesparte Hilfe bedeutet mehr Krankheit, mehr Leid und letztendlich mehr Tote.
00:01:50: Dazu kommt, dass diese Kürzungen jetzt in einer Zeit kommen, in der es global gesehen eigentlich mehr Hilfe statt weniger braucht.
00:01:59: Es leben immer mehr Menschen in Krisen- und Konfliktregionen.
00:02:03: Innerhalb weniger Jahre ist die Zahl der Menschen, die in Fragilen und konfliktbetroffenen Regionen leben auf nahezu zwei Milliarden gestiegen.
00:02:13: Parallel dazu steigt eben auch die Zahl DERA, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind.
00:02:18: Ein anderes Thema ist, dass die Zahl der Menschen, die auf Flucht sind weltweit.
00:02:23: Auf aktuell knapp hundertzwanzig Millionen gestiegen ist vor allem auch getrieben durch eskalierende neue Konflikte wie zum Beispiel Sudan, Ukraine, Myanmar.
00:02:36: zur Veranschaulichung das bedeutet jeder siebzigste Mensch auf der Welt ist aktuell auf der Flucht.
00:02:41: Das ist nahezu doppelt so viel wie vor zehn Jahren Und wir bei Ärzte ohne Grenzen haben diese Auswirkungen in aller Welt sehr unmittelbar gesehen.
00:02:50: Auch – und das möchte ich hier mal gleich vorwegschicken, wenn wir nicht direkt von den Mittelkürzungen betroffen sind weil wir eben von privaten Spenden finanziert sind und nicht durch öffentliche Gelder.
00:03:01: aber wir arbeiten in unseren Projekten immer mit anderen Organisationen zusammen Und diese Organisationen mussten teilweise von einem Tag auf den anderen ihre Arbeit einstellen.
00:03:12: Das hat Einfluss auf unsere Arbeit und natürlich auch auf unsere Projekte, vielleicht ein bisschen konkreter die Auswirkungen, die wir durch diese Finanzkürzungen gesehen haben – die waren vielfältig!
00:03:24: Wir reden hier von Engpässen bei therapeutischer Nahrung, wir reden von Unterbrechungen, von Impfprogrammen... Aussetzungen von Programmen für sexuelle und reproduktive Gesundheit, teilweise Güterversorgung oder medizinische Güter.
00:03:40: Aber auch Behandlungen HIV, tuberkulose Malaria
00:03:44: usw.,
00:03:45: zuletzt vielleicht ein wichtiges Thema das die Wasserversorgungs nicht mehr gewährleistet ist was dann wiederum auch gesundheitliche Auswirkungen hat.
00:03:54: Viele kronische Kranke bekommen keine Medikamente mehr mit teilweise verdahlen Folgen Und die Kürzungen treffen dann sowieso schon besonders betroffene Bevölkerungsgruppen.
00:04:09: Wir sind besonders besorgt um Kinder, schwangere Frauen, ältere Menschen aber auch andere vulnerablen Gruppen wie die zuvor genannten Vertrebernähen und Personen in malaria-Gebieten.
00:04:23: Wenn wir vielleicht nur ganz kurz geografisch betrachten, besonders betroffene Länder von diesen Kürzungen sind die Demokratische Republik Kongo.
00:04:32: Die Ukraine Afghanistan Jemen der Sudan und Äthiopien also alles auch Länder in denen Ärzt ohne Grenzen mit Projekten tätig ist.
00:04:43: und ja vielleicht darf ich abschließend noch ein konkretes Beispiel aus der demokratischen Republik Congo bringen weil ich dort selbst auch seit dem Jahr Dort war eben die Geburtshilfe bislang kostenlos.
00:04:55: Jetzt müssen Frauen für Geburt, Kaiserschnitt und auch für die Aufnahme in Krankenhäuser bezahlen.
00:05:01: Das können sie sich ja in den meisten Fällen nicht leisten.
00:05:04: Und die Folgen sind sehr direkt, sind höhere Kinder- und Müttersterblichkeiten.
00:05:09: Ja und wir als Ärzte ohne Grenzen versuchen dann halt eben auf das zu reagieren indem wir unsere Schwerpunkte verändern und zum Beispiel jetzt halt mehr auf Begleitung von Geburten setzen können aber auch nicht flächendeckend das Anbieten in so einem großen Land wie der demokratischen Europapolik Kongo.
00:05:26: Können Sie uns ein bisschen erzählen, was bedeuten die Kürzungen konkret für die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen?
00:05:32: Zum Beispiel im Bezug auf Akuthilfe oder langfristige Programme, Partnerorganisationen
00:05:37: usw.?
00:05:39: Ja also, wie ich ja schon erwähnt habe ist eigentlich der Bedarf größer und durch die Kursungen betreffen halt unsere Partner-Organisationen nicht uns direkt.
00:05:49: Für uns bedeutet das eigentlich, dass der Bedarf von Ärzte ohne Grenzen größer wird.
00:05:54: Wir müssen aber auch klar festhalten, dass wir die vielen Lücken, die sich da oft und nicht schließen können – das ist einfach ein zu großes Ausmaß!
00:06:04: Wir können kein gesamtes System ersetzen.
00:06:06: Was wir tun können, ist unsere Arbeit anpassen, an den neuen Gegebenheiten um sicherzustellen, dass unsere medizinisch humanitäre Hilfe auch dir reicht, die es am dringendsten benötigen.
00:06:17: Konkret sind wir in der Situation auf die Personen angewiesen, die uns unterstützen.
00:06:22: Nämlich die Personen, die spenden und an dieser Stelle würde ich auch ganz gerne den Hundertsiebzigtausend Spenderinnen in Österreich danken und auch den sieben Millionen Spendern weltweit, die diese Arbeit eigentlich möglich machen.
00:06:35: Und weil die Lücken aber groß sind und weil der Bedarf steigt rufen wir auch zu weiteren Spenden auf um sozusagen den zusätzlichen Bedarf decken zu können.
00:06:45: Das andere Thema, das ich erwähnen wollte ist die Kürzungen erschweren die Arbeit von Ärzte an der Grenzen weil sie sich einfach auch dann viel teurer machen.
00:06:54: Wir besprochen wir arbeiten nicht im Luftlehrenraum, arbeiten mit Partnerorganisationen zusammen als Beispiel zum Beispiel die UN Humanitarian Air Services, die für uns auch Logistikleistungen und auch Personentransporte machen.
00:07:08: Und wenn diese Leistung gekürzt werden zurückgefahren wird, dann hat das entsprechende Auswirkungen auf uns.
00:07:14: Wir müssen dann diese Teile selbst übernehmen mit den entsprechenden Kostenimplikationen.
00:07:20: Ganz global gesehen kann man eigentlich sagen, mit diesen Kürzungen gerät einfach ein System das ohnehin schon unterfinanziert ist oder nicht ausreichend vorhanden ins Wanken.
00:07:30: Es entstehen enorme Versorgungslücken und wie erwähnt diese geänderten Rahmenbedingungen bedeuten auch für uns dass wir unsere Schwerpunkte ändern müssen.
00:07:42: Das fliegt sich auch durch bis hin zu den Mitarbeiterinnen, die wir aktuell suchen.
00:07:49: Also Einsatzkräfte mit Ärzte ohne Grenzen in die diverse Kontexte gehen.
00:07:54: Da suchen wir aktuell in Österreich Kinderärztinnen, Gönäkologinnen und Anesthesistinnen verstärkt.
00:08:01: Und auch das ist darauf zurückzuführen dass ich eben die Schwerpunkte in unseren Projekten laufend verschieben.
00:08:08: Kann man abschätzen, wie viele Menschen weltweit von den Kürzungen betroffen sind und wie viele Leben bedroht sind?
00:08:14: Das lässt sich in Sommer nur schwer beziffern.
00:08:17: Wir haben eine Zahl, die in einer Studie im Vorjahr vom Wissenschaftsjournal Lancet veröffentlicht wurde, die besagt, dass durch den Wegfall von USAID damit zu rechnen ist das bis zum Jahr zwei Tausend Dreißig vierzehn Millionen zusätzliche Todesfälle zu verzeichnen sein werden.
00:08:38: Wir glauben aber, wir sollten gar nicht so viel über Zahlen per se reden.
00:08:42: Weil solche großen Ordnungen ohnehin sehr schwer einordentlich sind.
00:08:48: Letztendlich geht es um Einzelschicksale von Menschen die jetzt keine Hilfe mehr bekommen, die sie dringend brauchen.
00:08:56: Es trifft unverhältnismäßig stark insbesondere kurzfristig immer Menschen in humanitären Kontexten, in denen eben auch Ärzte ohne Grenzen arbeitet die ohnehin schon unterversorgt sind.
00:09:09: Mittelfristig befürchten wir, dass es massive Einschnitte geben wird in der öffentlichen Gesundheitsinfrastruktur in den Ländern, in denen wir tätig sind.
00:09:20: Daten werden nicht mehr so genau erhoben.
00:09:23: Überwachung von Krankheitsausbrüchen wird nicht mehr in der Form stattfinden.
00:09:29: Bedarfsprognosen werden zurückgefahren verminderte Notfallversorgung, also in Summe einfach auch zurückfand der Kapazitäten des gesamten Gesundheitssektors.
00:09:43: Besonders betroffen sind dann immer die Basisversorgungen, wenn wir eben die primäre Gesundheitsversorgungs-Mutterkind-Gesundheit-Impfprogramme, aber auch Programmen zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten werden beeinträchtigt
00:09:58: sein.".
00:09:59: Wie beurteilen Sie die neue Strategie der US-Regierung, die America First Global Health Strategy?
00:10:05: Die setzt ja so angeblich aus Effizienzgründen auf bilateralen Abkommen mit einzelnen Ländern bei denen die Gelder dann unter Umgehung von NGOs direkt an Regierungsstellen ausgezahlt werden und fokussiert auch auf einige wenige gesundheitstehende Themen nur wie z.B.
00:10:19: Pandemieprävention oder Malaria.
00:10:22: Ja, Effizienzgründe werden da tatsächlich eingeworfen und das mag auch ein wichtiges Ziel sein.
00:10:30: Wir denken, dass darf nicht auf Kosten von Unabhängigkeit humanitärem Zugang und vor allem der Ausrichtung auf den eigentlichen und tatsächlichen Bedarven gehen.
00:10:44: Wenn sich das sehr stark auf bilaterale Abkommen fokussiert mit Regionen, dann birgt es aus unserer Sicht erhebliche Risiken.
00:10:53: Denn in vielen Krisen und Konfliktländern sind staatliche Strukturen geschwächt auch politisiert und manchmal sind die Staaten selbst Konflikteparteien.
00:11:04: Und wenn dann Mitleben ausschließlich über Regierungen kanalisiert werden, wird das dazu führen dass besonders verletzliche Bevölkerungsgruppen wie zum Beispiel Menschen in umkünftigen Gebieten, Geflüchtete oder ohnehin schon marginalisierte Gruppen gar keine Zugang mehr zu lebenswichtiger medizinische Versorgung erhalten.
00:11:26: Und ja Player wie wir oder generell gesprochen unabhängige humanitäre medizinischen Organisationen spielen da eine ganz wichtige Rolle dass die Hilfe dort ankommt wo sie wirklich gebraucht wird und auch dort wo staatliche Funktionen eben nicht funktionieren.
00:11:42: Und wenn man jetzt hier versucht die NGOs zum Gehen, die auf Basis humanitärer Prinzipien Hilfe leisten dann schwächt es einfach in Summe die Fähigkeit zu helfen und das wird auch die Reaktionsgeschwindigkeiten reduzieren.
00:11:55: Auf eine gute Krise eben eingehend zu können.
00:11:59: thematisch sehen wir's auch problematisch weil so wichtig Themen wie Pandemieprävention oder Malaria Bekämpfung sind.
00:12:09: So klar ist auch dass das nicht alleine ausreicht.
00:12:12: Es gibt eben in vielen Einsatzländern, in denen wir auch tätig sind, dringende Grundbedürfnisse, medizinische Basisversorgung und Notfallkirurgie.
00:12:22: Wir behandeln sehr viel Mangelernährung.
00:12:25: wie schon erwähnt sind wir bei Geburtshilfe aktiv und all das darf nicht zu kurz kommen.
00:12:30: also die thematische Verengung sehen wir aus diesem Grund auch problematisch.
00:12:35: Es gibt ja auch in mehreren europäischen Ländern, darunter Deutschland zum Beispiel Großbritannien oder auch Österreich immer wieder Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe.
00:12:45: Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?
00:12:48: Diese Entwicklung ist problematisch.
00:12:51: die USA sind seit vielen Jahren der größte internationale Geldgeber und aus unserer Sicht kann die EU, Österreich natürlich auch nicht aber die EU gesamt gesprochen diese enormen Lücken nicht schließen und genauso wenig können privat finanzierte Hilfsorganisationen wie wir diese Lücken schliessen.
00:13:13: Leider ziehen die EU- und auch Österreich nach, kürzen die Hilfsgelder eben selbst auch anstatt sie zu erhöhen.
00:13:21: In Österreich wäre ein wichtiges Instrument für humanitäre Hilfe der Auslandskatastrophen vor.
00:13:28: Auch da, obwohl der Bedarf steigt werden die Mittel dafür zurückgefahren Und insofern kann die Forderung von unserer Seite nur sein, dass man trotz angespanter Budgetlage wieder mehr auf globale Verantwortung und auf Solidarität setzt.
00:13:46: Das ist zum einen eben die Aufsteckschockung der Finanzmittel und auch zweite wichtige Säule ist aber auch die Stärkung der internationalen Institutionen weil eben Hilfe auf der Basis von allgemeinen humanitären Prinzipien geleistet werden muss und das Thema muss wieder gestärkt werden.
00:14:05: Und das ist aktuell ziemlich unter Beschuss, diese Verstärkung dieser Hilfe ist eben nicht nur ethische Verpflichtung sondern auch im Völkerrecht verankert.
00:14:15: Aus unserer Sicht sollte sich Österreich aber auch die EU im Gesamten wieder auf diese Normen besinnen.
00:14:22: Vielleicht ist ja auch eine unserer Hörerinnen oder ein Hörern in einem Einsatz für Ärzte ohne Grenzen interessiert.
00:14:27: Vielleicht können Sie uns nochmal zusammenfassen, welche Ärzten welcher Fachrichtungen derzeit besonders gefragt werden bei Ihnen?
00:14:34: Ja vielen Dank!
00:14:35: Grundsätzlich sind wir eben immer auf der Suche nach Einsatzkräften für unsere Projekte.
00:14:39: Aufgrund der Veränderungen die sich mit diesen Kürzungen ergeben und dematischen Verlagerungen suchen wir aktuell insbesondere Kinderärztinnen, Gönnekologinnen und Anästhesistinnen Und wenn es da Interesse gibt, kann ich alle nur einladen sich auf unserer Website zu informieren wo man alle Informationen zum möglichen Einsetzen finden kann.
00:15:02: Okay ja, ich bedanke mich sehr herzlich bei Ihnen und wünsche Ihnen dann für Ihre Amtszeit alles Gute!
00:15:07: Und hoffentlich bessert sich die Lage, die globale Lage wieder.
00:15:11: Danke und vielen Dank fürs Gespräch!