Hörgang

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00:00:01: Hörgang MedUni Wien,

00:00:03: der Podcast von Springer Medizin gemeinsam mit der MedUnie

00:00:06: Wien.

00:00:09: Willkommen zu einer neuen Folge von Hörgang MedUny Wien!

00:00:13: Heute schauen wir wieder in die Werkstatt von Forschern und in die Gedankenwelt von Medizinen hier an der Meduni.

00:00:21: Weniger Zeit im Bürokratie stecken – dafür mehr Zeit und Geld in effektive Forschung investieren.

00:00:28: Dieser Satz von Markus Zeitlinger bringt es auf den Punkt.

00:00:32: Heute sprechen wir über die Zukunft der klinischen Forschung hierzulande, geht um neue Studien, neue Forschungsgebäude und letztlich geht's um die Frage wie kommt die Forschung beim Patienten bei der Patientin an?

00:00:45: Ich spreche wie gesagt mit dem Leiter der Klinischen Pharmakologie an der MedUneVine.

00:00:49: Der Hörgang ist zu Gast bei Markus Zeitlingen.

00:00:52: Grüß Gott!

00:00:53: Wir sitzen uns hier gegenüber im AKH am Weringergüttel EbeneSex.

00:00:57: Auf Facebook kursiert allerdings bereits ein Video, in dem Sie das neue Zentrum für translationale Medizin des ZTM besichtigen.

00:01:05: Man beginnt der Umzug und ja wie groß ist die Vorfreude?

00:01:09: Die Vorfreud ist riesig!

00:01:11: Der Umzug ist momentan für Juli diesen Jahres geplant also wenige Monate und tagtäglich gibt es wieder spannende Details zu besprechen auch noch mit mit den Firmen, die das planen.

00:01:25: Also jetzt gerade habe ich für zweihundert Türen die Schlösser und der Schließsystem sozusagen ausgetüftelt gemeinsam mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

00:01:35: Und ja, es geht so richtig ans Eingemachte

00:01:39: zwischen der klinischen Forschung und der praktischen Anwendung gibt es eine Brücke und diese Brücke existiert tatsächlich in diesem neuen Gebäude.

00:01:48: Die werden sie auch täglich überqueren Herr Prof.

00:01:51: Zeitlinger, neue Forschungsgebäude Phase I, Phase II Zentrum – das klingt sehr nach Zukunft!

00:01:56: Wir wollen es aber zuerst anschauen und sie auch ein bisschen näher kennenlernen und dazu müssen wir einige Schritte zurückgehen in die Vergangenheit.

00:02:04: Wie sind Sie eigentlich ursprünglich zu Ihrem Fachgebiet gekommen?

00:02:07: Und wussten Sie immer schon dass Sie in die Klinische Pharmakologie gehen wollen?

00:02:11: Natürlich gar nicht.

00:02:12: man rutscht solche Dinge hinein.

00:02:14: natürlich gab's ein paar Trigger in meinem Leben.

00:02:18: Also internist wollte ich eigentlich immer werden und die klinische Pharmakologie ist ja ein Adedivfach, also zu meiner Zeit war es eine Adedifach.

00:02:25: jetzt ist es eine Spezialisierung zur inneren Medizin.

00:02:29: Und für mich war immer die Infektions- und Antibiotikaforschung auf der einen Seite besonders interessant und da war die Klinische Pharmakologie ein Fach mit dem ich mich sehr identifizieren konnte Und natürlich viel besser.

00:02:43: Bei so vielen Dingen gab es noch einen ganz persönlichen Träger, wo ich mir gedacht habe, neue Therapien sollte etwas brauchen werden und das war tatsächlich eine Krebsdiagnose in meiner längsten Familie also meine Mutter ist ein Krebs gestorben zu dem Zeitpunkt wie ich fertig wurde mit Medizinstudium und das waren für mich natürlich ein ganz starker Trägern mich besonders stark in medikationsforschung zu engagieren.

00:03:07: Können Sie uns auch kurz etwas übeln?

00:03:08: Werdegang sagen?

00:03:10: Wo waren sie überall tätig?

00:03:11: Grundsätzlich war meine Tätigkeit tatsächlich in erster Linie in Wien, allerdings hier an verschiedenen Kliniken.

00:03:18: Also ich habe mich in Erster Linien gearbeitet natürlich an der Universitätsklinik für klinische Pharmakologie auch an die Universitätersklinika für innere Medizin I da im Bereich von Infektionskrankheiten und international sind das vor allem meine Tättigkeiten für die Europäischer Zeneimittelbehörde, für die EMA.

00:03:36: Die klinischen Pharmakologie ist eine eher kleine Fachgruppe.

00:03:39: wieviel?

00:03:40: Wie viele Kolleginnen, Kollegen gibt's da in Österreich?

00:03:44: Wir haben so in etwa dreißig Fachärzte.

00:03:46: Es streifen zwar viel mehr Menschen und vielmehr Ärztinnen und Ärzte die klinische Pharmakologie im Rahmen ihrer Ausbildung weil sie da eine gewisse Zeit verbringen an sehr oft beispielsweise ja Master oder Diplom-Arbeit machen bzw auch ihren Piet Stiemachen.

00:04:03: aber die wenigsten bleiben daneben im Bereich der klinischen Pharmakologie und deshalb gibt es nicht sehr viele fixfertige Ausgebildete.

00:04:10: Wir erleben ja gerade einen historischen Ausbau der Med-Uni Wien.

00:04:15: Was bedeutet das eigentlich ganz praktisch für Ihre Patientinnen und Patienten?

00:04:20: Nun die neuen Gebäude, die wir da haben – das ist ein bisschen so eine Paradigmschrift.

00:04:24: Momentan machen wir bereits sehr viele Studien an gesunden Probandinnen und Probanden und auch schon viele Studien eigentlich an kranken Menschen.

00:04:33: Und die Idee ist jetzt dass nicht mehr wie bislang zu diesen einzelnen Patienten auf die unterschiedlichen Kliniken im Haus gehen, also von einem Punkt quasi weg ausstrahlen.

00:04:45: Sondern wir wollen jetzt diese Patientinnen und Patienten alle zu uns bringen weil wir dann die Prozesse viel besser standardisieren, viel effizienter gestalten können.

00:04:55: und das verschlussendlich überbleibt für den Patienten.

00:04:58: Weil die ganze Logistik dahinter ist natürlich komplett irrelevant.

00:05:01: Das interessiert niemand.

00:05:02: aber das was über bleibt sind hoffentlich schnellere Diagnosen individuellere Therapien und einfach der Zugang schlussendlich zu Behandlungen, die es ansonsten noch nicht gegeben hätte.

00:05:12: Viele Menschen hören das Wort Forschungszentrum von Phase I-II Zentrum ganz zu schweigen und denken sich aber, dass ist ganz weit weg.

00:05:19: Das ist was für die Wissenschaft.

00:05:22: Das hat mit meinem gesundheitlichen Problem nichts zu tun.

00:05:26: Fehler.

00:05:27: Dort passiert ja etwas, was ganz relevant sein kann.

00:05:30: Ja, das ist ein Riesenfehler.

00:05:32: Weil einfach viele Therapien die heute Standard sind waren vor wenigen Jahren noch Studien und das vergisst man natürlich, dass eigentlich alle Medikamente, die wir zur Verfügung haben im Rahmen von Studien entwickelt wurden und dass wir dir nicht zur Verfügung hätten wenn wir uns damit nicht ganz gezielt und systematisch über viele Jahre beschäftigt hätten.

00:05:55: Das Entscheidende ist natürlich Wir wollen extrem schnell lernen Und das, was im Studienprotokoll steht und dass wir uns natürlich auch halten möchten.

00:06:06: Das soll dann ganz, ganz rasch – und das ist ja eben die Spezielle an diesem Zentrum – morgen schon Teil der klinischen Routine sein.

00:06:13: Das heißt wenn man es jetzt ganz plakativ sagen möchte werbetechnisch sagen möchte dort entsteht die Medizin von übermorgen aber die Wirkung sehen wir eigentlich schon im nächsten Jahr.

00:06:22: Sie leiten wie gesagt ein Phase eins zwei Zentrum.

00:06:24: da geht's um die frühe Medikamentenentwicklung also Phase Eins und um die erste ersten Wirksamkeitsprüfungen beim Patienten.

00:06:32: Was passiert dort, was in einer normalen Klinik nicht möglich wäre?

00:06:36: Streng genommen eigentlich nichts, was an einer normaler Klinika nicht auch möglich wäre weil auch dort bekommen die Patientinnen und Patienten natürlich eine Behandlung und auch auf einen normalen klinik unter Anführungszeichen könnte man die Patientin und Patienten in eine Studie einschließen.

00:06:53: aber wir machen das einfach effizienter und wir haben dort den Zugang zu den neuesten Technologien, zur molekularen Analyse.

00:07:02: Stichwort es gibt Core Facilities direkt im gleichen Gebäude.

00:07:05: Wir haben ein Pet-MR einen PET CT Scan direkt auf der gleichen Ebene.

00:07:10: damit können wir eine extrem individualisierte und personalisierte Behandlung ermöglichen ohne dass der Patient eigentlich das Gebäudel verlassen muss.

00:07:18: der klinische Pharmakologe, der braucht in meiner Klinik und der braucht Patienten um zu forschen.

00:07:23: Ein Beispiel dafür wie wichtig dieser Zusammenhang ist und wie schnell Forschung auch im Alltag landen kann sind zum Beispiel ihre jüngsten Impfstoffstudien zu Covid beziehungsweise zu Covid- und zur Mokrokenimpfung.

00:07:38: können Sie uns das möglichst einfach an Worten erzählen?

00:07:41: Ja sehr gerne!

00:07:42: Das ist eigentlich eine ganz ganz einfache Studie gewesen dass es das wenn man zum Hausarzt geht und der Hausarz möchte.

00:07:50: weil was im Impfplan so vorgesehen ist oder wenn man das besprochen hat, mehrere Impfungen gerne geben.

00:07:54: Dann gibt es immer diese Verunsicherung an der Herr Doktor.

00:07:57: Mehrere Impfungen, auf einmal ist das überhaupt gescheit.

00:07:59: wirkt das?

00:08:00: Oder habe ich dann vielleicht mehr Nebenwirkungen aber keine so gutes Ansprechen.

00:08:03: und ganz genau das haben wir uns angeschaut mit einer Covid-Impfung, mit einer Pneumokrockenimpfung also zwei Impfungen die empfohlen sind, vor allem für ältere Menschen und haben die Zeit gleich gegeben oder eben nur jeweils eine Impfung oder jeweils nur placebo um in einer randomisiert kontrollierten Studie Das ist die am besten kontrollierte Studien-Setting diesen Effekt zu evaluieren.

00:08:26: Und das, was rausgekommen ist... Die Nebenwirkungen waren komplett vergleichbar.

00:08:30: Ganz egal ob man jetzt beide Impfungen gegeben hat oder nur die Impfungen einzeln und sie waren generell nicht mit schweren Unterwünschen der Ereignissen vergesellschaftet und beide haben genau gleich gut gewirkt.

00:08:43: D.h.,

00:08:44: die Quintessenz draußen ist der Arzt und die Ärztin kann tatsächlich beides gleichzeitig verabreichen.

00:08:50: Was natürlich ein Riesenvorteil ist, weil ich muss noch einmal in der Ordination

00:08:52: warten.".

00:08:53: Das erinnert an die Fragen Kann man Covid- und Influenza gemeinsam geben?

00:09:00: Ganz genau im Bereich von Covid und Inffluenza gibt es ja auch schon die ersten Impfstoffe, die in der Pipeline so entwickelt sind, dass man dann nicht mehr zwei Spritzen braucht, sondern dass das im Optimalfall sogar schon in einer Spritze drinnen ist.

00:09:14: Würden Sie sagen, Sie waren ja während der Pandemie sehr präsent in den Medien.

00:09:20: Würden sie sagen ist Covid heute noch ein Problem der Medizin oder doch eher das der Organisation?

00:09:28: Naja es ist schon nach wie vor ein Problem für die Patienten so was ich mal sagen.

00:09:34: auch wenn jetzt natürlich sehr viele Patienten mit Covid und nicht mehr wegen Covid im Spital landen sehen wir ganz deutlich noch diese Wälder.

00:09:44: Momentan haben wir eigentlich drei Wellen.

00:09:45: Wir haben eine Covid-Welle gefolgt von einer Influenzawelle, gefact von einer RSV-Wille und Covid war in den letzten Jahren noch immer mit mehr Hospitalisierungen behaftet, dass die beiden anderen Infektionskrankheiten gemeinsam.

00:09:58: Das bedeutet nicht, dass jetzt sehr viele Menschen an Covid versterben aber das bedeutet natürlich, dass ich nach wie vor noch Isolationsmaßnahmen habe zusätzlich Hygienemaßnahmen hab und natürlich nach wie vorn meine besonders gefährdeten Gruppen hab die überproportional häufig im Spital landen.

00:10:15: Das heißt, Covid ist eher eine Art Verstärker von bestehenden Problemen sowohl für den einzelnen Patienten und Patientinnen als auch für das Gesundheitssystem.

00:10:25: also jetzt die Krise wie wir sie kennen gelernt haben.

00:10:29: Die Aufmerksamkeit für Covid-IX ist weg oder zurückgegangen?

00:10:33: Die Kranke zählern nicht so kann man es glaube ich zusammenfassen.

00:10:37: Vergangenes Jahr wurden in Österreich mehr Das ist mehr als am Brustkrebs gestorben sind zum Beispiel, der sehr viel präsenter ist.

00:10:52: Darum ist Covid natürlich auch weiterhin relevant für Spitäler.

00:10:55: Wie würden Sie sagen hat sich unser Risiko empfinden verschoben oder haben wir die Krankheit verdrängt?

00:11:01: Ich glaube beides tatsächlich!

00:11:03: Die Menschen haben sich an das Risiko... gewöhnt tatsächlich.

00:11:07: Aber es gibt natürlich auch eine Vertragung, weil dieses Thema einfach emotional komplett erschöpft ist.

00:11:11: Wir haben das über Jahre-Tag-Ausdage eingehabt.

00:11:14: Das hat unseren Alltag geprägt und jetzt möchte man so etwas einfach abhaken.

00:11:18: Und das führt uns zu seinem paradoxen Zustand.

00:11:20: Wir akzeptieren einfach Risiken die wir früher niemals akzeptiert hätten und jetzt nehmen wir Covid sehr passiv einfach hin.

00:11:28: Was passiert mit uns?

00:11:29: Ja, ist halt so!

00:11:30: Wer sollte heute noch besonders wachsam sein?

00:11:33: Naja, ganz klar natürlich alte und immunsupremierte Patienten.

00:11:36: Egenau die Patientengruppen, die wir damals rauf-und runter rezitiert haben dass sie sich besonders schützen sollen.

00:11:42: das hat sich eigentlich nicht geändert.

00:11:43: Wir haben vorher ganz kurz an Sie angerissen die Sorge vor Nebenwirkungen bei der jüngsten Impfstoffstudie.

00:11:52: Sie beschäftigen sich ja als Pharmakologe logischerweise auch sehr stark damit mit Neben- und Wechselwirkung also mit dem was nach der Zulassung passiert eines Medikaments.

00:12:03: Warum werden die so selten gemeldet?

00:12:08: Naja, weil wir es meistens nicht am Rader haben und das war bei Covid genau umgekehrt also vor allem bei den Covid-Impfstoffen genau um gekehrt.

00:12:15: da haben wir ein massives Überreporting gehabt weil die Menschen sehr stark in sich hineingehorcht haben und alles mit der Impfung assoziiert haben.

00:12:22: Und normalerweise haben wir eigentlich ein massives andere Reporting was ein bisschen Paradox auch ist, weil wir in Österreich und eigentlich eine gesamte EU unser Meldesystem umgeändert haben.

00:12:35: Früher konnten eigentlich nur Angehörige vom Gesundheitssystem einmelden.

00:12:39: Heutzutage kann tatsächlich jeder ein melden – nämlich auch die Patientinnen und Patienten selber können einen melden -, in einer zentrale Datenbank.

00:12:47: Das bedeutet noch längst nicht dass diese Nebenwirkung, vielleicht doch gar keine Nebenwirkung ist aber das dieses Ereignis jetzt irgendwann in einer Fachinformation oder einem By-Bug Text steht.

00:12:56: Aber es wird eingemeldet und bewertet.

00:12:58: Es geht schlussendlich dann zwischen der Zulassungsbehörde und den Firmen, die diese Produkte produzieren hin- und her.

00:13:06: Und könnte tatsächlich irgendwann eben in seiner Fachinformation drinnen landen?

00:13:10: Das machen die wenigsten weil sie es einfach gar nicht am Rater haben.

00:13:14: Weil sie sich denken naja mein Gott was soll jetzt meine... das ist ein bisschen Kopfweh aber da vergisst man, dass wir Nebenwirkungen in Zweile hin sich besser verstehen wollen.

00:13:25: Das eine ist besonders schweren Nebenwürkungen und wollen auf jeden Fall verstehen auch wenn sie extrem selten sind.

00:13:31: aber wir wollen natürlich auch die Häufigkeit gut einschätzen können weil wenn jeder jetzt Kopfwege kriegt oder eine bestimmte Tablette gekriegt hat möchte man vielleicht dann doch lieber das nächste Mal eine andere Tablette nehmen auch wenn das Kopfweh gar nicht so wild war.

00:13:43: Das heißt doch eine vermeintlich banale Nebenwirkung wäre des Meldens wert?

00:13:50: Absolut ja!

00:13:52: Was verloren?

00:13:53: Meine nächste Frage wäre gewesen, was geht verloren wenn diese Meldungen fehlen?

00:13:56: aber das haben sie im Prinzip eh schon jetzt ausgeführt.

00:14:01: Anders gefragt wie viel Unsicherheit gehört eigentlich zur Medizin?

00:14:05: Wie viele Unsicherheiten gehört zur Medizin?

00:14:07: Naja hoffentlich möglichst wenig am Ende des Tages.

00:14:12: Lassen Sie mich ein bisschen anders herum formulieren.

00:14:14: In einer klinischen Studie kann ich die Klinische Studie ist wie ein Messinstrument und wenn ich eine Therapieoption A Hundert Menschen gibt und eine Therapieoption B hunderte andere Menschen gibt, dann kann ich nachher mit statistischen Tests extrem gut auswerten welche von diesen Therapieopzonen im Durchschnitt die bessere ist.

00:14:33: Aber trotzdem – das ist das Paradoxe daran – weiß ich bei meinem Zweihundert ersten Patienten nicht hundertprozentig genau, ist jetzt Therapie Option A oder B besser weil es einfach individuelle Unterschiede gibt.

00:14:44: Und dass diese Unsicherheit, die uns im Alltag ein bisschen zu schaffen macht.

00:14:49: Und da es nach wie vor so was immer war, der Arzt natürlich gefragt und das Zwischenspiel und die Interaktion zwischen dem Arzt und Patient.

00:14:57: Wenn der Arz einfach das nächste Mal nachfragt, na, wie Sie sind denn gegangen mit dieser neuen Therapie, die ich Ihnen gegeben habe?

00:15:03: Und wenn das einfach nicht befriedigend ist, dann wäre vielleicht auch die Option B die bessere und da muss sich das halt austauschen.

00:15:09: Das alles kostet aber Zeit!

00:15:11: Wie wir wissen, ist Zeit die Komponente, die wir leider Gottes in unserem Gesundheitssystem am allerwenigsten zur Verfügung haben.

00:15:17: Es gibt immer noch genügend Menschen, die Studien grundsätzlich nicht trauen.

00:15:21: Obwohl sie davon profitieren – das kennt man auch aus anderen Lebensbereichen.

00:15:25: Das Wort halt vom Versuchskaninchen, dass man nicht sein will, geistert da herum.

00:15:30: Woher kommt dieses Misstrauen?

00:15:33: Gibt es ein paar unterschiedliche Wurzeln.

00:15:35: Also einerseits gibt's natürlich historisch tatsächlich ethische Verfehlungen, da denken wir alle an diese furchtbaren Nazi-Experimenten aber es gab natürlich auch später noch Experimente in Amerika und Schwarzen Baumwaltflückern also wirklich diese fuchbaren Dinge sozusagen.

00:15:49: Der nächste Teilaspekt ist ein bisschen das es so intransparent wirkt und komplex wird und etwas was ich schlecht verstehe Und mit mir selber intimsten selbst zu tun hat und einen Eingreff an der Gesundheit, an der eigenen Gesundheit.

00:16:03: Im Thema geht es natürlich nicht.

00:16:05: Das verunsichert uns.

00:16:07: Und vor allem auch dieses Abgeben der Kontrolle ist ohnehin für jeden Patienten, vor allem bei einer neuen Diagnose extrem unangenehm und extrem ungewohnt.

00:16:17: Wir geben alle hundertprozentig die Kontrolle ab wenn wir uns in ein Flugzeug begeben haben aber das etwas anderes sind wir gewohnt.

00:16:23: Wenn wir jetzt eine neue Diagnosis haben und hier die Kontrollen abgeben müssen dann verängstigt uns das.

00:16:29: Was aber ein bisschen eine Fehleinschätzung ist, weil in Wirklichkeit ist es nicht so, dass man im Rahmen einer klinischen Studie die Kontrolle abgibt.

00:16:36: Das ist eine komplexe Interaktion zwischen natürlich der Pharmafirma, die das produziert, natürlich einer Behörde, die wir nie kennen gelernt haben, aber auch dem Arzt und der Ärztin, die einem nach wie vor betreut und einem selbst.

00:16:49: Und das wird sehr oft auch wenn man das grafisch darstellt vergessen zu erwähnen Der Patient ist ja nicht ein Meerschwenkchen, sondern ist ein integraler Bestand der gesamten Studie und ein gleichberechtigter Teilnehmer.

00:17:04: Das

00:17:04: ist auch ein Punkt, das anders läuft als man vielleicht gemeinhin glaubt bei einer Studie?

00:17:08: Absolut!

00:17:09: Also es beginnt natürlich bei der Einverständnis-Erklärung beim Infraunkonsent.

00:17:13: hier wird man über alle potenziellen Wirkungen – und auch alternativen Therapien aufgeklärt.

00:17:20: Das geht tatsächlich zurück auf den Nürnberg-Code Und das immer wieder eigentlich bei den AC-Experimenten, weil der Nürnberg-Code war eine Replik auf die furchtbaren AC-Experimente, die im Rahmen der Nurembergerprozesse stattgefunden hat.

00:17:32: Da steht einfach drinnen kein Mensch darauf eingeschlossen werden in einer klinischen Studie ohne darüber aufgeklärt worden zu sein.

00:17:39: und es ist beim Erschwenigen natürlich ein bisschen anders, da mache ich schon andere Studien.

00:17:45: Das ist genauso wichtig... Ich kann jederzeit auch wieder aus dieser Studie ausstellen.

00:17:48: Ich kann es mir jederzeit überlegen Für mich selbst entscheiden macht diese Studie Sinn, gerade auch wenn das schwere Eingriffe sind oder schwere Entscheidungen sind wie ein neues Medikament.

00:18:02: Wenn ich eine Grip-Serkrankung habe dann kann ich das natürlich sehr wohl mit anderen Ärzten besprechen und es schaut so, jeder auch ins Internet.

00:18:09: Und Jeje Petit kann einem dann auch noch beraten.

00:18:11: Wir haben eingangs gesprochen über die neuen Uni Gebäude wie das Center for Translational Medicine als ... etwas, was die Forschung verantreiben wird.

00:18:24: Jetzt umgekehrt gefragt – Was bremst die Forschungen in Österreich noch?

00:18:29: Naja... Die klassischen Sachen, die man immer nennt sind natürlich Bürokratie, Finanzstrukturen und Fragmentierung.

00:18:37: Ich sage das jetzt ein bisschen unter Anfangszeichen weil die Bürokrate auch dafür verantwortlich ist dass wir eben so gute Schutzmechanismen haben, die dann wieder das Vertrauen der Studienteilnehmer stärken soll.

00:18:49: Aber sie schränkt uns in vielerlei Hinsicht natürlich auch sehr stark ein, gerade weil es in Europa auch Umstellungen gegeben hat mit CETIS und sehr komplizierten Prozessen für die Zulassung einer Studie, die nicht optimal fallauf sind.

00:19:00: Gar nicht so auf österreichischer Ebene sondern auf b-scherebene.

00:19:04: Die Finanzierungsstrukturen sind teilweise schwierig.

00:19:07: Schwierig in zwei alle Hinsichten und das gebe ich natürlich offen auch zu.

00:19:12: Sehr viele Studien wären von der pharmazeutischen Industrie gesponselt und die pharmazeutsche Industrie möchte Geld verdienen muss man einfach zur Kenntnis nehmen und das muss man noch akzeptieren.

00:19:22: Es gibt natürlich viele akademische Forschungsstrukturen auch, die sind aber meistens, die greifen relativ kurzfristig, die Greifen auf wenige Jahre hinausgelegt und da gibt es andere Länder, die einfach ganz andere Strukturen haben wie in Amerika wo ich dann für zehn Jahre quasi einfach vor mich hinforschen kann ohne mir wieder Sorgen zu machen über die nächste Finanzierung Und die Fragmentierung ist einfach.

00:19:44: europaweit, aber auch österreichweit gibt es natürlich viele Einzellösungen.

00:19:49: Da fehlen uns sehr oft einfach die Netzwerke um genügend Student-Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen zu kriegen, um eine gewisse statistische Power halt zu bekommen.

00:20:00: Wenn wir etwas aus der Pandemie gelernt haben oder was sie uns gezeigt hat, dass die Innovation hier an den Universitäten passiert Zum Beispiel der BioNTech-Impfstoff kommt ja auch aus dem akademischen Bereich und nicht von woanders.

00:20:17: Was ist für Sie die wichtigste Lehre aus der Pandemie?

00:20:21: Sind Sie sich schon hundertmal gefragt worden, aber es bleibt trotzdem etwas was relevant bleibt in der Frage.

00:20:31: Und natürlich angeschlossen, was sollte beim nächsten Mal anders laufen?

00:20:34: Die wichtigste Leere ist eigentlich keine Überraschung, weil gute Forschung rettet Leben und das haben wir eigentlich vorher auch schon gewusst.

00:20:44: Was wir aber gesehen haben ist besonders effizient ist sie wenn sie schnell ist, aber auch wenn sie transparent und vertrauenswürdig ist.

00:20:52: Wenn sie das nicht ist dann durchtrinkt eine... Maßnahmen natürlich nicht die Bevölkerung und dann kann ein Impfstoff beispielsweise nicht das volle Potenzial entwickeln.

00:21:02: Das heißt, wir haben auf der einen Seite gesehen was möglich ist wenn die Wissenschaft, die Klinik, die Politik und alles Decolar zusammenarbeiten.

00:21:11: aber jetzt habe ich aufgezählt die Wissenschaft ,die Klinika und die Politik.

00:21:13: wo ist da die Bevölkerungen?

00:21:15: könnte man jetzt fragen?

00:21:16: Und das ist natürlich etwas was wir oft viel zu stark vergessen haben.

00:21:21: Genauso haben wir gelernt, was passiert wenn das Vertrauen fehlt.

00:21:24: Weil man nämlich genau diesen Partner, den ich vorher nicht aufgezählt habe, gerne vergisst.

00:21:29: Markus Teitlinger, danke für das Gespräch!

00:21:30: Sehr gerne.

00:21:31: Das war der Hörgang mit

00:21:33: Uni Wien –

00:21:34: der Podcast von Springer

00:21:35: Medizin gemeinsam

00:21:37: mit der MED-Uni Wien.

Über diesen Podcast

Medizinische Sendungen gehen in die Tiefe, sind aber nicht unterhaltsam. Dieses Vorurteil zu widerlegen, haben wir uns für den Hörgang vorgenommen. Nun haben wir auf Springer Medizin Österreich einen Podcast ins Leben gerufen, der sowohl aktuell als auch wissensvermittelnd sein, darüber hinaus akustisch etwas hermachen soll. Neben Experten aus Wissenschaft und Praxis werden wir auch unsere Fachredakteure, Kolumnisten und Reporter der „Ärzte Woche“ zu Wort kommen lassen.

von und mit Springer Medizin Wien/ Martin Krenek-Burger

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