Hörgang

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00:00:01: Wir wollen möglichst alle zu Hause sterben.

00:00:04: Wir wissen mit dem Blick in die Statistik, das ist eigentlich für ganz wenige nur möglich.

00:00:18: Herzlich willkommen beim Hörgang, dem Medizin-Podcast von Springer.

00:00:22: Mein Name ist Martin Krennit-Burger.

00:00:25: Bis zum Jahr zwanzig dreißig werden in Österreich zwischen seventy fünf Tausend und einhunderttausend Pflege Kräfte fehlen.

00:00:32: Gleichzeitig steigt die Zahl der über fünfundachtzigjährigen um fast die Hälfte.

00:00:38: zwei Zahlen, die auseinander klaffen wie eine Schere und mittendrin Menschen, die Pflege brauchen – und jene, die sie

00:00:45: leisten.".

00:00:47: Mein heutiger Gast sucht seit einem vierte Jahrhundert nach Antworten auf die Frage, wie wir in einer alten Gesellschaft bis zuletzt gut leben können.

00:00:55: Sabine Bleisberger ist Professorin für Pflegewissenschaft an der Met-Uni Wien, die erste Stiftungsprofessur dieser Art in Österreich und sie kennt die Pflege aus allen Perspektiven.

00:01:07: Als Diplomierte, Gesundheits- und Krankenpflegerin als Wissenschaftlerin und als Expertin für Hospiz und Palliativarbeit.

00:01:16: Frau Prof.

00:01:17: Bleisberger, schön dass Sie bei uns sind.

00:01:18: Herzlichen Dank für die Einladung!

00:01:20: Sie sind gelernte Pflegarin und heute Professorin?

00:01:24: Was hat sie vor fünfundzwanzig Jahren zu dem Schluss gebracht, das die Pflege eine eigene Wissenschaft braucht.

00:01:31: Ich glaube, vor fünfzehnzig Jahren hätte ich das so auch gar nicht formuliert und wäre auf die Idee gekommen denn das war tatsächlich in der Zeit als für mich Berufswahlausstand für in Österreich in der Form so noch kein Thema.

00:01:47: Das heißt es war klar, ich will Krankenschwester werden.

00:01:51: So hieß das auch damals noch.

00:01:52: Da waren wir noch Schwestern, schon ein kleiner Hinweis auf die Geschichte und aus einem Tiroler Dorf stammend bot mir diese Ausbildung auch die Chance in die Landeshauptstadt zu kommen Unterkunft zu haben, die Krankenpflegeschule zu besuchen Und ein Stück weit auch schon für mich damals große weite Welt hinauszugehen.

00:02:12: Beginnen wie mit dem Bild der Schere dass sie oft verwenden Der Pflegebedarf wächst Die Ressourcenschrumpfen.

00:02:19: Wie dramatisch ist die Lage?

00:02:21: Wirklich und wie viel davon ist vielleicht mediale, vielleicht politische Panikmache?

00:02:26: Ich denke das pflege ähnlich wie die anderen Themen sehr wohl mit dem Thema Krise daherkommt.

00:02:33: Und eng verbunden ist.

00:02:34: wenn man diese Zahlen einander gegenüberstellt liegt es auch auf der Hand und es ist einfach offensichtlich Wenn wir schauen die anderen Krisen mit denen wir konfrontiert sind von der Klimakrise angefangen da lassen sich viele Parallellen sie.

00:02:47: nichts davon is von einem Tag auf den andern entstanden.

00:02:51: Nichts davon lässt sich von einen Tag auf den anderen lösen, mit einer einzelnen Maßnahme einem Schritt.

00:02:57: Uninteressanterweise hängen viele dieser Krisen die wir haben auch miteinander zusammen und in Verbindung.

00:03:03: Fünfundsebzigtausend bis einhunderttausende fehlende Pflegekräfte bis zwanzigdreißig wenn wir nichts ändern.

00:03:11: also das ist schon eine beeindruckende Zahl.

00:03:13: das ist so etwas zwischen vieler und klagenfort von der Größe her.

00:03:18: Wie schaut Pflege in Österreich im Nahezukunft aus, wenn sich nichts ändert?

00:03:22: und woran vor allem würden wir den Notstand im Alltag merken?

00:03:27: Ich glaube das der Notstand Im Alltag ja bereits jetzt für viele spürbar ist.

00:03:33: Das wird sich weiter so fortschreiben dass Maßnahmen ja auch gesetzt werden von deren Wirksamkeit wie jetzt allenfalls ebenfalls spekulieren.

00:03:42: ich möchte daher nicht nur ein dystopisches Bild hier zeichnen sondern sagen, dass wir uns mit der Krise ja auch mitentwickeln.

00:03:51: Und daher das was jetzt schon spürbar ist.

00:03:54: ein Pflegebedarf tritt auf in der Familie.

00:03:56: man überlegt ja wohin wende ich mich?

00:03:59: Man ruft an und telefoniert und da je nachdem wo sie in Österreich leben kriegen sie dann zur Antwort na wir können im Moment gar niemand schicken oder ja morgen schicke ich ihnen jemanden und dann kann man weiter schauen.

00:04:10: Das heißt diese Unsicherheit ist da jemand werde ich versorgt werden.

00:04:15: die haben wir de facto auch gegenwärtig bereit und es ist davon auszugehen, dass sich das zu spitzen wird.

00:04:21: Das muss man schon so sagen.

00:04:22: aber ich vertraue und glaube immer auch an sehr viele kreative Kräfte und gute Ideen, dass es eben dann so ähnlich wie wir mit der Klimakrise umgehen vielleicht nicht ganz so heftig kommt.

00:04:34: Ein

00:04:35: Drittel der heute aktiven geht bis zum Jahr zwanzigdreißig in Pension.

00:04:39: dabei verlieren wir nicht nur Personal sondern auch Erfahrung.

00:04:42: Wird dieser Aspekt unterschätzt politisch?

00:04:45: Ich glaube, dass wir diese Personen im System weiter brauchen.

00:04:51: Ob es wegen ihrer Erfahrung, was auch immer als kompetente Pflegepersonen brauchen wird im System und das wäre eigentlich sehr schön wenn die nicht alle mit dem amtlichen pensionsbescheiden Pension gehen.

00:05:03: Sondern wenn es uns gelänge die auch weiter für die Pflege zu begeistern und im System zu halten und zwar in einer anderen Form in reduzierter Form usw.

00:05:12: Also einfach nur das Alter hinaufzusetzen wäre da auch keine Lösung.

00:05:16: Was wir in der Pflege immer brauchen ist sowohl Erfahrungswissen als auch das evidenzbasierte Fachwissen.

00:05:23: Und da sind zwei ganz wichtige Säulen, die miteinander sich entwickeln.

00:05:27: und natürlich ist klar dass eine Pflegefachperson, die jetzt in Pension geht an anderen Ausbildungshintergrund hat der aber natürlich durch eine reiche Erfahrung kompensiert oder ergänzt wird während einer jetzt Absolventin eines pflege Bachelor Studiengangs mehr evidenzbasiertes Wissen vielleicht mitbringt die Erfahrung erst aufbauen muss.

00:05:48: Also das ist wie überall, wir brauchen hier gemischte Bundteams, die sich einander unterstützen können.

00:05:54: In der Realität erreichen ja viele Menschen, die den Pflegeberuf ergreifen, dass Pensionsaltern diesen Beruf gar nicht oder gehen nicht als Pflegeperson sozusagen in Rente – wo verlieren wir Leute, die wir schon haben im Pflegesystem?

00:06:09: Zum einen da wie in allen Berufen auch Die Berufslaufbahnen, wo man von der Erstausbildung bis zur Pensionierung in der Kontinuität tätig ist.

00:06:19: Davon müssen wir uns als Gesellschaft verabschieden die Konzeption auch das Leben lang weiter lernen sich entwickeln sie es eine Notwendigkeit zunehmen und daher ist natürlich auch eine größere Offenheit da.

00:06:31: Wir hatten sicher traditionell, weil die Pflege ein Frauenberuf ist.

00:06:35: Weil das gesellschaftliche Bild auch so war natürlich immer diese Solbruchsstelle wenn Familiengründung ansteht und hier hat gerade die Pflege viel Möglichkeiten geboten dann weiter in den Beruf möglichst früh wieder einzusteigen sanft einzusteigend.

00:06:52: Das waren immer die Kolleginnen die da nur ein paar Nächte gemacht haben.

00:06:56: ich glaube hier kommt es darauf an wie klug die Arbeitgeberinnen und Arbeitgebers sind diese Personen stärker reinzuholen, Kinderbetreuung an Gebote so zu schaffen dass sie auch mit der Pflege kompatibel sind die ja von den Arbeitszeiten her immer außerhalb der klassischen Kindergarten-Zeiten gelegen ist.

00:07:14: Also hier haben wir so Besonderheiten die mit dem Schichtmodell des Berufes zu tun haben Die sich da aufspießen.

00:07:22: Das ist so die eine Seite worauf ihre Frage abzählt und die es auch natürlich ernst zu nehmen und zu schauen dass Menschen auch sagen, so möchte ich nicht mehr in diesem Beruf arbeiten.

00:07:34: Und da sollten alle Alarmglocken schrillen, weil das sollten wir uns als Gesellschaft, als Arbeitgeber und Organisationen einfach nicht leisten.

00:07:42: Wir qualifizieren Personen, wir bilden sie fort weiter – und es ist uns dann egal wenn die sagen nein unter diesen Umständen nicht!

00:07:51: Also in einer Zeit des großen Fachkräftemangels auch in anderen Branchen haben wir eine große Bedrohung dass Fachpersonen auch abgeworben werden und das natürlich mit Gehältern und verlässlicheren, geregelteren Arbeitszeiten liegen gewichtige Argumente am Tisch.

00:08:08: Aber ein ganz großes Gegenargument ist es Schöne an diesem Beruf – und die Qualität des Berufes an sich!

00:08:15: Und dass wir auch aus Studien in Deutschland wissen wenn gefragt wird jene die ausgestiegen sind oder die reduziert haben Unter welchen Umständen würden Sie denn zurückkommen?

00:08:25: Unter welcher Umstände würden Sie dann von Teilzeit auf Vollzeit gehen.

00:08:28: Dann wird ganz klar mehr Zeit für gute Pflege zu bekommen, mehr Wertschätzung zu bekommen kompetente Führungspersonen an der Seite zu haben.

00:08:36: Das sind die Argumente und es ist in der Regel nicht ein genughaben vom Beruf eine Müdigkeit im Ton.

00:08:44: also diese Beziehungsarbeit, die Interaktionsarbeit das was Pflegers Beruf anzubieten hat – das ist attraktiv!

00:08:50: Und das ist natürlich nicht nur ein reines Problem der Pflege.

00:08:53: Das gibt es in vielen Berufen, dass Leute sagen hier werde ich nichts sozusagen alt werden.

00:08:57: Aber bei der Pflege ist es halt besonders wichtiges Thema.

00:09:01: Was aber der Beruf schon bietet, ist, dass sie kaum mal so viele Möglichkeiten haben Alternativen auszuprobieren innerhalb mit dem selben Beruf.

00:09:10: Das heißt Sie machen eine Ausbildung und Sie können mit dieser Ausbildung von der alten Pflege bis in die Krankenhausambulanz bis hinaus in die Selbstständigkeit ganz viele Felder sich erschließen, in verschiedenen Konstellationen arbeiten so dass man eigentlich in der Regel was findet.

00:09:29: Das hat natürlich einen Unterschied ob ich am Land wohne wo es ein Altersheim gibt und ein Bezirkskrankenhaus gibt.

00:09:36: da wird die Auswahl begrenzter sein.

00:09:38: also ich bin beispielsweise in einer Landeshauptstadt oder in Wien aber grundsätzlich erschließen sie sich mit dieser Ausbildung unglaublich viele Optionen.

00:09:46: Ich möchte noch eine andere beeindruckende Zahl in die Runde werfen, in die kleine.

00:09:52: Achtzig Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt oft von Angehörigen übrigens darunter auch viele Kinder.

00:10:00: Wusste ich auch nicht habe ich auch es durch die Recherche herausgefunden?

00:10:03: das ist doch eine überraschend hohe Zahl wo wir ein bisschen genauer hinschauen sollten also in die Wohnzimmern und Küchen wo ein Großteil der Pflege in den kleinen Badezimmer tatsächlich stattfindet.

00:10:15: Also eine Million Menschen, wenn man das umlegt.

00:10:17: in Österreich pflegen Angehörige.

00:10:19: Rund zehn Prozent der Bevölkerung.

00:10:22: Wer sind diese Menschen?

00:10:23: Unter welchem Druck stehen die?

00:10:25: Wir wissen immer noch relativ wenige über diese Menschen und andererseits sind es genau diese Menschen, die auch Eltern sind und pflegeln und vor dem Hintergrund unter einem Druck stehen nämlich Erwerbstätigkeit und Pflege miteinander vereinbaren zu müssen Und das ist ein ganz wichtiges Thema, dass wir auch im Rahmen meiner Stiftungsprofessur bearbeiten und das zunehmend die mehr öffentliche Aufmerksamkeit bekommt.

00:10:51: Weil es eben nachher liegend ist, dass als Eltern, Kinder, Schwiegerkinder oder Geschwister oder aber auch als Nachbarinnen, Freundinnen und Freunde mit dem Thema in Berührung kommen und ein Stück dieser Verantwortung mitnehmen.

00:11:08: mehr oder weniger müssen, wollen-müssen sollen.

00:11:12: Da changiert das.

00:11:14: an einem Tag ist es ein Wollen am nächsten Tag ist Es ein Müssen.

00:11:17: Das charakterisiert es auch.

00:11:19: es ist jetzt nicht einfach ein schwarz-weiß Bild dass da entsteht.

00:11:23: interessant war vor kurzem wurde die Eco Austria Studie publiziert wo deutlich gesagt wo man ausgerechnet hat welche Auswirkungen hat das auf den Arbeitsmarkt?

00:11:35: Dass so viel häusliche Pflege erforderlich ist Und die haben errechnet, dass neuntausend zweihundert Vollzeit-Equivalente als potenzieller Verlust am Arbeitsmarkt entsteht.

00:11:46: Mir geht es hier nicht um die Zahl sondern mir geht es um die Perspektive weil die Frage ist denken wir das jetzt von der Seite her?

00:11:53: was geht es dem Arbeitsmarkt verloren?

00:11:56: Weil zu Hause, weil Pflegeverantwortung wahrgenommen wird?

00:12:00: ich könnte ja auch fragen wie viel Pflegeressourcen gehen uns verloren immer mehr im Arbeitsmarkt involviert sind.

00:12:11: Und wenn wir das also als Bild einer gesamten Gesellschaft denken, dann wird einfach deutlich und klar, dass es Dinge sind die sind miteinander zu verhandeln und auszuhandeln.

00:12:21: Aktuell erleben wir sie aber immer wieder als individuelle Entscheidungen.

00:12:26: Sie sagen ja auch keiner kann oder will alles übernehmen.

00:12:30: Ihr Konzept ist eher das Denken in Netzwerken.

00:12:33: Community Nursing ist so ein Stichwort Sorge-Netzwerke, könnte man das vielleicht auch nennen.

00:12:39: Können Sie für unsere Hörerinnen und Hörern konkret machen?

00:12:42: Wie schaut so ein Community-Netztwerk im echten Leben aus?

00:12:47: Wir sind erst dabei diese Caring Communities zu entwickeln als Gesellschaften.

00:12:53: Es gibt ganz konkret in Wien von Kolleginnen und Kollegen an der Uni Wien Und im Verein Sorge Netzwerk auch entwickelt und betrieben den achtsamen Achten als einen Wiener Gemeindebezirk, der sich eben hier auf den Weg macht und sagt wir wollen etwas davon umsetzen.

00:13:11: Und wenn man sich das näher anschaut wird schon deutlich dass es eine komplexe und umfassende Aufgabe ist, das aber schon mit dem ersten Tag in dem man das angeht was weitergeht.

00:13:22: Sehr schwer ökonomisch zu messen sehr schwer einfach wissenschaftlich nachzuweisen Aber denn schon alleine mal den Blick zu schärfen dafür.

00:13:32: Was ist denn in meiner Umgebung rund um dieses Thema Pflege?

00:13:35: Denken Sie an die Corona-Pandemie, an dem einfachen Beispiel.

00:13:39: Wer ist bei Ihnen vielleicht im Haus für den man einkaufen gehen müsste?

00:13:43: Ja das war so.

00:13:45: wir haben es damals auch wissenschaftlich erhoben dass es in dieser Zeit diese Erwärmnis, diese Aufmerksamkeit auf Menschen die vielleicht alleine zu Hause leben älter sind von Jüngeren und anderen extrem gestiegen ist.

00:13:57: Über dieses Beispiel, ja ich gehe einkaufen für den anderen.

00:14:00: Also dieses Wahrnehmen überhaupt einmal ohne dass das jetzt unbedingt in meiner eigenen Familie sein muss.

00:14:07: also diesen Blick hinaus zu werfen auf nicht nur meine Familie wir leben in der Regel eher in klein und kleinst Familien womit offensichtlich wird Das überfordert sehr schnell hin zur Nachbarschaften freundes Netzwerk, bekannte Netzwerke da sich zu erschließen.

00:14:26: Aber das gehört ein Stück organisiert und damit braucht auch das Ressourcen so einen achtsamen Bezirk auch am Leben zu erhalten.

00:14:34: Und das passiert aktuell immer nur über Projektfinanzierungen mit Ablaufdatum.

00:14:39: also hier sind wir noch extrem in einem Experimentierfeld und Stadium und bräuchten eigentlich ein viel stärkeres Commitment auch der Politik hier längerfristig, einmal sowas wie eine Grundstruktur zu ermöglichen auf die dann ganz viel wieder ehrenamtlich engagiert aufbauen und wachsen kann.

00:15:02: nur über sie.

00:15:03: Was haben Ihnen pflegende Angehörige erzählt, dass in keiner offiziellen Statistik aufscheint?

00:15:09: Diese

00:15:10: Forschung mit Betroffenen ist.

00:15:12: in meiner wissenschaftlichen Laufbahn kommt dieser stark aus der Forschung rund um die Frage der Versorgung im hohen Alter und am Lebensende weil das auch so ein Beispiel.

00:15:24: wir wollen möglichst also wenn wir gefragt werden wollen wir alle zu Hause sterben?

00:15:28: Wir wissen mit dem Blick in die Statistik, das ist eigentlich für ganz wenige nur möglich.

00:15:32: Und das finde ich nach wie vor eine unglaublich spannende Forschungsfrage hineinzugehen in den... wir leben alle mit diesem Widerspruch!

00:15:39: Was passiert da eigentlich?

00:15:40: Warum ist es so schwer zu realisieren und da tut sich eine unglaubliche Welt und Fülle

00:15:45: auf?!

00:15:45: Wir schauen aber eben im Forschungsgebiet immer auch was brauchen Angehörige von Menschen, die in dieser Lebensphase sind damit das Zuhause geht?

00:15:56: Und da wird immer wieder klar, die brauchen ein Backup.

00:16:00: Die brauchen jemanden an den, die sich wenden können für den Fall das und allein diese Rückversicherung zu haben befähigt Angehörige dann wieder unglaublich dranzubleiben.

00:16:12: und dass ist etwas was mich eben immer so tröstlich und zuversichtlich stimmt is wir wollen als Menschen einander beistehen uns unterstützen in allen Lebenslagen Und wir wissen auch, alle selber werden mal sterben.

00:16:26: Wir wissen nicht wie und wir wissen nicht wann!

00:16:29: Aber da entsteht eine Verbundenheit ganz etwas Tiefes glaube ich als Gesellschaft, eine Mitmenschlichkeit die tragfähig ist aber auf die man sich nicht als Polster ausholen sollte und sich zurücklehnen, die werden sich das schon richten.

00:16:46: Uns diesen Teil der Verantwortung zu organisieren, der braucht eine Professionalität, er braucht Mittel- und Ressourcen.

00:16:54: Das ist genau der Gap auf den wir da schauen

00:16:56: müssen.".

00:16:57: Sie sprechen auch oft von der gesellschaftlichen Marginalisierung von pflegebedürftigen und sterbenden Menschen und derer, die sich darum kümmern müssen?

00:17:07: Das ist ein hartes Wort.

00:17:09: Wo begegnet Ihnen diese Abwertung ganz

00:17:11: konkret?".

00:17:12: wenn ich auf die Herkunft dieser Beobachtung, dass sich das so zugespitzt habe entstand eigentlich aus der Beschäftigung mit der Berufsgruppe der Pflegen.

00:17:24: Warum fällt es denn so schwer, dass Pflegefachpersonen als akademisierte Berufsgruppe anerkannt werden?

00:17:32: Warum haben wir in Österreich fünf, sechs Professuren für Pflegewissenschaft und ein Ziegfaches alleine an einer Universität, wenn wir beispielsweise auf die Medizin schauen?

00:17:42: Warum ist es so schwierig, hier diese wichtige komplexe Aufgabe auch in ihrer Professionalität wahrzunehmen?

00:17:53: und warum schafft's die Berufsgruppe selber nicht?

00:17:56: Das wird ja immer wieder angelasst.

00:17:58: Sie müssten sich nur mehr auf die Beine stellen.

00:18:00: Warum schaffen sie das nicht?

00:18:02: Und das hat damit zu tun, weil sie mit ihrem Gegenstand der Sie beschäftigt also den Menschen die Hilfe und Pflege bedürftig sind.

00:18:10: Nicht auf die Straße gehen können und sagen können schaut mal her!

00:18:14: Jetzt legen wir die Arbeit in Ihnen und wir tun das alles nicht.

00:18:17: Das ist eine unglaublich sensible Materie und mit den Menschen, die Hilfe- und Pflegelbedürftig sind ja abhängig von dieser Berufsgruppe und die eben das Kern anliegende Berufsgruppe sind, nämlich dass diese Menschen ihre Würde erhalten können in jeder Lebenssituation.

00:18:36: Das sind sie in schambesetzten Bereichen da geht es um Intimsphäre.

00:18:40: Das ist nicht Dinge die Sie vor den Vorhang holen können wollen!

00:18:44: Das ist was ganz anderes, wenn ich als Physiotherapeutin an Menschen wieder nach einem Unfall mobil mache.

00:18:50: Da habe ich eine Erfolgsgeschichte, die kann ich präsentieren oder wenn mich die Gesundheit ganz stark in den Vordergrund holen.

00:18:58: Aber Pflege hat schnell dieses Anrüchige.

00:19:01: Wenn du schon mal Pflege brauchst, dann geht es schon bergabt und entstehen Bilder Von Abhängigkeit.

00:19:07: und in dieser Widersprüchlichkeit, in diesen Ambivalenzen drin bewegt sich die Berufsgruppe.

00:19:12: Und ich glaube das hat eben mit dem zu tun dass das Thema Hilfeppflegebedürftigkeit etwas ist was wir nicht in den Mittelpunkt holen ja so wie das Sterben nicht sondern das is an den Rand draußen.

00:19:23: und die Menschen die sich da einen Rennen dann bewegen um diese kümmern die tun sich dann eben auch schwer als da in der Mitte zu treten und sagen und Wir brauchen Ja und wir wollen und wir müssen Professionalisieren, akademisieren.

00:19:38: Wir brauchen mehr Ausbildung aber wir brauchen bessere Rahmenbedingungen und...

00:19:42: Genau den Stellenwert der Berufsgruppe möchte ich zum Abschluss noch einsprechen die Pflege als Beruf und das Disziplin und die Frage natürlich was jetzt zu tun wäre.

00:19:52: Kurzer historische Exkurs Der Pflegeberuf entstand im Jahrhundert Als medizinischer Assistenzberuf für Frauen.

00:20:00: Dieses Bild hält sich Sie haben wir haben es in Vorgespräch eh kurz angerissen Hält sich hartnäckig.

00:20:05: Wie sehr steht uns dieses veraltete Bild von der Krankenschwester hat noch im Weg?

00:20:10: Im Weg steht es uns eben dort, wo wir mit anderen Professionen messen und auseinandersetzen müssen.

00:20:18: Wie ich vorhin gesagt habe wie selbstverständlich die Medizin einfach eine Profession ist und wie schwierig es für Pflege ist als solches wahrgenommen zu werden oder dass man eher das auch zustande... dass das eben auch zusteht, hat aber immer auch damit zu tun, dass es natürlich ressourcenmäßig wir hier von einer Berufskoperäten wo wir in Summe wenn man alle Pflegeberufe zusammen sehn hundertachzig tausend haben in Österreich und das ist natürlich eine Größenordnung wo man auch eher zurück schreckt.

00:20:45: Und sie dann doch lieber klein hält sag ich einmal dort was um Ressourcen entlohnen und Rahmenbedingungen geht Erhält uns vielleicht auch dort ein wenig, also behindert uns dieses Bild wo wir eben die Pflege zu wenig als Gesundheitsberuf wahrnehmen.

00:21:02: Also die Kompetenz, die die Fachpflege hat nicht nur Tätigkeiten auszuführen, die Menschen selber gerade nicht ausführen können oder nie mehr wieder ausfüllen können sondern eben auch in der Förderung der Gesundheitskompetenz und in der Vorsorge in einem allgemeinen Wohl befinden.

00:21:21: In einem Rundumblick, wenn ich als Community Nurse in eine Familie komme zu schauen wie schotzt denn da aus dem Haushalt?

00:21:29: Wo sind Unfallgefahren beispielsweise?

00:21:31: Wenn ich die sehe und schon ansprechen kann und vielleicht sogar ausräumen kann dieses Kabel das da quer was sie immer geht spare ich einen Oberschenkelhalsbruch der bei einer hochbedarkten Frau Komplikationen führt, zu Kosten führt und die sie erst in eine massive Pflegebedürftigkeit hineinmanifriert.

00:21:50: Also wir haben ganz viele Kleinigkeiten wo man merkt dort wo dann Professionalität und Kompetenz da ist kann ganz viel bewirkt werden.

00:21:58: aber wir haben pflege so organisiert gerade wenn wir wieder an die häusliche mobilepflegedenken das für diese Leistungen die sogenannten Patientinnen oder Kunden ja selber bezahlen sollen wie Die nehmen aber den Beruf ja ganz anders wahr und bezahlen dann nur für das, was jetzt wirklich Zwingen notwendig ist.

00:22:18: Was nicht geht also die ganze Organisation auch der Pflege?

00:22:22: Und vielleicht ist das noch... Wenn Sie mir das noch erlauben, ein ganz wichtiger Einschub am Schluss.

00:22:27: Wenn wir von Pflege reden dann sind es ja jeweils ganz ganz verschiedene Sachen.

00:22:32: Wir reden von der Berufsgruppe der Pflegepersonen, der Pflegefachpersonen.

00:22:36: Das ist ein Gesundheitsberuf Der gesetzlich definiert ist mit verschiedenen Abstufen Die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflege die Pflegeassistenzberufe.

00:22:48: wenn wir von der Pflegen reden reden wir aber auch von der Langzeitpflege die organisiert werden muss von Menschen, die eben Pflege brauchen.

00:22:57: Und die Frage ist was kann man denen anbieten?

00:22:59: Welche Dienstleistungen sind damit verknüpft?

00:23:02: und das wird immer alles vermischt wenn es um Pflege geht.

00:23:04: Das macht's natürlich auch schwierig wenn man darüber spricht und sich unterhält aber auch wenn man wie ich das Gefühl... Es ist oft auch ganz bequem dass der eine gar nicht weiß wovon die andere gerade spricht.

00:23:17: Hilfe und Pflegebedürftigkeit, so wie das Sterben sind Teil des Lebens.

00:23:21: Und betreffen uns alle.

00:23:22: Das würde wahrscheinlich grundsätzlich mal jeder unterschreiben, dass das so ist.

00:23:27: aber was bedeutet der Satz für sie ganz persönlich?

00:23:31: Dann wird es nämlich meistens schwieriger wenn es ums eigene Leben geht, wenn Sie ans eigene Älter werden denken Ich

00:23:39: bin ja mittendrin, denn wir altern ja vom ersten Tag unseres Lebens an und ich bin ja auch schon in meinen fünftiger Jahren.

00:23:47: Und daher ist das natürlich ein Thema, dass einem alltäglich begegnet.

00:23:51: Und ich glaube, dass wir ja inzwischen sehr viel mehr Wissen über das Alten und auch sehr viel Wissen was wir beitragen können – das bestimmte Altersprozesse sich vielleicht verzögern lassen.

00:24:03: Man darf aber auch nie diesen eigenen Beitrag zu leisten, Gesundheitskompetenz aufzubauen.

00:24:08: Ich glaube das ist eine Eigenverantwortung die alle Menschen haben und die wir würde ich meinen als Gesellschaft schon zunehmend wahrnehmen.

00:24:16: Wir haben fast ein bisschen einen Imperativ wer nicht tunt im hohen Alter ist selber schuld.

00:24:21: also das ist etwas wo sich die Zeit extrem verändert hat auch aufbauend auf dem Wissen der Wissenschaft.

00:24:28: Aber wir würden uns selber betrügen, wenn wir glauben wollen dass wir das alles in der Hand haben und dass wir alle gefeit dann davor sind.

00:24:40: Wenn ich nur brav mich verhalte, dann passiert es mir nicht!

00:24:43: Und diese Demut gehört zum Menschsein dazu, dass niemand von uns weiß was morgen wirklich ist und dass Gesundheitsereignisse auftreten können aber auch ein Unfall geschehen sein kann wo morgen schon alles ganz anders ausschaut.

00:24:59: Und wenn man sich so wie ich jetzt wissenschaftlich viel mit dem Lebensende beschäftigt, lernt man ein Stück dieser Demut was aber auch nie bedeutet dass es einem selber dann leicht fallen würde und genau das ist wieder der Punkt wo's andere Menschen braucht ob sie in einen persönlichen Umfeld ist oder eben genau die professionelle fachliche Unterstützung Dann mit der Situation so umgehen zu können Dass man einerseits auch das Gefühl hat meine Würde bleibt gewahrt.

00:25:27: Ich bin als Mensch trotzdem noch was wert und ich kann Momente oder auch Phasen von Freude, von Leichtigkeit erleben.

00:25:36: Und das Ziel in jeder Lebenssituation zu haben ist für mich vielleicht stärker gewichtiger geworden über die Jahre.

00:25:45: Wenn Sie einen einzigen Hebel umlegen könnten, um die Pflege diesem Land nachhaltig zu verbessern, welche wäre das?

00:25:51: Das wäre dieser Hebel.

00:25:53: Sie kennen das vielleicht auch aus Matador spielen oder so, man legt einen Hebel um und dann gehen ganz viele andere.

00:26:00: Das heißt also es gibt den einen Hebl nicht und diese Erkenntnis ist ganz wichtig.

00:26:06: aber wir haben ganz viele Hebel ja?

00:26:08: Und all die ihnen Blick zu nehmen und die miteinander so zu verknoten dass wir tatsächlich mit einer Maßnahme immer auch die anderen gut im Blick haben.

00:26:18: Das ist eigentlich meine Vision.

00:26:21: Das sind die berühmten drei R's, das ist Recruit, Retain und Reform.

00:26:26: schauen, dass wir mehr Menschen für die Pflege begeistern können.

00:26:29: Insystemen kriegen sie aber dann auch im System so halten und behalten können, dass Sie da gerne sind sich weiterentwickeln können, sich gut entfalten können und das was Sie gelernt haben auch ausüben können.

00:26:44: Und dafür braucht es dritte Ehre.

00:26:46: Das ist die Reform Auch unser gesamtes Gesundheitssystem und auch durchaus gesellschaftlich solche Veränderungen in Gang zu setzen Dass eben Reformen statt finden und nicht nur auf der Ebene der einzelnen Pflegepersonen geschaut wird.

00:27:01: Sagt Sabine Bleisperger, Pflegewissenschafterin an der MED-Universität.

00:27:06: Das war ein Gespräch das vieles klarer gemacht hat und einiges an uns alle zurückgibt.

00:27:12: Der Satz – dass Pflegebedürftigkeit und Sterben uns alle betreffen – die wird in mir noch eine Zeit lang nachwirken.

00:27:18: Herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben und so offen an Ihrer Arbeit haben teilhaben lassen!

00:27:25: Ich danke Ihnen für die Einladung und diesen anregenden Austausch.

00:27:53: Mein Name ist Martin Krenik-Burger, das war Hörgang MedUni Wien für diese Woche.

00:27:58: Bleiben Sie gesund und bis zum nächsten

00:28:06: Mal!

Über diesen Podcast

Forschung, Klinik und Gesundheitspolitik im Gespräch: Hörgang, der Podcast von Springer Medizin Wien, bringt die Menschen ans Mikrofon, die Medizin gestalten und weiterdenken. Fundierte Einblicke, spannende Geschichten und Perspektiven aus erster Hand.
Das Hörgang-Team wird geleitet von Chefredakteur Martin Krenek-Burger und Johanna Wolfsberger, PhD. Für DFP-Audiofortbildung verantwortlich zeichnet Dr. Stefanie Schmellenkamp.

von und mit Springer Medizin Wien/ Martin Krenek-Burger

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