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Viren gegen resistente Keime: Die Rückkehr der Phagentherapie

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Antibiotika verlieren an Kraft. Resistenzen breiten sich aus, Therapien scheitern. Allein in Österreich sterben jedes Jahr tausende Menschen im Zusammenhang mit multiresistenten Bakterien. Die Medizin sucht Auswege – und findet einen alten Ansatz neu: die Phagentherapie.

Bakteriophagen sind Viren, die Bakterien gezielt befallen und zerstören. Entdeckt vor über hundert Jahren, gerieten sie im Westen in Vergessenheit. Heute erleben sie eine Renaissance, vor allem bei chronischen Infektionen, bei denen Antibiotika an ihre Grenzen stoßen. Phagen wirken anders: Sie dringen in die Bakterienzelle ein, vermehren sich dort und bringen sie zum Platzen. Das macht sie besonders interessant bei Keimen, die Biofilme bilden und sich so dem Zugriff klassischer Medikamente entziehen.

An der MedUni Wien wurde die Phagentherapie erstmals außerhalb einer Studie erfolgreich eingesetzt. Ein junger, lungentransplantierter Patient litt an einer chronischen Infektion mit Pseudomonas aeruginosa, resistent gegen nahezu alle verfügbaren Antibiotika. Die Kombination aus inhalativem Antibiotikum und individuell ausgewählten Phagen brachte eine deutliche Besserung – und dem Patienten ein neues Lebensgefühl.

Doch Phagen sind kein Wundermittel. Die Therapie ist aufwendig, hochgradig personalisiert und derzeit nur als individueller Heilversuch möglich. Für jeden Patienten müssen passende Phagen gefunden, getestet und mit geeigneten Antibiotika kombiniert werden. Zudem fehlen in Österreich noch eigene Phagenbanken und eine reguläre Zulassung.

Trotzdem wächst die Hoffnung. Phagen könnten Antibiotika nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen. Sie zeigen, dass medizinischer Fortschritt nicht immer neu erfunden werden muss. Manchmal reicht es, Bewährtes wieder ernst zu nehmen – und weiterzudenken.


Kommentare

by Eugen on
Wirklich interssant und spannend ...

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Über diesen Podcast

Medizinische Sendungen gehen in die Tiefe, sind aber nicht unterhaltsam. Dieses Vorurteil zu widerlegen, haben wir uns für den Hörgang vorgenommen. Nun haben wir auf Springer Medizin Österreich einen Podcast ins Leben gerufen, der sowohl aktuell als auch wissensvermittelnd sein, darüber hinaus akustisch etwas hermachen soll. Neben Experten aus Wissenschaft und Praxis werden wir auch unsere Fachredakteure, Kolumnisten und Reporter der „Ärzte Woche“ zu Wort kommen lassen.

von und mit Springer Medizin Wien/ Martin Krenek-Burger

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