Hörgang

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00:00:00: Wir haben relativ häufig einfach Patienten, bei denen wir und nur wir helfen können.

00:00:07: Und es ist tatsächlich für mich einfach enorm motivierend, Patienten ihre möglichst optimale und möglichst lange Lebensspanne zu geben.

00:00:18: Ich finde, und da kann man sicherlich drüber streiten, aber ich finde, ein Mensch sollte nicht an eine Infektionskrankheit sterben müssen.

00:00:27: Das ist einfach für mich ein behebbares Problem in den allermeisten Fällen.

00:00:34: Und eingeschränkte Lebensqualität oder sogar Tod durch einen Infekt ist für mich einfach ein nicht zu akzeptierender Umstand.

00:00:54: Durch die Behandlung mit Bakteriophagen kam es zu einer beeindruckenden Besserung der Beschwerden des Patienten.

00:01:00: Für ihn ein komplett neues Lebensgefühl.

00:01:04: Mit diesen Worten beschreibt mein heutiger Gast eine Therapie, einen medizinischen Ausnahmemoment, der für einige Patientinnen und Patienten neue Hoffnung bedeutet.

00:01:16: Willkommen zu einer neuen Folge von Hörgang MedUni Wien.

00:01:19: Wir sprechen über eine Behandlung, die vor rund oder etwas mehr als hundert Jahre erfunden wurde, fast vergessen war und nun ein Comeback in Wien erlebt.

00:01:29: Die Fagentherapie Viren gegen Bakterien.

00:01:33: Zugast ist Privatdozent Dr.

00:01:35: Matthias Fossen, Facharzt für Innere Medizin mit Aditivfach, Infektiologie und Tropmedizin an der Metone Wien und am Ackerhawin.

00:01:44: Guten Morgen.

00:01:45: Guten Morgen.

00:01:51: im Zusammenhang mit bakteriellen Antibiotika-Resistenzen.

00:01:55: Diese Resistenzen gelten oder sind eine der größten medizinischen Herausforderungen unserer Zeit.

00:02:02: Gleichzeitig rücken Therapierensätze in den Fokus, die jahrzehntelang kaum beachtet wurden.

00:02:08: Viren, die Bakterien befallen, sollen einen wichtigen Beitrag leisten, um dieses gravierende Gesundheitsproblem zu lösen.

00:02:16: Dr.

00:02:16: Fossen, was genau sind Bakteriophagen?

00:02:19: Wo sind sie zu finden und worin unterscheiden sie sich grundsätzlich von Antibiotika?

00:02:24: Bakteriophagen sind Viren, die sich ein Bakterium in der Regel sehr spezifisch ausgesucht haben, um darin zu leben, sich damit zu vermehren und einige von diesen Viren zerstören bei ihrer Reproduktion das Bakterium.

00:02:47: Prinzip natürlich ein ganz anderer Ansatz als Antibiotika.

00:02:50: Antibiotika suchen oder Antibiotika greifen ganz oft sehr spezifische Punkte im Zyklus der Zelle an, des Bakteriums an, oft Enzyme, die für die Energiegewinnung notwendig sind, Enzyme, die für die Vermehrung der bakteriellen Erbinformation notwendig sind oder auch stören die korrekte Zusammensetzung der bakteriellen Wand.

00:03:23: Das heißt, das sind einzelne Punkte, wo angesetzt wird.

00:03:28: Und da kann natürlich ein Bakterium in Anfangstrichigen relativ einfach eine Resistenz entwickeln.

00:03:37: Zum Beispiel, indem es sich gar nicht mehr abhängig macht von dem angegriffenen Eiweiß oder alternativ Wege findet und nicht zuletzt auch Wege findet, um eindringende Antibiotika sofort rauszupumpen.

00:03:54: Das ist ganz besonders.

00:03:56: Der Unterschied bei Fragen ist, dass

00:03:59: die

00:04:00: Indicelle eindringen und das im Prinzip schon sehr, sehr lange geübt haben.

00:04:06: Antibiotika sind auch Stoffe, die schon lange Zeit von Diversen Bakterien oder Pilzen erprobt wurden und sind ja auch letztlich nichts anderes als ein Weg für Bakterien, sich die biologische Nische frei zu halten von Konkurrenz.

00:04:25: Und die Fagen haben halt einen anderen Weg gefunden, die die nutzen, die Bakterien für sich.

00:04:32: Und teilweise ist das auch für die Bakterien sogar zielführend von einem Fagen befallen zu werden.

00:04:40: Dadurch, dass es da so eine kontinuierliche Co-Evolution gegeben hat und weiterhin gibt, können zwar Bakterien resistent werden und wir sehen das auch, aber es gibt natürlich schon noch die Möglichkeit für den Fagen, sich zu adaptieren und dann erst recht wieder das Bakterium anzugreifen.

00:04:57: Und der nutzt nicht nur einen Angrisspunkt letztlich.

00:05:02: Der bringt seine DNA da hinein.

00:05:05: Natürlich kann das Bakterium irgendwie den Andockpunkt.

00:05:08: für diesen Fagen modifizieren, aber oftmals ist es jetzt nicht nur eine Stelle, wo der Fager andockt.

00:05:16: Und warum erleben Fagen gerade jetzt eine Renaissance in der Infektiologie?

00:05:22: Wir haben immer wieder in der Infektiologie Momente, wo wir aufgrund von Resistenzen mit den zu diesem Zeitpunkt vorhandenen Antibiotikern nicht mehr jede Infektionskrankheit behandeln können.

00:05:38: Das war jetzt halt, ich hab das Gefühl, es wird immer enger diese Abstände.

00:05:44: Wir hatten zuletzt, ich sag mal so, im Jahr oder so um diesen Bereich herum das Problem, dass wir... Resistenzen hatten, die wir nicht mehr gut behandeln konnten, wo wir wilde Kombinationstherapien einsetzen mussten.

00:06:00: Dann kamen die neuen Beta-Lactame mit Beta-Lactamase-Inhibitoren, also moderne Zifferlosporine mit modernen Beta-Lactamase-Inhibitoren oder auch Carbapeneme mit modernen Inhibitoren, die dann das Problem wieder etwas entschärft haben.

00:06:19: Dann ging es uns wieder ein paar Jahre gut.

00:06:21: Und jetzt Erwartungsgemäß, muss man fast sagen, entstehen da halt natürlich auch Resistenzen, jedes Antibiotikum, dass man einsetzt, führt früher oder später zu Resistenzen.

00:06:32: Und ich fand das jetzt relativ schnell.

00:06:34: Also für mein Dafürhalten sind wir jetzt sehr, sehr schnell wieder bei einem Punkt angelangt, wo wir bei manchen Patienten einfach keine Therapieoptionen haben.

00:06:44: Und dann wird es natürlich interessant, alternative Modelle zu finden.

00:06:49: Und die Fagen sind Kein Ersatz für ein Antibiotikum muss man auch sagen, sondern sie ergänzen halt Antibiotika.

00:06:57: Und der Druck steigt auf die Ärzte, da sozusagen eben etwas parat zu haben, etwas bei der Hand zu haben.

00:07:05: Für welche Patientengruppen ist die Fagentherapie überhaupt interessant oder relevant?

00:07:11: Fagentherapie ist etwas sehr, sehr aufwendiges.

00:07:14: Das heißt, man kann das eigentlich zumindest in der Zeit noch nicht für akute Infektionen einsetzen.

00:07:21: Das heißt, es ist eigentlich nur interessant für chronische Infektionen.

00:07:24: Es muss eine Infektion mit einem oder vielleicht auch mal zwei Bakterien sein, die aber nicht nur schon lange besteht, sondern trotzdem auch noch weiterhin gewisse Angriffspunkte für Antibiotika bietet, weil die Wagen alleine eben nicht funktionieren.

00:07:45: Man braucht immer ein begleitender Antibiotikatherapie.

00:07:48: Das ist auch etwas, was lange Zeit ... falsch gemacht wurde, wurde immer darauf gesetzt, dass man nur Fragen gibt, kein begleitendes Antibiotikum, das funktioniert dann halt nicht.

00:07:58: Und das heißt, das selektiert schon das Patienten gut sehr, sehr weit runter.

00:08:06: Zusätzlich haben wir bei Weitem nicht für jede Spektarium einen Fragen verfügbar, sodass wir ganz, ganz vielen Menschen schon direkt zu Beginn bei ihrer Anfrage sagen müssen, Ja, es tut uns leid, aber wir können derweil nichts für Sie tun.

00:08:25: Das hat sich also auch mit Wagentherapie nicht geändert und dieser Selektionsprozess ist sehr, sehr rigoros.

00:08:32: Es ist eine nicht zugelassene Therapie.

00:08:36: Das heißt, letztlich die Verantwortung tragen wir, wenn etwas schiefgehen sollte.

00:08:41: Dementsprechend muss man natürlich auch da schauen, dass die Zusammenarbeit mit dem Patienten gut läuft.

00:08:48: Durch ein komplexer Vorgang, was macht diese Therapie medizinisch trotzdem so attraktiv?

00:08:54: Sie haben es jetzt eh schon angerissen.

00:08:55: Einfach der Druck, das Elektionsdruck der Große, die Co-Evolution zwischen Bakterien und Antibiotika und auch Fagen.

00:09:04: Ja, ich nehme an.

00:09:06: Das ist ein Punkt.

00:09:07: und ein zweiter Punkt ist auch, dass man gerade bei chronischen Infektionen die Hoffnung hat, dass man mit Fagen besser etablierte.

00:09:17: Bakterielle Kolonien, sogenannte Biofilme behandeln kann.

00:09:22: Biofilme waren lange Zeit überhaupt kein Thema.

00:09:25: Dann hat man herausgefunden, dass sich Bakterien gerade auf Fremdkörpern sehr gerne in Communities organisieren, die für Antibiotika sehr, sehr schlecht angreifbar sind.

00:09:37: Und inzwischen gibt es halt auch... Immer mehr wissen darüber, dass Biofilme auch bei in Anführungsstrichen normalen Infektionen im Gewebe eine große Rolle spielen.

00:09:49: Je länger ein Infekt besteht, desto ausgereift als ein Biofilmen.

00:09:54: Es gibt das Antibiotika, die haben diesen Nimbus des Biofilmbrechenden.

00:09:58: Die heißen auch dann entsprechend oder werden so gehandelt sozusagen als Biofilmbrecher.

00:10:04: Aber ... Einen echten Biofilmbrecher gibt es bei den Antibiotikern nicht.

00:10:10: Wir können sich etablierende Biofilme inhibieren, aber einen ausgereiften Biofilm abzubauen mit einem Antibiotikum ist, gelinde gesagt, sehr, sehr schwierig zumindest.

00:10:24: Insofern ist natürlich gerade bei Patienten, die chronische Infekte haben, wo schon sehr viele Therapiefersuche gelaufen sind, wo es in Anfungsstrichen nicht weitergeht.

00:10:36: sehr reizvoll eine zusätzliche Option zu wählen.

00:10:40: Früher haben wir, auch heute, wir machen oft Kombinationstherapien mit verschiedenen Antibiotika und letztlich ist es halt auch eine Art einer Kombinationstherapie, mir jetzt mit einem Fagen dazu zu gehen.

00:10:52: und dadurch, dass man einen komplett anderen Angriffsmechanismus hat und die Fagen, die Bakteriellen zählen, ja.

00:11:00: auch unprogrammieren können, auch schlafende Bakterien quasi befallen können, hat man da bessere Chancen einen Biofilm anzugreifen.

00:11:10: Andererseits sind Fagen sehr viel größer als Antibiotika, so dass man natürlich nicht rein penetriert in den tiefliegenden Biofilmen.

00:11:19: Das heißt, es ist trotzdem keine Gmatwiesen.

00:11:24: Kein Wundermittel.

00:11:25: Kein Wundermittel, bei weitem nicht.

00:11:27: Und das ist halt auch oft ein Problem bei Patientenanfragen.

00:11:31: Also es wird ... Wagentherapie kursiert ja schon sehr, sehr lange.

00:11:36: In den Köpfen wird seit der initialen Entdeckung im Ostblock, vor allem Georgien, kontinuierlich eingesetzt.

00:11:45: Die haben sehr wenig in der westlichen Literatur publiziert, aber in alten Sovietjournalen und so wurde das schon publiziert.

00:11:53: Das war nur den westlichen Forschern nie zugänglich.

00:11:58: Die haben so ein bisschen den Nimbus, dass man alles behandeln kann.

00:12:01: Sie setzen Cocktails ein, müssen dem eigenen Vernehmen nach den Keim auch nicht unbedingt kennen, den sie angreifen.

00:12:10: Bei unserem Therapieansatz ist es so, dass wir wirklich ganz gezielt auf diesen einen Keim gehen müssen.

00:12:17: Und deswegen müssen wir den Keim halt auch in der Hand haben.

00:12:19: Wir müssen dessen Haaphaft werden.

00:12:21: Und das ist aber die Anfragen, die kommen, erfüllen diese Kriterien ganz oft einfach nicht.

00:12:27: Entscheidend für jede Theorie natürlich.

00:12:30: Jeden neuen Ansatz ist, ob er sich im klinischen Alltag bewährt.

00:12:33: An der MedUni Wien wurde jetzt die Fagentherapie erstmals außerhalb einer Studie erfolgreich angewandt.

00:12:40: Sie waren da maßgeblich beteiligt.

00:12:42: Können Sie den konkreten Fall dieses lungentransplantierten Patienten beschreiben?

00:12:47: Das ist ein junger Patient, der grundenotistischen Fibroselungentransplantiert werden musste.

00:12:55: zunehmende Atemverschlechterung hatte durch einen, insbesondere durch einen Keim, durch Pseudomonas Eroginosa.

00:13:05: Dieser Keim bildet halt wahnsinnig gerne Biofemme und hat halt auch bei diesen Patienten in der Lunge einen Bakterienrasen ausgebildet, der ihm diesatmen schwer gehabt hat.

00:13:18: Dieser Keim produziert gerne einen ganz zähflüssigen Schleim, der auch ganz schwer abzuhusten ist.

00:13:25: Und das ist nicht unbedingt ungewöhnlich, gerade bei Patienten mit zystischer Fibrose, die auch nach Transplantationen.

00:13:34: Deswegen haben die sehr oft dann Antibiotika, die sie inhalieren.

00:13:38: Aber bei diesen Patienten konnte man dem Pseudomonas damit nicht mehr ausreichend beikommen.

00:13:45: Und dann haben wir eine Kombination gegeben aus einem inhalativen Antibiotikum plus einem Fark oder einem Fagen Cocktail, muss man fast fragen.

00:13:56: Es waren drei verschiedene Fragen, die er da eingeatmet hat.

00:13:59: Das war auch für uns insofern ein guter Erstpatient, ein guter Einstiegspunkt, weil es halt eine topische Therapie war.

00:14:09: zuvor auch immer wieder Fagentherapien vorbereitet bei Patienten, aber sie sind nie zur Anwendung gekommen, auch weil der Vorbereitungsprozess so lang war, auch weil es dann oft systemische Indikationen waren, wo man es über die Blutstrombahn hätte geben müssen.

00:14:27: Und das ist natürlich etwas, wo man noch ein bisschen vorsichtiger ist.

00:14:31: Erstens.

00:14:31: Zweitens kommt es auch, wenn man systemisch über die Blutstrombahn gibt, schneller zur Resistenzausbildung, nicht unbedingt das behandelten Keim, sondern das Gesamtorganismus.

00:14:43: Denn wenn es einmal im Blut ist, wird es schon auch als Fremd, Eiweiß vom Körper erkannt.

00:14:50: Und es werden Antikörper gegen die Fahre gebildet.

00:14:52: Das heißt, der Körper entwickelt neutralisierende Antikörper gegen das, was ihm eigentlich helfen soll.

00:14:59: Das ist halt bei der topischen Anwendung, also bei der Anwendung in der Lunge oder in einem Operationsareal viel weniger der Fall.

00:15:08: Deswegen war das eigentlich ein sehr guter Einstiegspunkt.

00:15:13: Der zweite Vorteil war, dass das ein ganz junger, sehr zuverlässiger Patient war, der das dann auch sehr konsequent durchgezogen hat, was für einen Riesenaufwand im täglichen Leben war.

00:15:25: Der hat also eigentlich den ganzen Tag durch inhaliert.

00:15:29: Das ist viermal täglich zwei Inhalationen.

00:15:32: Der ist voll arbeitstätig.

00:15:33: Wir wollten aber nicht, dass er im Sozialraum oder irgendwo inhaliert, wo andere Menschen, wo seine Mitarbeitenden in Kontakt mit dem Fahrer kommen.

00:15:43: Das heißt, er hat sich dann oft ins Auto zurückgezogen und solche Dinge.

00:15:47: Und es war für ihn auch gar nicht so einfach, dass ins tägliche Leben unterzubringen.

00:15:50: Das dauert ja lange.

00:15:51: Der hat drei Monate daher herum inhaliert.

00:15:54: Wie aufwendig war es, hier sind passende Fragen für diesen konkreten Chem bei diesen Patienten zu finden?

00:16:01: Ja, man muss sagen, wir setzen hier ja, wir haben eigentlich noch nicht die Möglichkeit, Fagen für den Patienten Gebrauch, bei uns zu selektionieren, aufzureinigen und dem Patienten zur Verfügung zu stellen.

00:16:17: Das heißt, für uns ist dieser Prozess relativ einfach.

00:16:20: Wir brauchen quasi nur sozusagen das Isolat und wir sprechen uns dann mit den Kollegen in Brüssel ab.

00:16:30: Wir stellen die Isolate zur Verfügung und sehr, sehr viele zusätzliche Informationen und dann selektionieren die einen passenden Fagen bzw.

00:16:41: mehrere passende Fagen.

00:16:43: Man muss aber auch sagen, es war jetzt da auch für die Brüsseler Kollegen nicht super aufwendig.

00:16:53: Die haben das quasi den Fagen aus ihrer Fagenbank rausnehmen können.

00:16:59: Oftmals macht man dann noch.

00:17:01: Trainingsruns und dann passt den Fagen an.

00:17:05: Wenn ich mich recht erinnere, war das in dem Fall nicht einmal notwendig.

00:17:09: Das war für die Brüsseler relativ straight forward.

00:17:13: Für uns war es neu.

00:17:15: Also die Kooperation mit der Fagenbank in Brüssel, das ist, ich nehme an, Universität angesiedelt.

00:17:22: Gar nicht so sehr.

00:17:23: Nein, das ist das Militärspital in Brüssel.

00:17:29: hat also nichts mit der Universität zu tun.

00:17:33: Es gibt aber nicht sehr viele, die Fagen zur Verfügung stellen, die so viel Erfahrung haben.

00:17:40: Es gibt einige Kooperationen auch in Europa.

00:17:44: Es kommen immer mehr Firmen, die das auch durchführen.

00:17:48: Aber als wir angefangen haben, das ist ja auch schon etliche Jahre her, waren die Brüsseler so die einzigen... mit denen man wirklich gut zusammenarbeiten konnte.

00:18:01: Ein einzelner Erfolg ist, über den berichtet wird, ist noch kein Durchbruch, kein Medizinischer.

00:18:07: Er eröffnet aber neue Perspektiven.

00:18:10: Herr Dr.

00:18:10: Fossenbusch, stehen wir aktuell in Österreich in Bezug auf die Fagentherapie?

00:18:15: Ganz allgemein.

00:18:16: Ja, es ist noch ein ganz, ganz weiter Weg.

00:18:18: Wie gesagt, wir haben immer noch keine eigene Fagenbank.

00:18:22: Wir sind Fagenforschend unterwegs.

00:18:26: Aber die regulatorischen Voraussetzungen sind massiv.

00:18:33: Es ist überhaupt nicht so, dass die Behörde uns im Weg stehen würde.

00:18:39: Im Gegenteil, die wären sehr unterstützend.

00:18:42: Aber das Regulatorium ist das Regulatorium.

00:18:45: Und das bedeutet letztlich, dass wir Arzneimittel und darunter Feldes im letzten Sinne nach good manufacturing practice herstellen müssen.

00:18:56: Und dafür braucht man eigene Produktionsflächen.

00:19:02: und diesen Prozess so zu etablierend umzusetzen, dass das auch wirklich funktioniert, ist extrem aufwendig.

00:19:11: Und wir haben Kollegen, die jetzt auf der Blutbank, die Cartyseltherapien, selber herstellen, wobei man sagen muss, das ist ein geschlossenes System.

00:19:24: Für Fagen gibt es so etwas nicht.

00:19:27: Das heißt, da muss man seinen eigenen Produktionsweg aufbauen, Schnittstellen hier und dort.

00:19:34: Und das ist noch einmal aufwendiger.

00:19:37: Und selbst für die sehr routinierten Kollegen von der Blutbank war das die GMP-Zertifizierung ein enormer, auch administrativer Aufwand.

00:19:49: Das heißt, die Zulassungsfrage, die regulatorische Hürde ist die größte für die Fagentherapie?

00:19:56: Letztlich schon, ja.

00:19:57: Also wir können natürlich Fagentherapie als individuellen Heilversuch einsetzen.

00:20:04: Da haben wir in Österreich wirklich großes Glück, dass wir dieses Tool des individuellen Heilversuches haben.

00:20:10: Aber wenn man das in klinischen Studien untersuchen möchte, wenn man es Richtung tatsächlich Zulassung bringen möchte, ist das ein ganz anderer Aufwand und eine ganz andere Geschichte, lassen wir Meilenweit entfernt.

00:20:27: Auf welchen Gebieten wird am intensivsten geforscht?

00:20:30: Ich denke, etwa Neurodermitis, vielleicht chronische Wunden, könnte auch ein Thema sein.

00:20:35: Neurodermitis wurde von den Dermatologen intensiv beforst in der Hoffnung, dass man auch Fragen identifizieren kann, die dort helfen, die vielleicht sowieso bei Patienten vorhanden sind, die keinen Neurodermitis haben, aber nicht bei Patienten vorhanden sind, die Neurodermitis haben oder umgekehrt fragen können, ja, wenn sie nicht lütisch sind, auch Virulenzfaktoren übertragen können, Resistenzfaktoren übertragen können ja auch gegen uns arbeiten.

00:21:08: Das macht das Ganze übrigens auch noch komplizierter nebenbei gesagt.

00:21:11: Und soweit ich weiß, ist man dabei jetzt schon wieder zwei Schritte zurück in die Grundlagenforschung gegangen und hat jetzt eigentlich nicht diesen ursprünglichen Ansatz weiterverfolgen können, dass man da wirklich in Richtung klinischer Nutzbarkeit gehen kann.

00:21:31: Und das ist halt auch sehr, sehr typisch.

00:21:35: Es ist extrem komplex.

00:21:38: Wir sind jetzt zusammen mit den Kollegen von der Dermatologie eher wieder Richtung Grundlagenforschung.

00:21:45: Wir haben ein Projekt, wo wir den Einfluss von Fagen auf krampositive Infektionen uns anschauen und das über alle Ebenen hinweg.

00:21:58: von der molekularbiologischen Ebene bis hin zur klinischen Ebene haben wir mehrere Einzelprojekte, die halt unter einem großen Schirm laufen.

00:22:07: Aber da ist man ganz, ganz weit entfernt von einer klinisch-therapeutischen Anwendung.

00:22:12: Glauben Sie dennoch, dass Fagen in Zukunft Antibiotika ergänzen oder vielleicht auch ersetzen können?

00:22:17: Ich glaube schon.

00:22:18: Es wird allerdings noch lange dauern.

00:22:20: Also ein bisschen ist es mit den Fagen wie mit den Energieausfusionsreaktoren.

00:22:27: In den nächsten zehn Jahren werden wir es schaffen und das hören wir seit den fünftiger Jahren.

00:22:32: Und ein bisschen ist es für uns mit den Fagen auch so.

00:22:39: Ich interessiere mich schon sehr lange dafür.

00:22:41: Es gibt Kollegen, die sich noch viel länger interessieren, die noch viel intensiver sich damit beschäftigt haben.

00:22:47: Es bleibt ganz oft in der theoretischen Gedankenwelt stecken, das wirklich dann auf die Straße zu bringen, ist immer noch ein weiter Weg vor allem, weil wir ja überzeugt sind, dass nur eine personalisierte Fagentherapie Erfolg versprechen ist.

00:23:05: Das macht aber alle Ansätze mit Fagenbibliotheken schon sehr, sehr schwierig.

00:23:12: viel einfacher, wenn man einen Fagencocktail haben könnte.

00:23:16: Den produziert man nach GMP immer gleich und verkauft ihn quasi wie ein Antibiotikum.

00:23:22: Und die Apotheken haben das im Schrank stehen.

00:23:26: Und wenn ein Patient erkrankt, dann kriegt er das und wie ein Antibiotikum.

00:23:33: Das funktioniert aber unseres Erachtens bei Fagen nicht.

00:23:35: Fagen müssen wirklich sehr gezielt.

00:23:38: auf den Erreger ausgewählt werden, den der Patient hat.

00:23:43: Und man muss auch wirklich schauen, ob dieser Frage diesen Klon des Bakteriums, das der Patient hat, effektiv angreift.

00:23:53: Wir bzw.

00:23:56: die Brüsseler machen da sogenannte Time Kill Curves, wo wir uns wirklich anschauen, funktioniert das.

00:24:02: Weil es ist eben nicht so, dass man sagt, dieser Frage tötet dieses Bakterium aus.

00:24:07: Vielleicht ein bisschen oft Topik, aber wie kommuniziert man das den Patienten?

00:24:10: Bei der Fagentherapie gar nicht.

00:24:12: Also wir sind da ganz offen von Anfang an.

00:24:17: Wir sagen dem Patienten, wir müssen schauen, ob es einen Fagen gibt, der für ihre Erkrankung funktioniert.

00:24:25: Und tatsächlich bräuchten wir nicht nur einen, sondern wir brauchen zwei oder drei.

00:24:30: Wir brauchen ein Antibiotikum, das sich gut mit diesen Fagen.

00:24:34: Das ist dann nämlich der nächste Schritt.

00:24:36: Man braucht also ein Antibiotikum, das den Keim angreift, auf das er noch empfindlich ist und das dann auch zusammen mit den wirksamen und ausgewählten Fagen gut zusammenspielt.

00:24:49: Also da wird dann ja auch noch einmal eine Testung gemacht, ob die sich vertragen und ob man damit dann noch wirklich einen synergistischen Effekt hat, also einen zusammenarbeitenden Effekt.

00:25:02: Und das muss man einfach mit dem Patienten jeden Schritt des Weges gehen.

00:25:08: Und von Anfang an ist klar, dass es immer nur ein individueller Heilversuch ist und dass das natürlich auch überhaupt nicht funktionieren kann und umstellen.

00:25:21: Wir sind zu Gast bei Dr.

00:25:22: Matthias Fossen auf der MedUneVine.

00:25:26: Hinter jeder medizinischen Innovation stehen Menschen, die sich mit Ausdauer und Neugier ihrem Fach verschrieben haben.

00:25:33: Was hat sie persönlich zur Infektiologie geführt?

00:25:38: Ja, das war eigentlich relativ klassisch.

00:25:41: Einerseits ist mein Vater ein Truppenmediziner gewesen, hat Entwicklungshilfe gemacht.

00:25:49: Das hat mich natürlich sicherlich auch schon geprägt in einer gewissen Weise.

00:25:55: Und dann gab es einfach einen Professor, der Harald Nödel.

00:26:00: der während des Studiums beeindruckende Vorlesungen gehalten hat und mich zur Truppenmedizin gebracht hat.

00:26:08: Ich habe dann beim Professor Nödel eine ganze Weile als studentischer Mitarbeiter gearbeitet und da war es dann eigentlich auch schon um mich geschehen.

00:26:19: Ich habe nur für mich dann die Entscheidung getroffen, dass ich näher am Patienten arbeiten möchte, nicht exklusiv forschend arbeiten möchte und mich ein bisschen breiter aufstellen möchte als nur Truppenmedizin.

00:26:35: Und so bin ich dann eigentlich hier auf die Klinik zum Professor Kraninger gekommen und habe eben die die Ausbildung zum Internisten und zum Infektionologen und Truppenmediziner dann gemacht.

00:26:49: Und was motiviert Sie im klinischen Alltag am meisten?

00:26:52: Es ist sehr herausfordernd komplexe Infektionskrankheiten zu diagnostizieren und auch zu behandeln.

00:27:01: Wir haben relativ häufig einfach Patienten, bei denen wir und nur wir helfen können.

00:27:08: Und es ist tatsächlich für mich einfach enorm motivierend, Patienten ihre möglichst optimale und möglichst lange Lebensspanne zu geben.

00:27:21: Und da kann man sicherlich drüber streiten, aber ich finde, ein Mensch sollte nicht an eine Infektionskrankheit sterben müssen.

00:27:28: Das ist einfach für mich ein behebbares Problem in den allermeisten Fällen.

00:27:35: Und eingeschränkte Lebensqualität oder sogar Tod durch einen Infekt ist für mich einfach ein nicht so akzeptierender Umstand.

00:27:46: Und was die Fagentherapie schon zeigt, ist, dass nützlicher Fortschritt, medizinischer Fortschritt, nicht immer etwas völlig Neues sein muss.

00:27:54: Manchmal liegt die Zukunft auch in der Wiederentdeckung alter Ideen.

00:27:58: Herr Doktor Fossen, vielen Dank für das Gespräch und Ihre Zeit.

00:28:00: Ich danke.

00:28:01: Und danke Ihnen fürs Zuhören.

00:28:03: Bis zur nächsten Folge des Hörgang Metro in Wien.

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00:28:12: Oder hinterlassen Sie uns eine Bewertung.

00:28:14: Wir schätzen Ihre Unterstützung

00:28:22: sehr.

Über diesen Podcast

Medizinische Sendungen gehen in die Tiefe, sind aber nicht unterhaltsam. Dieses Vorurteil zu widerlegen, haben wir uns für den Hörgang vorgenommen. Nun haben wir auf Springer Medizin Österreich einen Podcast ins Leben gerufen, der sowohl aktuell als auch wissensvermittelnd sein, darüber hinaus akustisch etwas hermachen soll. Neben Experten aus Wissenschaft und Praxis werden wir auch unsere Fachredakteure, Kolumnisten und Reporter der „Ärzte Woche“ zu Wort kommen lassen.

von und mit Springer Medizin Wien/ Martin Krenek-Burger

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