Hörgang

Hörgang

Forscher in Laufschuhen

Audio herunterladen: MP3

Dr. Matthias Farlik, Immunologe an der MedUni Wien, forscht laufend. Derzeit erforscht er das Immunsystem. Er fragt sich, was das Immunsystem tut, wenn keine unmittelbare Bedrohung besteht, und warum die Zellen dennoch wachsam bleiben. Seine Studien zeigen, dass Immunzellen selbst im Ruhezustand Signale aus dem Gewebe verarbeiten. Dieser biologische Stand-by-Modus kann bei Störungen schwerwiegende Folgen haben.

Farlik denkt über solche Fragen nach, während er läuft. Am 4. Oktober nimmt er am Krebsforschungslauf teil. Ob er läuft oder geht, ist noch offen. Jede Runde zählt, um das Ziel von 30.000 Meilen (über 45.000 Kilometer) zu erreichen und weitere Forschung zu ermöglichen. Teilnehmer können auch remote mitmachen.

Laufen bringt Bewegung in die Gedanken und kann der erste Schritt zu heilenden Ideen sein.

Happy Aging statt Anti-Aging: So bleibt das Alter lebenswert

Audio herunterladen: MP3

Alt werden will jeder, alt sein aber keiner. Der berühmte Satz des Dramatikers Johann Nepomuk Nestroy bringt es auf den Punkt. Denn Altern ist unausweichlich – aber wie wir altern, das haben wir zu einem großen Teil selbst in der Hand. Genau darüber sprechen die Molekularbiologin Corina Madreiter-Sokolowski von der Med Uni Graz und die Allgemeinmedizinerin Kristina Hütter-Klepp im Podcast Hörgang. Ihr gemeinsames Buch „Der Code zum Jungbleiben“ liefert spannende Einblicke in die Wissenschaft vom erfolgreichen Altern – und räumt mit vielen Mythen auf.

Dabei geht es nicht um das ewig junge Aussehen à la Anti-Aging, sondern um etwas viel Wertvolleres: Happy Aging. Also darum, möglichst lange gesund, fit und zufrieden zu leben.

Gene oder Lebensstil – was zählt mehr?

Oft wird Altern als Schicksal angesehen, das in den Genen liegt. Doch die Forschung zeigt: Nur rund 10–30 Prozent unseres Alterungsprozesses sind tatsächlich genetisch bestimmt. Der weitaus größere Einfluss liegt in unserem Lebensstil – in Bewegung, Ernährung, Schlaf, Stressbewältigung und im bewussten Umgang mit Genussmitteln. Wer regelmäßig Sport treibt, sich ausgewogen ernährt und auf ausreichend Erholung achtet, kann seine „gesunde Lebensspanne“ entscheidend verlängern.

Was in unseren Zellen passiert

Die Wissenschaft weiß inzwischen erstaunlich viel über die Mechanismen des Alterns: Verkürzte Telomere an den Chromosomenenden, „Zombiezellen“, die sich nicht mehr teilen, oder geschädigte Mitochondrien, die weniger Energie liefern. All das schwächt Gewebe und Organe – und macht den Weg frei für typische Alterskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes, Osteoporose oder Demenz. Trotzdem gibt es auch gute Nachrichten: Viele dieser Prozesse lassen sich durch einen gesunden Lebensstil zumindest verzögern.

Frauen, Männer und das Altern

Spannend sind auch die geschlechtsspezifischen Unterschiede. Frauen leben im Durchschnitt länger, verbringen aber mehr Jahre in schlechter Gesundheit. Männer dagegen haben ein riskanteres Verhalten – und gehen oft später zum Arzt. Ein „Gender-Health-Gap“, der dringend mehr Aufmerksamkeit verdient.

Trend oder Täuschung?

Social Media ist voll von Wundermitteln: Pulverchen, Supplements und Infusionen, die ewige Jugend versprechen. Doch die Expertinnen warnen: Viele Präparate sind nicht ausreichend untersucht, manche sogar riskant. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich an wissenschaftlich fundierte Daten und ärztlichen Rat halten. Sinnvoll können Nahrungsergänzungsmittel nur in bestimmten Lebenssituationen sein – etwa bei nachgewiesenem Vitamin-D-Mangel, in der Schwangerschaft oder bei veganer Ernährung.

Fazit: Altern ist gestaltbar

Ewig jung werden wir nicht. Aber wir können viel dafür tun, dass wir alt werden, ohne alt zu wirken – körperlich, geistig und seelisch. Entscheidend sind Bewegung, Ernährung, geistige Aktivität, soziale Bindungen und persönliche Ziele. Denn wer auch mit 80 noch voller Pläne ist, erlebt Altern nicht als Abstieg, sondern als erfüllte Lebenszeit.

Spital ohne Patienten: Die neue MedUni Wien

Audio herunterladen: MP3

Wie sieht eine Medizin aus, die ohne Patientinnen und Patienten auskommt?
Für Markus Müller, den visionären Rektor der MedUni Wien, ist diese Vorstellung keine Abkehr vom Menschen, sondern eine bahnbrechende Vision: Eine Medizin, die so fortschrittlich ist, dass sie Krankheiten verhindert, bevor sie überhaupt entstehen. Eine Medizin, die nicht nur repariert, sondern proaktiv vorsorgt.

Diese zukunftsweisende Idee manifestiert sich im größten Bauprogramm der Universität seit Jahrzehnten: Vier neue Zentren werden errichtet – vom Grundlagenforschungs-Campus bis hin zur translationalen Spitzenmedizin. Diese Zentren sollen Forschung, Lehre und Versorgung nahtlos miteinander verknüpfen.

Das ehrgeizige Ziel ist ein integrierter Standort, der internationale Talente anzieht und die Gesundheitsversorgung der Zukunft maßgeblich mitgestaltet. Wien strebt damit nicht nur an, den Anschluss zu halten, sondern als Vorreiter zu glänzen. Präzise, digital, präventiv – eine Medizin, die nicht erst am Krankenbett beginnt, sondern im Alltag der Gesunden verankert ist.

https://bauprojekte.meduniwien.ac.at

https://bauprojekte.meduniwien.ac.at/stories/stadtspaziergang-mit-rektor-markus-mueller/

https://www.meduniwien.ac.at/web/ueber-uns/strategie-und-vision/

Warum KI den Weg zu passgenauen Rheuma-Therapien ebnet

Audio herunterladen: MP3

Rheumatologie mit Turbo: Michael Bonelli über die Medizin von morgen

Michael Bonelli treibt an der MedUni Wien ein Ziel voran, das so ambitioniert wie dringend ist: Autoimmunerkrankungen besser verstehen und behandeln. Als Leiter der Clinical and Translational Science Unit will er die Brücke schlagen zwischen Labor und Klinik – und damit den klassischen „Trial-and-Error“-Ansatz in der Rheumatologie ablösen.

„Wir wollen den dominanten entzündungstreibenden Prozess erkennen und gezielt behandeln“, sagt Bonelli. Anstatt erst nach einer Diagnose Medikamente auszuprobieren, soll künftig das individuelle Krankheitsmuster den Ausschlag geben. Personalisierte Medizin also, die über Fachgrenzen hinaus denkt und Erkenntnisse aus Immunologie, Dermatologie oder Gastroenterologie einbindet.

Dafür setzt Bonelli auf modernste Methoden. Mit Hochdurchsatzmikroskopie und künstlicher Intelligenz lassen sich riesige Bilddatensätze analysieren. So können Forscherinnen vorhersagen, welches Medikament bei welchem Patienten wirkt – und das binnen weniger Tage. Ein echter Paradigmenwechsel, der den mühsamen Therapiewechsel über Monate überflüssig machen könnte.

Auch zelluläre Therapien stehen im Fokus. CAR-T-Zellen, aus der Onkologie bekannt, könnten Autoimmunerkrankungen eines Tages sogar zum Stillstand bringen. Erste Behandlungen am AKH Wien laufen bereits. „Zum ersten Mal sehen wir einen Hoffnungsschimmer, dass sich das Immunsystem nachhaltig resetten lässt“, sagt Bonelli.

Neben der Forschung liegt ihm die Ausbildung des Nachwuchses am Herzen. Denn die nächsten zehn Jahre versprechen rasante Entwicklungen: Prävention, noch bevor Symptome auftreten, und Therapien, die nicht nur lindern, sondern heilen könnten.

Bonellis Arbeit zeigt, wie eng Fortschritt und Zusammenarbeit verknüpft sind. Nationale und internationale Netzwerke, Kooperationen mit der Industrie und der Mut, neue Technologien einzusetzen – all das beschleunigt die Translation von Wissen in konkrete Behandlungen. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das vor allem eines: mehr Hoffnung auf ein Leben ohne Schmerzen.

Gesund, aber besorgt: Was der Austrian Health Report 2025 über Österreichs Vertrauen in Medizin und Versorgung zeigt

Audio herunterladen: MP3

Wie gesund fühlt sich Österreich im Jahr 2025? Der neue Austrian Health Report gibt Antworten – und sie fallen gemischt aus. Zwei Drittel der Menschen sagen zwar, es geht ihnen gut, doch das Vertrauen in das Gesundheitssystem sinkt spürbar. Lange Wartezeiten, Personalmangel und die Sorge, dass gute Versorgung zunehmend eine Geldfrage wird, drücken auf die Stimmung.

Besonders brisant: 64 Prozent der Befragten befürchten Engpässe bei Medikamenten – mehr noch als bei Energie oder Wasser. Expertinnen und Experten warnen, dass Europas Abhängigkeit von Importen aus Asien die Versorgung verwundbar macht.

In dieser Folge spricht Martin Krenek-Burger mit Forschern, Industriekapitänen und Sicherheitsexperten über die Ergebnisse des Reports, die Zukunft der Medikamentenproduktion und darüber, wie Österreich und Europa unabhängiger von Herstellerländern wie Indien und China werden können.

So klang Freud - Die Stimme des Begründers der Psychoanalyse

Audio herunterladen: MP3

In dieser Folge spielen wir die einzigen existierende Tonaufnahme von Sigmund Freud in deutscher und englischer Sprache ab und erläutern die Geschichte hinter diesen Tondokumenten. Die Stimme des Begründers der Psychoanalyse wurde nur einmal aufgezeichnet – 1938, kurz nach seiner Flucht aus Wien. Gemeinsam mit Johannes Kapeller von der Österreichischen Mediathek entdecke ich die Hintergründe, die zur Entstehung des Mitschnitts führten und erfahre, was die Stimme des berühmten Arztes noch alles erzählt, das nicht gesagt wird.

Sommer, Sonne, Hautkrebs?

Audio herunterladen: MP3

Wie kann man Hautkrebs früh erkennen, wirksam behandeln – und im besten Fall verhindern? In dieser Folge spricht Prof. Dr. Christoph Höller über die häufigsten Formen von Hautkrebs, woran man gefährliche Veränderungen erkennt und wie richtige Vorsorge funktioniert.
Außerdem: eine medizinische Innovation mit Zukunft – ein genetisch verändertes Herpesvirus, das Tumorzellen zerstört und das Immunsystem anfeuert. Ein Gespräch voller Wissen, Präventionstipps und spannender Forschungsergebnisse.

Operation Zukunft: Wie nachhaltige Herzchirurgie Leben in Afrika rettet

Audio herunterladen: MP3

Rund 40 Millionen Menschen weltweit leiden an rheumatischem Fieber – mehr als an HIV. Doch diese Krankheit wäre vermeidbar, behandelbar – und oft heilbar. Genau hier setzt die internationale Organisation Cardiac Surgery Inter-Society Alliance (CSIA) an. Herzchirurg Prof. Bruno Podesser, Vizepräsident der CSIA, erklärt im Podcast, wie durch nachhaltige chirurgische Mentorenprogramme in Ländern wie Mosambik oder Ruanda medizinische Eigenständigkeit geschaffen wird.

Statt kurzfristiger "Fly-in-Missionen" begleitet die CSIA lokale Ärzteteams langfristig, etwa durch Trainings, Fellowships und monatliche Fallbesprechungen im „Heart Team“. Ziel ist es, nicht nur zu operieren, sondern Know-how zu hinterlassen – etwa wie bei der ersten Doppel-OP an einem Tag im Spital von Maputo oder der erfolgreichen Ausbildung in komplexen Techniken wie der modifizierten Pental-Operation.

Doch dafür braucht es mehr als Zeit: Equipment, Logistik, Schulungen für das gesamte OP-Team – bis hin zur Bedienung der Herz-Lungen-Maschine. Die CSIA agiert dabei als Brückenbauer zwischen Mentor- und Menteekrankenhäusern, unterstützt von großen Fachgesellschaften.

2026 sollen zwei weitere Länder in Afrika hinzukommen. Wer spenden möchte, findet die Infos in den Shownotes. Und wer glaubt, Zeit sei keine Währung – dem beweist die CSIA das Gegenteil.

🎧 Jetzt reinhören und mithelfen, Herz für Herz.

Krebs in der Familie – Zufall oder vererbtes Risiko?

Audio herunterladen: MP3

Wenn in einer Familie plötzlich mehrere Menschen früh an Krebs erkranken, stellt sich schnell die Frage: Ist das noch Schicksal – oder liegt es in den Genen? In dieser Hörgang-Episode spricht Medizinjournalistin Johanna Wolfsberger mit Prof. Dr. Jochen Geigl, einem der führenden Experten für erbliche Tumorerkrankungen in Österreich. Er erklärt, warum junge, gesunde Frauen zur genetischen Beratung kommen, was hinter Begriffen wie BRCA, Lynch-Syndrom und Penetranz steckt – und wie moderne Genanalysen Leben retten können.

Sisi und der Herzstich – Medizin trifft Geschichte

Audio herunterladen: MP3

Ein Mord. Ein Herzstich. Eine Autopsie. In dieser besonderen Sommerfolge begeben wir uns mit Pathologie-Professor Dr. Roland Sedivy und dem Chefredakteur der Ärztewoche, Raoul Mazhar, an einen der geschichtsträchtigsten Orte Wiens: die Kapuzinergruft. Dort, wo Kaiserin Elisabeth – besser bekannt als Sisi – ihre letzte Ruhe fand, wird der gewaltsame Tod der Monarchin neu aufgerollt – aus pathologischer, historischer und menschlicher Sicht.
Was geschah wirklich am Quai du Mont-Blanc in Genf, als der Anarchist Luigi Lucheni seine improvisierte Waffe zückte? Wie konnte ein einziger, kaum sichtbarer Stich eine Kaiserin töten? Warum ließ sich Franz Joseph gegen den Habsburgerbrauch auf eine Teilobduktion ein – und was verraten uns die erhaltenen Protokolle über Sisis Gesundheitszustand?
Sedivy rekonstruiert die Verletzung, erklärt die tödliche Herzbeuteltamponade und schildert eindrucksvoll, wie die Obduktion ablief – direkt im Bett der Kaiserin. Eine Episode, die Medizin, Geschichte und Emotion vereint – und die tragischen letzten Stunden einer Ikone ins rechte Licht rückt.
🎧 Jetzt reinhören – in den Hörgang, den Podcast von Springer Medizin, mit freundlicher Unterstützung der Danube Private University. Ein Podcast wie eine Zeitreise – beklemmend, spannend und einzigartig.

Über diesen Podcast

Medizinische Sendungen gehen in die Tiefe, sind aber nicht unterhaltsam. Dieses Vorurteil zu widerlegen, haben wir uns für den Hörgang vorgenommen. Nun haben wir auf Springer Medizin Österreich einen Podcast ins Leben gerufen, der sowohl aktuell als auch wissensvermittelnd sein, darüber hinaus akustisch etwas hermachen soll. Neben Experten aus Wissenschaft und Praxis werden wir auch unsere Fachredakteure, Kolumnisten und Reporter der „Ärzte Woche“ zu Wort kommen lassen.

von und mit Springer Medizin Wien/ Martin Krenek-Burger

Abonnieren

Follow us