Hörgang

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Multiple-Sklerose-Therapie im Wandel: früher, stärker, gezielter

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Anlässlich des Welt-MS-Tages am 30. Mai gewährt Prof. Dr. Michael Khalil, Neurologe an der MedUni Graz, Einblicke in die neuesten Entwicklungen bei der Behandlung der Multiplen Sklerose (MS). In Österreich leben etwa 13.500 Menschen mit dieser chronisch-entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems – und die Zahl steigt stetig.
Ein zentrales Thema ist der therapeutische Paradigmenwechsel: Neue Studien plädieren für den frühzeitigen Einsatz hocheffektiver Therapien, um die Krankheitsaktivität bereits in der Anfangsphase effektiv zu unterdrücken. Diese Strategie – „hit hard and early“ genannt – zeigt langfristig positive Effekte, wirft jedoch auch Fragen zu Nebenwirkungen und dem Langzeitmanagement auf.
Parallel dazu gewinnen Biomarker und verbesserte Messparameter an Bedeutung, um Krankheitsverläufe individueller zu prognostizieren und Therapien maßzuschneidern. Das Ziel ist es, die Präzisionsmedizin auch im MS-Bereich zu etablieren.
Neben medikamentösen Ansätzen rückt der Lebensstil stärker in den Fokus. Studien aus Schweden zeigen, dass regelmäßiger Fischkonsum mit einem milderen Krankheitsverlauf einhergehen kann. Auch Bewegung, Nichtrauchen und eine gesunde Ernährung haben einen positiven Einfluss auf den Verlauf der MS.
Neue Hoffnung weckt auch ein Forschungsergebnis aus Graz: Im Tiermodell konnte gezeigt werden, dass Vitamin D antioxidative Effekte in der Spätphase der MS hat – ein vielversprechender Ansatz, der weitere Studien erfordert.
Nicht zuletzt ermöglichen neue Technologien wie Künstliche Intelligenz eine präzisere Auswertung der wachsenden Datenmengen im MS-Management. Khalil betont: Die Versorgung von MS-Patienten ist im Wandel.

Schuppenflechte im Visier – Neue Wege in der Psoriasis-Therapie

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In dieser Hörgang-Episode spricht Prof. Dr. Georg Stary von der Universitätsklinik für Dermatologie der MedUni Wien über aktuelle Entwicklungen in der Behandlung von Psoriasis. Im Fokus steht das neue Christian-Doppler-Labor für chronisch-entzündliche Hautkrankheiten, das Stary leitet – ein Projekt, das akademische Forschung mit industrieller Expertise verbindet.

Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Rolle der T-Zellen im Immunsystem und deren Fehlsteuerung bei der Schuppenflechte. Prof. Stary erklärt anschaulich, wie bestimmte Botenstoffe wie Interleukin-17 und -23 die Entzündungsreaktion vorantreiben – und wie neue Therapien gezielt in diesen Prozess eingreifen können.

Besonders vielversprechend: Ansätze, die nicht nur die Symptome lindern, sondern das Gleichgewicht des Immunsystems nachhaltig wiederherstellen. Ein neu entdecktes Enzym könnte dabei eine Schlüsselrolle spielen.

Darüber hinaus gibt Stary Einblicke in aktuelle Studien, den Einfluss von Umweltfaktoren wie Fettleibigkeit und das Potenzial, diese Erkenntnisse auch auf andere chronisch-entzündliche Erkrankungen zu übertragen. Eine informative Episode für alle, die moderne Dermatologie und translationalen Fortschritt hautnah erleben wollen.

Mind the gut! Wie unser Mikrobiom die Psyche beeinflusst

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Unser Körper beherbergt Milliarden von Mikroorganismen – vor allem unser Darm. Doch was haben diese winzigen Mitbewohner mit unserer Psyche zu tun? In dieser Folge spricht Prof. Dr. Martin Aigner mit Johanna Wolfsberger über das faszinierende Zusammenspiel von Mikrobiom und mentaler Gesundheit. Wie beeinflussen Darmbakterien unsere Stimmung? Können Probiotika helfen, Depressionen zu lindern? Und ist Ernährung vielleicht mehr als nur Nährstoffaufnahme? Eine Reise ins unsichtbare Ökosystem, das vielleicht unser Denken mitbestimmt.
Martin Aigner ist ein führender Experte für Psychiatrie. Dr. Johanna Wolfsberger ist Medizinjournalistin bei Springer Wien.

Zytomegalievirus (CMV) bei Schwangeren und Neugeborenen

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Hand aufs Herz – CMV, sagt Ihnen das was? Zytomegalievirus, das bedeutet CMV, ist die häufigste virus-bedingte Ursache bei Schädigungen von Neugeborenen. Trotz dieser schwerwiegenden Folgen ist die CMV relativ unbekannt, nicht nur bei werdenden Müttern, auch viele Ärzte haben diese Erkrankung nicht auf dem Schirm.
Daher haben wir uns für diese Episode einen erfahrenen Pädiater eingeladen, Prof. Volker Strenger, er ist an der Klinischen Abteilung für allgemeine Pädiatrie der Med Uni Graz tätig. Mit ihm sprechen über Epidemiologie, Diagnostik und Therapie dieser Infektionserkrankung, und wir beschäftigen uns mit Letermovir, einem rein CMV-spezifischen Virostatikum, das vor Kurzem von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA zugelassen wurde. Strenger dazu: „Letermovir ist ein rein CMV-spezifisches Virostatikum, das seit einigen Jahren für Erwachsene zugelassen ist in einem sehr klaren Indikationsrahmen, nämlich zur Prophylaxe einer CMV-Reaktivierung oder Infektion im Stammzell- oder Knochenmarkstransplantations-Setting, einerseits, und in weiterer Folge auch im Nierentransplantations-Setting. Es ist erfreulich, dass das es jetzt für Kinder zugelassen ist." Zugelassen ist diese neue Prophylaxe für ein klar umrissenes Patientenkollektiv. „Ich rechne pro Jahr mit 50 bis 100 kleinen Patientinnen und Patienten, die davon profitieren können."
Dieser Podcast entstand mit freundlicher Unterstützung von MSD.

Lust und Risiko - Warum wir über Geschlechtskrankheiten reden sollten

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Diese Folge des Hörgangs kommt aus dem Narrenturm im Alten AKH in Wien – einem der faszinierendsten Museen Europas, berühmt für seine Sammlung medizinischer Kuriositäten. Doch heute richten wir unseren Blick weniger auf das Kuriose, sondern auf das Aktuelle – und Alarmierende.  Was jahrzehntelang auf dem Rückzug war, ist heute wieder auf dem Vormarsch – sexuell übertragbare Infektionen wie Syphilis, Gonorrhö oder HIV.  
Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wie eng Medizin, Gesellschaft und Sexualmoral miteinander verflochten sind – und welche Lehren wir aus der Vergangenheit ziehen können. 
Darüber sprechen wir mit der Generaldirektorin des Naturhistorischen Museums, Dr. Katrin Vohland, sowie mit den Kuratoren der Ausstellung  „Safe Sex-Comeback der Geschlechtskrankheiten" im Narrenturm im Alten AKH, Eduard Winter und Laura Lick. Dabei erfährt man dann doch allerhand Kurioses, etwa, dass Backenbärte im 19. Jahrhundert bei Männern deshalb so populär waren, um zu zeigen, dass man eben keine Syphilis hat, vor Gesundheit strotzt und Haarausfall kein Thema ist.

Die Ausstellung beginnt mit dem Thema Syphilis. Warum eigentlich? Kurator Eduard Winter dazu:  „Syphilis kennt eigentlich jeder vom Namen her. Es ist eine der ältesten Geschlechtskrankheiten, die die Menschheit kennt, die sie über Jahrhunderte hin beschäftigt hat und die auch viele Auswirkungen auf die Gesellschaft hatte. Es hat sich angeboten, mit einem Klassiker zu starten."  Generaldirektorin Vohland sagt, dass die Ausstellung  „Menschen sensibilisieren und ermutigen soll, mit ihren jeweiligen Sexualpartnern und -partnerinnen offen über das sexuell übertragbare Krankheiten zu sprechen". Das Lieblingspräparat in der Ausstellung ist für Kuratorin Laura Lick der „Gebärmutterhalskrebs, weil eben die HPV-Impfung die erste Impfung ist, die auch vor einer Krebsart schützt. Da gibt es auch einen sehr positiven zusätzlichen Aspekt, denn bis Ende 2025 gibt es für unter 30-Jährige die Möglichkeit, die Impfung nachzuholen".

Gehirnmetastasen erkennen und schrumpfen lassen

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Wenn sich Krebs im Körper ausbreitet und das Gehirn erreicht, verändert sich für viele Betroffene alles. Gehirnmetastasen sind schwerwiegende Folgen fortgeschrittener Tumorerkrankungen und genau darüber sprechen wir in dieser Folge.
Für Patienten bedeutet diese Diagnose nicht nur eine Verschlimmerung ihrer Erkrankung, sondern oft auch erhebliche neurologische Beschwerden. Die durchschnittliche Prognose bewegt sich je nach Tumorart zwischen wenigen Monaten und wenigen Jahren.
Die Forschung macht Fortschritte, neue Diagnosemethoden, gezieltere Therapien und ein besseres Verständnis der Erkrankung geben Anlass zur Hoffnung. „Wir verstehen immer besser, wie es überhaupt zur Metastasierung ins Gehirn kommt."
Das sagt Dr. Matthias Preusser, er ist Professor für internistische Onkologie an der MedUni Wien und forscht schon seit vielen Jahren an diesem Thema: „Die Tumorzellen lösen sich von den Primärtumoren ab. Die können in ganz unterschiedlichen Orten im Körper liegen. Meistens sind das Brustkrebs oder Lungenkrebs oder auch Metanome, also schwarze Hautkrebs, die ein besonderes Risiko tragen, sich ins Gehirn abzusetzen."
Trotz moderner Therapien spricht Preusser - wie die meisten Onkologen - nicht gern von Heilung, „speziell bei fortgeschrittenen Erkrankungsstadium, wenn Hirnmetastasen vorliegen. Was uns gelingt, ist Hirnmetastasen zu schrumpfen, mit unterschiedlichen Therapieverfahren, auch dank neuer Medikamente."

Die Fragen stellt Martin Krenek-Burger.
(Redaktion: Dr. Johanna Wolfsberger. Postproduktion: hear-wego)

Mehr als nur ein Augentier - die unterschätzten Sinne des Menschen

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Es heißt ja immer, die Menschen sind Augentiere. Das bedeutet, wir orientieren uns durch unseren Sehsinn im Raum. Als wichtig wird weiters der Hörsinn erachtet. Wir hören beispielsweise die quietschenden Bremsen eines Autos und reagieren darauf.
Was dabei oft vergessen wird, ist, dass auch das Riechen wichtig ist, damit wir uns im Alltag zurechtfinden, obwohl uns das oft nicht bewusst ist.
Den Physiologieprofessor Wolfgang Skrandies stört das Vernachlässigen des Riechens, aber auch des Schmeckens, schon lange, und er wittert offene Fragen: Warum schmeckt Vanillezucker zwar auch bei verstopfter Nase noch süß, verliert aber seine Vanillenote? Und welcher Geruch ergibt sich, wenn man Haferflocken mit Maggi-Würze mischt? Nicht nur im Alltag auch in der Lehre werden das Schmecken und Riechen vernachlässigt: „Lehrbücher sind meistens so aufgebaut, dass sie einen riesigen Teil über das Sehen bringen, einen stattlichen Teil über das Hören, dann kommt ein Teil über das Fühlen, den Schmerz und die Wahrnehmung, die über die Haut vermittelt wird. Und zum Schluss kommen noch zwei, drei, vier oder fünf Seiten über das Riechen oder über das Schmecken."
Dabei vermittelt gerade der Geruch Heimatgefühle. „Stellen Sie sich vor, Sie kommen abends nach Hause oder Sie besuchen an den Feiertagen Ihre Eltern, und da riecht es eben so, wie es immer gerochen hat. Das ist der heimatliche Geruch, der als angenehm empfunden wird."
Im Gespräch mit Jasmin Altrock stellt Skrandies sein eigenes Buch über das Schmecken und Riechen vor, das vor Kurzem im Springer-Verlag erschienen ist.

Chikungunya, Dengue, Oropouche - tropische Krankheiten auf dem Vormarsch

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Die häufigsten tropischen Virus-Erkrankungen sind Chikungunya, Dengue und das hierzulande noch unbekannte OROV - Oropouche Virus (sloth fever) sind auf dem Vormarsch. Das klimatische Durcheinander aus Erderhitzung einerseits und extrem starken Regenfällen andererseits heizt ihre Ausbreitung an, selbst in europäischen Städten haben sich stabile Populationen ihrer Überträger, der Asiatischen Tigermücke, herausgebildet. In Graz werden seit Kurzem sterile Männchen ausgesetzt, um die weitere Ausbreitung zu verhindern.
Der Tropenmediziner Thomas Valentin berichtet in dieser Episode vom neuen Impfstoff gegen die Chikungunya-Erkrankung. Und er spricht über die neuesten Erfolge bei der Suche nach einem effektiven Malaria-Impfstoff, und warum es für eine sichere Reiseimpfung immer noch nicht reicht.
Anlass für das Gespräch war die Europäische Impfwoche (21.-27.4.2025). Diese Aktion soll die Bevölkerung an die Bedeutung von hohen Durchimpfungsraten erinnern. Österreich zahlt einen hohen Preis für das Vernachlässigen der Impfdisziplin wie die jährlichen Masernausbrüche beweisen. Auch die sinkende Impfquote bei der FSME-Impfung verspricht nichts Gutes. Und es lauern neue exotische Viren in unseren Hinterhöfen und Kleingärten.
Die Fragen stellt Martin Krenek-Burger.

Neue Geschichten aus der Psychiatrie

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Der ehemalige Primar der psychiatrischen Abteilung in Klagenfurt, Herwig Oberlerchner, will sein Fach öffnen und ein realistisches Bild seiner Patienten zeichnen. Das ist auch nötig, denn bis heute noch herrscht die Vorstellung, dass Psychiatrien abgeschlossene Anstalten sind, und dass das, was hinter ihren Mauern passiert, auch dort bleibe, sowie dass die Patienten für sehr lange Zeit in stationärer Behandlung bleiben. Tatsächlich sind es nicht Monate, wie viele denken, sondern rund zwei Wochen durchschnittliche Aufenthaltsdauer. Und zwei Drittel der Patienten kommen freiwillig, was die wenigsten glauben.
Oberlerchner nimmt seine Hörer mit auf eine Reise in die für viele unbekannte und mit Mythen und Fehlmeinungen durchsetzte Welt einer psychiatrischen Abteilung. Er gewährt im Wortsinn Einblicke, denn Oberlerchner liest aus seinem neuen Buch „Einblicke", erschienen im Drava-Verlag, und erklärt das Coverbild, das die Ruine des alten Hauptgebäudes von 1877 zeigt, hinter der ein Park sichtbar wird. Oberlerchner: „Ich wollte einen Einblick geben in diese oft ein bisschen unheimliche Binnenwelt einer psychiatrischen Abteilung."
Aber wozu, mit welchem Ziel? „Einerseits hat die psychiatrische Abteilung in Kärnten eine ganz außergewöhnliche Geschichte, die eben mit dem Neubau 1877 beginnt. Aber wir haben dann eine Ära in Klagenfurt zu betrauern, die 1938 begann und 1945 endete, nämlich die Ära der NS-Euthanasie. Wir waren in Kärnten mit der Tatsache konfrontiert, dass die damalige Landesirrenanstalt eine Tötungsanstalt war. Es wurden 739 Menschen ins Schloss Hartheim deportiert, weitere 700 Menschen danach in den 1940er-Jahren an der Abteilung in der Siechenanstalt und im Hinterhaus aktiv getötet. Die Auseinandersetzung mit dieser menschenverachtenden Ära der Medizingeschichte war zögerlich in Kärnten, insbesondere in den 50er-, 60er-, 70er-Jahren."
Der Hörgang bat Oberlerchner anlässlich des ÖGPP-Kongresses (2. bis 5. April 2025, Wien) zum Interview.

Seit 30 Jahren: Hemayat hilft Opfern von Krieg und Folter

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Das Betreuungszentrum Hemayat in Wien behandelt seit 30 Jahren Kinder, Frauen und Männer, die unter den Folgen von Krieg und Folter leiden. Bisher haben rund 22.000 schwertraumatisierte Menschen Hilfe erhalten. „Die Menschen, die wir betreuen, kommen aus den Krisenherden dieser Welt", sagt Geschäftsführerin Cecilia Heiss. Die häufigste Erkrankung ist die posttraumatische Belastungsstörung. „Die Erinnerungen kehren in Form von Flashbacks und Albträumen zurück. Die Patienten sehen die Gesichter ihrer Peiniger in der U-Bahn, sie spüren die Schmerzen der Folter wieder, wenn sie jemanden in einer Uniform sehen - es ist belastend."

Prof. Dr. Siroos Mirzaei, Nuklearmediziner an der Klinik Ottakring, war als Jugendlicher im Iran politisch aktiv. Er erklärt: „Wenn Personen aus bestimmten Gebieten aus einem Gefängnis kommen, gehen Experten davon aus, dass sie körperlich misshandelt wurden." Er nennt Syrien, Afghanistan und Iran als Länder, in denen körperliche Misshandlung und psychische Traumatisierungen häufig vorkommen.
Die Fragen stellt Irene Thierjung.

Über diesen Podcast

Medizinische Sendungen gehen in die Tiefe, sind aber nicht unterhaltsam. Dieses Vorurteil zu widerlegen, haben wir uns für den Hörgang vorgenommen. Nun haben wir auf Springer Medizin Österreich einen Podcast ins Leben gerufen, der sowohl aktuell als auch wissensvermittelnd sein, darüber hinaus akustisch etwas hermachen soll. Neben Experten aus Wissenschaft und Praxis werden wir auch unsere Fachredakteure, Kolumnisten und Reporter der „Ärzte Woche“ zu Wort kommen lassen.

von und mit Springer Medizin Wien/ Martin Krenek-Burger

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